Wanderer, kommst Du nach Worms …

In den Vogesen ist es nachts still. Nur die Eulen hört man schreien. Marder huschen einem auf den Wegen direkt vor die Füße, freundliche Katzen und Igel kommen vorbei, und an dem Rauschebach in Linthal gibt es Feuersalamander und Ringelnattern.

Das Abendbrot besteht, wie könnte es anders sein, aus Baguette und einem Kilo feinster französischer Käseauswahl. Und einem göttlichen Gewürztraminer aus Mittelwihr. Zum Nachtisch einen edlen Zwetschenschnaps, der hier tatsächlich „Eau de vie de Quetsch“ heißt. Die Luft am frühen Morgen ist so leicht und frisch, das man sich gar nicht satt atmen kann an ihr. Schmetterlinge flattern bunt über den spätsommerlichen Beeten, und man sitzt mit seinem Café au Lait in der Sonne und möchte nie wieder nach Hause. Idyll ist gar kein Ausdruck! Achthundertkilometer hin, achthundert Kilometer zurück, eineinhalb Stunden Stau. Die Angst, ob die alte Mühle die Höllenfahrt in das Elsass tatsächlich noch einmal mitmacht, fährt auf dem Rücksitz mit. Und das nur für drei Tage. Alles, um dem verregneten Sommer in Hamburg zu entfliehen.

Totally worth it.

Nach drei Tagen schlemmen und wandern ist es soweit: Es nützt ja alles nichts. Man tut gut daran, den langen Nachhauseweg durch kleine Exkursionen zu unterbrechen. Letztes Mal waren wir in Lorsch und haben das sehr sehenswerte Klostermuseum mit seinem romanischen Torbau besichtigt. Diesmal waren wir in Worms. Geschichtsbeflissen, wie ich bin, wollte ich schon immer mal nach Worms. Dieser Name klingt schon so schön alt. Und in der Tat ist Worms eine der ältesten Städte Deutschlands. Die Nibelungen! Die deutschen Kaiser! Die romanische Synagoge! Die Mikwe!

Das schöne alte Stadttor schraubt die Erwartungen hoch. Es ist so ruhig, das man zunächst glaubt, es wäre heute Sonntag. Oder die Pest sei gerade ausgebrochen. Die Stadt wurde leider in weiten Teilen von Luftangriffen zerstört und kaum etwas Erhaltenswertes wieder aufgebaut, bis auf den wuchtigen Dom, den einige schwarze Pestkreuze zieren. Also doch! Hässliche Nachkriegsbauten beleidigen das Auge, wohin man nur schaut. Obwohl klimatisch begünstigt, ist von südlichem Flair nichts zu finden, kaum Bäume, kaum Pflanzen, nicht einmal auf den Balkonen. Vermutlich denken die Wormser: Wozu soll das noch gut sein? Das reißt es auch nicht mehr raus. Nirgendwo ein Café oder halbwegs ansprechendes Lokal, das zum Verweilen einlüde. Jetzt wundere ich mich auch nicht mehr, dass beim googeln von „Worms“ zahllose Bilder von Würmern zu sehen sind.

Also schleunigst auf zur Synagoge, ehe die elsässische Tiefenentspannung völlig verschwunden ist. Was wären die mittelalterlichen Städte gewesen ohne ihre Judengassen? Man hasste sie und verfolgte sie, tötete sie und unterzog sie Zwangstaufen, aber ohne ihre Geldwirtschaft funktionierte gar nichts im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Die Judengemeinden waren ein Geldschwamm, den man je nach Bedarf, ob Palastbauten oder Fehden, Stadtwehranlagen oder Kriege, ständig auspressen konnte. Hier hat das antisemitische Klischee vom geldgeilen Juden seinen Ursprung, und es ist nicht totzukriegen: „Er ist einer jener Männer, die Geld verleihen, zu drei Pfennig pro Woche, was einem Jahreszins von 26 Prozent entspricht. Ohne Zweifel Wucher, doch viele (…) bezahlen ihre Schulden nur spät – oder nie“. Das steht tatsächlich im neuen Heft „GEO Epoche – Das Mittelalter“ über einen jüdischen Geldverleiher aus Köln. Ja, was sollte der Jude auch machen, außer Wucherzinsen zu nehmen. Inzwischen weiß man längst, dass die Höhe der Zinsen von der Willkür der Herrschenden abhing. Aber das Klischee ist lieb und teuer, und heute faseln Pseudolinke, die Kapital nicht von Kapitol unterscheiden können, von Turbokapitalismus und Heuschrecken.

In der Wormser Judengasse kann man die Vergangenheit  noch erahnen, erspüren, schon sehe ich einen heißen Augusttag im vierzehnten Jahrhundert vor mir: Kreischende Kinder spielen fangen zwischen den Marktständen mit geschächtetem Fleisch, Käse und Eiern, Pflaumen und Mirabellen. Die Frauen holen die geflochtenen Challoth aus dem Backhaus, die Berches, wie die Hefezöpfe sogar heute noch in Süddeutschland heißen, Männer mit langen Bärten kommen aus dem gedrungenen romanischen Bau der Synagoge, die auf der linken Seite eine kuriose Wölbung nach Innen aufweist: Eine schwangere Jüdin habe sich einmal dort gegen die Wand gepresst, um vor einem rücksichtslos durchrasende Fuhrwerk in dem engen Gässchen Schutz zu suchen, erzählt die Legende, und da habe die Wand der Schul nachgegeben, um das kostbare kleine Leben in ihr zu retten. Ihre Sprache ist mittelhochdeutsch, gemischt mit hebräischen Wörtern, sie werden sie mit nach Polen nehmen, wo man sie mit der polnischen Alltagssprache anreichern und Jiddisch nennen wird. Frauen mit Handtüchern unter dem Arm machen sich auf den Weg hinunter in die Mikwe. Ja, die Wormser Mikwe, die ist nun wieder jede Mühe wert. Steinerne Stufen führen hinunter ins Dunkel, an einem gotischen Spitzbogenfenster vorbei, achthundert Jahre tief in die Vergangenheit. Wahrscheinlich blakten im Mittelalter in diesem Fenster ein oder zwei Öllämpchen vor sich hin, wenn die Besucherin sich ihrer ganzen Kleidung entledigte, um dann, nach ihren unreinen Tagen, einmal kurz und gründlich unterzutauchen in dem eisigen grünlichen Grundwasser, das noch immer das Ritualbad füllt, als hätte es inzwischen keine Kreuzzüge, keine Armlederverfolgungen, keine Pestpogrome und kein drittes Reich gegeben.

Auf der Fahrt nach Osten über den Rhein beleidigt ein in Stein geronnenes, monumentales Schrecknis das Auge, der sogenannte Nibelungenturm über der Nibelungenbrücke. Gut, dass wir ihn erst gesehen haben, nachdem wir die Stadt zum ersten und zum letzten Mal besucht haben. Wäre der Nibelungenturm das erste gewesen, was ich von Worms gesehen hätte, hätte mich jeder Mut verlassen, die Stadt zu betreten.

 

Der Körperschleier ist ein Verbrechen

Im September 2014 wurde in Israel gefeiert, was das Zeug hielt. Das islamische Opferfest Eid Al-Adha, das jüdische Neujahrsfest Rosch-Hashana und der Versöhnungstag Jom Kippur, alles fand mehr oder weniger im Zeitraum von einer Woche statt. Noch nie hatte man in Tel Aviv derart viele Muslime gesehen. Und das ist das Bemerkenswerte an den muslimischen Israelis:

Sie möchten die Juden gern ins Meer treiben, aber es spricht nichts dagegen, vorher ihre Fischrestaurants und Eisdielen zu besuchen.

Am Opferfest haben muslimische Männer die religiöse Pflicht, ein Schaf zu schlachten und das Fleisch an die Armen zu verteilen. In der Praxis werden tagelang Grillpartys geschmissen. Im galiläischen Gan Hashlosha, einem Quellgebiet mit herrlichem Naturbad, war es brechend voll. Die Männer ließen es sich bei zweiunddreißig Grad im Schatten wohl sein in Shorts und Feinrippunterhemden und in den kühlen Fluten. Die Frauen waren von Kopf bis Fuß in schwarze Kunstfaser gehüllt, kümmerten sich ums Essen und schwitzten vor sich hin. Eine einzige durfte ins Wasser, ebenfalls von Kopf bis Fuß verhüllt. Wer bis dahin keine klare Vorstellung von der Stellung der Frau in der muslimischen Welt hatte, wusste spätestens jetzt Bescheid.

Die derzeitigen Debatten über das sogenannte Burkaverbot zielen in der Regel völlig an diesem eigentlichen Problem vorbei. Wer die Burka verbiete, tönte Nordrhein-Westfalens Innenminister, müsse auch verbieten, dass sich Menschen als Nikolaus verkleiden. http://www.focus.de/politik/videos/debatte-um-innere-sicherheit-innenminister-jaeger-burka-verbot-muesste-auch-verbot-von-nikolaus-verkleidung-bedeuten_id_5836763.html. Ich weiß nicht, ob Ralf Jäger die letzten zehn Jahre auf einem anderen Planeten gelebt hat oder vor dem Schlafengehen gelegentlich mit Meskalin gurgelt, aber von allen Beiträgen zu dieser Debatte ist dies mit Abstand der Verfehlteste.

Er zeigt auch, was exemplarisch für den Umgang mit dem Islam, der Flüchtlingspolitik und eben der Debatte um den Ganzkörperschleier steht: Die totale Unkenntnis der muslimischen Gesellschaft, Kultur und Alltagswelt. Auch von Freiheit ist immer die Rede, von unserer freiheitlichen Gesellschaft, die es sich nicht leisten könnte, Frauen vorzuschreiben, wie sie sich zu kleiden hätten. So ist es auch und so sollte es bleiben. Aber man sollte sich parallel vor Augen halten, dass sich Millionen Muslime in Europa genau um diese Freiheit einen Dreck scheren. Wer sich von den Bessermenschen immer mit dem schönen Gedanken tröstet, die stolze, emanzipierte Muslimin trage ihren Schleier freiwillig, hatte keine Vorstellung davon, in welchen sozialen Strukturen sie sich bewegt – es sei denn, er oder sie käme aus eines erzkatholischen Fünfhundertseelenkaff um 1900.

Der Fetisch des Islam ist die Sexualität der Frau. Mit der Kontrolle über ihren Körper steht und fällt ihre Ehre, die ihres Mannes, ihrer Brüder, Onkel und Großonkel, ihrer Söhne, ihrer Familie und der gesamten Umma. Klar, dass man etwas so Wichtiges daher nicht ihrem eigenen Gutdünken überlassen kann. Die Sexualität der Frau muss so rigoros wie möglich kontrolliert werden, und das fängt beim Kopftuch an und hört mit der Verstümmelung ihrer Genitalien auf. Zweckmäßig ist es daher, den weiblichen Körper aus der Öffentlichkeit zu bannen, den Blicken zu entziehen, sie ans Haus zu fesseln, oder ihn mittels Burka oder Niqab gänzlich zum Verschwinden zu bringen.

Wieso fällt eigentlich kaum jemandem das paradoxe Verhalten muslimischer Frauen auf, die sich bewusst durch Verschleierung ausgrenzen und dann anschließend herumjammern, dass sie sich ausgegrenzt fühlen? Es mag durchaus sein, dass viele Musliminnen ernsthaft glauben, sie trügen den Schleier freiwillig. Aber sie belügen sich selbst. Schließlich wurde ihnen von Kindesbeinen an eingetrichtert, dass sie ohne den Schleier nicht „geschützt“ seien. Die Ehre der Frau wird in jeder muslimischen Community sorgfältig bespitzelt. Eine deutsche Lehrerin, die mit ihrem türkischen Mann im Hamburger Problemviertel Mümmelmannsberg lebte, erzählte mit einmal, wie total diese Frauenkontrolle ist: Schon, wenn die kleine Schwester die U-Bahn-Station verlässt, wird von Freunden und Bekannten eine Sichtprüfung vorgenommen und per Handy weitergegeben. Ist sie allein? Ist sie im Beisein von Freundinnen und wenn ja, von welchen? Trägt sie Lippenstift? Was hat sie an? Trägt sie ihr Kopftuch? Bis sie zuhause ist, sind die Männer der Familie, deren Kontrolle sie unterworfen wird, bereits komplett im Bilde.

Ein Burkaverbot sei überflüssig, das Grundgesetz allein müsste doch ausreichen, las ich dieser Tage von irgendeinem Naivling bei Facebook. Wenn eine Frau keinen Schleier tragen wolle, dann könne sie doch einfach zur Polizei gehen. Schließlich würden in Deutschland ja auch eine Menge Frauen geschlagen, die könnten ja auch dergleichen tun. Empathiefreier Kulturrelativismus. Ach ja, wenn es so einfach wäre! Der Wunsch, den Schleier abzulegen, hat für Musliminnen nicht selten katastrophale Folgen. Eine Irakerin, die ich kannte, lebte unter fremdem Namen und mit komplett neuer Identität in Hamburg, so wie ein Kronzeuge gegen die Mafia. Sie hatte sich geweigert, dem Kopftuchbefehl ihres Mannes Folge zu leisten, daraufhin drohte er, sie umzubringen. Das war nur das, wie sie mir erzählte. Dem vorangegangen sein wird das im Koran in der Sure 4:34 vorgeschlagene Erziehungsprogramm: „Vermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie.“

Islamapologeten behaupten gerade von dieser Sure gern, sie sei auf gar keinem Fall wörtlich aufzufassen. Aber das sieht in der muslimischen Praxis anders aus. Viele Europäerinnen, die mit ihrem Ehemann in einem muslimischen Land lebten, haben die Erfahrung machen müssen, dass ehrverletzendes Fehlverhalten exakt wie empfohlen abgestraft wurde, und zwar genau in der vorgeschriebenen Reihenfolge. Der muslimische Göttergatte hat in vielen Fällen auch ausdrücklich betont, es sei seine Pflicht, seine Frau zu „erziehen“.

Wer also demnächst bei dreißig Grad einen muslimischen Macho in kurzen Hosen und Ärmeln neben seiner komplett in bodenlangen schwarzen Nylon gehüllten Frau betrachtet, sollte seine Theorie von der Frauenfreundlichkeit des Islam noch mal überdenken. Es geht ja nicht nur darum, dass Terroristen sich unter der Burka verstecken könnten, was sie ja schon getan haben. Die Tatsache, dass der Ganzkörperschleier Frauen in der Öffentlichkeit zur Unperson macht, sie der Dehydrierung, Vitamin-D-Mangel durch zu wenig Sonnenlicht und Kopfhautschäden aussetzt, ihre Bewegung einschränkt und zur Stolperfalle wird, sollte schon Grund genug sein, ihn rigoros zu verbieten. Solange ich mich nicht unbekümmert bis zum Bauchnabel ausgeschnitten durch jedes muslimische Land dieser Erde bewegen kann, sehe ich keinen Grund, die Burka zu tolerieren. Der Körperschleier ist keine Modelaune – er ist ein Verbrechen.

Jung, hübsch, weiblich, muslimisch

Jung, hübsch, weiblich, muslimisch – Erklärbärin Sawsan Chebli, die stellvertretende Sprecherin des auswärtigen Amtes, erläutert in der FAZ im Gespräch mit dem Berliner Bürgermeister Müller, warum Muslime immer Opfer sind und die Sharia problemlos kompatibel mit dem Grundgesetz. http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/gespraech-ueber-unsere-gesellschaft-und-den-islam-14368816-p2.html
Chebli ist alles, was man einfach liebhaben muss: Eines von zwölf Kindern palästinensischer Asylanten, aus dem Arbeiterviertel Moabit und gläubige Muslimin, die eigentlich auch liebend gern ein Kopftuch tragen würde, was aber nach ihrer eigenen Aussage nicht geht, weil man damit in Deutschland keine Karriere machen kann. Wenn sie sich nicht gerade durch Pressekonferenzen stammelt und stottert https://propagandaschau.wordpress.com/2015/10/04/tilo-jung-productions-praesentiert-chebli-vs-chebli/, ist Frau Chebli in einem vom Bundesfamilienministerium finanzierten Projekt aktiv, das „JUMA“ heißt, wie das islamische Freitagsgebet, aber auch die Abkürzung für „Jung, muslimisch, aktiv“ ist. Auf dessen lahm frequentierter Facebookseite tauschen sich verschleierte Frauen nicht nur über schwer traumatisierende Diskriminierungserfahrungen aus, sondern auch darüber, wie schick und trendy es sein kann, Kopftuch zu tragen.
Ihr Vater spreche kaum deutsch und sei Analphabet, aber weitaus besser integriert als viele Funktionäre der AFD, haut Chebli gleich zu Anfang des Interviews zackig raus. Wie der Mann die vierzehn Personen seiner Familie ernährt, erfahren wir hingegen nicht. Obwohl seine Tochter auf das Übelste am Lernen gehindert wurde, weil ihre Lehrer meinten, „ein Flüchtlingskind gehöre nicht auf die höhere Schule“ http://www.rp-online.de/politik/deutschland/sawsan-chebli-vom-fluechtlingskind-ins-staatsamt-aid-1.5609423, meisterte Chebli Abitur und Studium. Sie ist zweifellos ein Beispiel dafür, dass Integration und eine erfolgreiche Karriere auch unter den widrigsten Bedingungen gelingen können. Ausgezeichnet, genau, das, was man braucht.
Was man hingegen nicht braucht, sind die hundertfach wiedergekäuten Belehrungen darüber, das verschleierte Frauen wie ihre fünf Schwestern das Kopftuch gänzlich freiwillig und darüber hinaus auch noch gegen den Widerstand ihrer Männer tragen. Wie könnte es auch anders sein in einem Haushalt, in dem fünf Gebete am Tag Pflicht waren und nach der Schule der Koran auswendig gelernt wurde.
Alle reden über Sharia, aber kaum jemand wisse, was das bedeutet, sagt Chebli und klärt auf: Sharia bedeute Weg zur Quelle oder Weg zu Gott und regele das Verhältnis zwischen Gott und den Menschen. Und da gehe es hauptsächlich um Gebet, Fasten und Almosen. Pipifax also. Das sieht in den muslimischen Ländern, wo die Sharia die Grundlage von Verfassung und Rechtssprechung bildet, allerdings ganz anders aus. Dort wird man auf dem Weg zur Quelle schon mal mit einer Verurteilung zu tausend Peitschenhieben überrascht, so wie der Saudi-arabische Blogger Raif Badawi. Von der Pervertierung des kuchenguten Islam durch den IS redet Chebli, der die muslimische Gemeinschaft in Geiselhaft nehme. Von Massenprotesten der Geiseln gegen diese Zumutung ist allerdings weit und breit nichts zu hören und zu sehen, und das, obwohl Muslime laut Chebli nach mehr Demokratie hungern sollen.
Wenn Muslime für Aliens gehalten werden, wie Chebli meint, könnte das daran liegen, das Muslime Aliens sind, denn bevor die ersten sogenannten Gastarbeiter aus den Balkanländern und der Türkei nach Deutschland kamen, waren Muslime in der deutschen Gesellschaft praktisch nicht präsent. Es kann auch daran liegen, dass gerade muslimische Frauen bemüht sind, sich äußerlich deutlich von ihrer Umgebung abzugrenzen, indem sie sich verschleiern. Dass davon nicht jeder Indigene begeistert sein kann, damit sollte man schon rechnen. Nun habe ich es in Ägypten und in Jerusalem auch erlebt, dass ich von arabischen Männern beschimpft, angetatscht und mit Dreck beworfen wurde. Aber dennoch würde ich so schnell nicht auf den Gedanken kommen, dass diese Männer sich gefälligst mit einem Outfit abzufinden hätten, das in ihrer Kultur nicht üblich ist. Jedenfalls habe ich zu diesem Thema keine Jammergedichte verfasst, wie die „Jumanerinnen“ auf der Facebookseite von Cheblis Projekt es tun.
Und ja, ich behaupte steif und fest, verschleierte Frauen sind unterdrückt von einer frauenverachtenden Ideologie, in der sie Menschen zweiter Klasse sind, von denen in der Öffentlichkeit so wenig wie möglich sichtbar sein sollte, oder die, wie Zehra Yilmaz es einmal bei Maischberger erklärte: Das Kopftuch solle die Frau in der Öffentlichkeit möglichst wenig, am besten aber gar nicht reizvoll machen.
Auf wen hören nun aber die Muslime in Deutschland? Auf niemanden, behauptet Frau Chebli. Ein Muslim sei nur Gott gegenüber zur Rechenschaft verpflichtet, so als gebe es keine Islamverbände, keine Imame und keine Freitagspredigten. Bürgermeister Müller sitzt daneben und nickt die plumpe Propagandashow weise ab, sagt Ja und Amen und bescheinigt der Religion an und für sich eine „wichtige, ja auch eine stabilisierende Funktion“. Wie hatte Volksbischöfin Margot Käßmann schon gesagt? Wer Angst vor dem Islam hat, soll mehr in die Kirche gehen. Durch die zunehmende Islamisierung wittern Evangelen und Katholiken seit einiger Zeit wieder Morgenluft.
Von Klerikern kann man so was erwarten. Aber wenn Politiker so anfangen, haben wir ein ernstes Problem.

 

Vierzehn Tage wilder Westen

In einem Zug nach Würzburg geht ein junger Flüchtling mit einer Axt auf die Fahrgäste los. Es gibt mehrere Verletzte. In München beschafft sich ein junger Deutscher mit iranischem Migrationshintergrund eine Feuerwaffe und tötet zehn Menschen und verletzt weitere. In Ansbach taucht ein Syrer mit einer Bombe im Rucksack auf einem Festival auf. Er sprengt sich in die Luft, fünfzehn Menschen werden zum Teil schwer verletzt. Auf einen Arzt in Troisdorf geht ein Palästinenser auf mit einem Messer los, einer Waffe, wie er betont, mit der er schon viele Juden getötet hätte. Auf einem Friedhof in Ibbenbüren vergewaltigt ein Eritreer eine Neunundsiebzigjährige. Auf dem Open-Air-Festival Breminale kommt es zu mindestens vierundzwanzig sexuellen Übergriffen, begangen von Nordafrikanern. In Reutlingen geht ein Syrer mit einer Machete auf die schwangere Mutter von vier Kindern los und schlachtete sie regelrecht. Dann hackt er weiter wild um sich, es gibt mehrere Verletzte. In Rouen dringen zwei Männer während eines Gottesdienstes in eine Kirche ein und nehmen die Insassen als Geiseln. Sie zwingen den sechsundachtzigjährigen Priester Jaques Hamel auf die Knie und schneiden ihm die Kehle durch.
Die Schreckensbilanz von gerade einmal vierzehn Tagen.
Vor einem Jahr prophezeite ich an dieser Stelle: Die unkontrollierte Einwanderung wird uns um die Ohren fliegen. Daraufhin nahmen die Schmähungen kein Ende, man warf mir Rechtsradikalismus und Paranoia vor. Alte Freunde wurden zu neuen Feinden. Aber was soll ich machen. Hier sitze ich am Schreibtisch und kann nicht anders.
Ehemalige DDR-Bürger reagieren dieser Tage besonders empfindlich auf die peinliche Propagadashow der Medien. Der Satiriker und Karikaturist Bernd Zeller hat mir gegenüber mehrfach betont, dass er nie für möglich gehalten hätte, wieder staatlich kontrollierte Meinungsmache genießen zu dürfen. Nachrichten der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten mutieren zu Lach- und Sachgeschichten, nur dass ihnen das streng wissenschaftliche Fundament der „Sendung mit der Maus“ abgeht.
es gäbe bei Flüchtlingen auf keinen Fall eine höhere Affinität zu Gewalt und Terror als bei den anderen Bürgern dieses Landes. Im Gegenteil, dazu hätten sie gar keine Zeit und keinen Anlass, seien sie doch alle vollauf damit beschäftigt, in überfüllten Flüchtlingsunterkünften ihre posttraumatischen Belastungsstörungen zu verarbeiten, mit denen sie skandalöserweise mutterseelenallein gelassen. Unter ihnen gäbe es insgesamt wenig psychisch Erkrankte. Also sollten wir uns mal nicht so anstellen und nicht gleich hysterisch werden.
Psychische Erkrankung ist ein dehnbarer Begriff. Mangelnde Impulskontrolle, geringe Frustrationstoleranz, nicht vorhandene Empathiefähigkeit, kein Schulderleben und Unfähigkeit zu sozialem Lernen, vordergründige Erklärung für das eigene Verhalten und unberechtigte Beschuldigung anderer sowie anhaltende Reizbarkeit sind laut Wikipedia die typischen Symptome für eine dissoziale Persönlichkeitsstörung. Diese Verhaltensauffälligkeiten allerdings gelten bei muslimischen Männern in der Regel als charakteristisch, positiv und explizit maskulin. Gerade mit der mangelnden Impulskontrolle hat man in Flüchtlingsunterkünften seine liebe Not: Es kam im Verlauf den letzten Jahres zu Tausenden von Polizei- und Feuerwehreinsätzen aufgrund unkontrollierbarer Gewaltausbrüche. Flüchtlingshelfer erleben immer wieder, wie Frauen und Kinder selbstverständlich geschlagen, wie Schwarze und Andersgläubige massiv gemobbt und unterdrückt werden, bis hin zu Schlägen, Messerstechereien und Vergewaltigungen. Suiziddrohungen und bewusst inszenierte Selbstverletzungen gehören zu den folkloristischen Mitteln, die manche Bewohner einsetzen, um ihren Willen durchzudrücken. Umso größer ist das Erstaunen, wenn man sich anschließend in der stationären psychiatrischen Unterbringung wiederfindet. Wie peinlich ist das denn? Eine psychische Erkrankung gilt in der orientalischen Kultur als große Schande, schon, weil ein „Verrückter“ keine Frau bekommt, mit der er ja doch nur weitere Verrückte zeugen würde.
In der islamischen Welt herrscht ein Gewaltverständnis, dass sich von den westlichen Vorstellungen fundamental unterscheidet. Gewalt ist kein negativ besetzter Begriff, das kann man gar nicht oft genug betonen in einem Umfeld, wo irrerweise geglaubt wird, Probleme würden weltweit mit Stuhlkreisen und Piep-piep-piep-wir-haben-uns-alle-lieb-Gesängen gelöst. Von den westlichen Vorstellungen, wie Zusammenleben in einer freien Gesellschaft funktioniert, sollte man sich im Umgang mit Flüchtlingen verabschieden, denn in der Regel teilen sie diese Vorstellungen nicht nur nicht, sie verachten sie auch und sehen sie als Zeichen von Schwäche. Eine ehrenamtliche Betreuerin des Axtschwingers von Würzburg sagte in einer Talkrunde über den Täter, er sei ein ganz unauffälliger Junge gewesen, nett und kaum von Altersgenossen wie zum Beispiel ihren Söhnen zu unterscheiden. Hat sie ihn mal gefragt, was er von Homosexuellen hält, ob er einen Juden als Freund haben könnte und wie er damit umgeht, das Frauen in Deutschland ein selbstbestimmtes Sexualleben führen? Vermutlich nicht.
Dass es auch ganz anders geht, zeigt das Beispiel des Sicherheitsmannes Amir Najjavzadeh, der sich beim Massenmord im Münchner Einkaufszentrum vorbildlich verhalten hat und gegenüber der Presse äußerste, froh darüber zu sein, dem Gastland, in das er vor drei Jahren aus Afghanistan geflohen ist, etwas zurückgeben zu können: http://www.focus.de/panorama/videos/nach-den-toedlichen-schuessen-am-oez-afghanischer-fluechtling-wird-zum-stillen-held-des-muenchner-amoklaufs_id_5763222.html

 

Der Pate

Seit einigen Jahren steigt gelegentlich eine heftige Bitterkeit in mir hoch, die ich eigentlich schon begraben hatte. Zum Beispiel, wenn ich lesen muss, wie die WAZ in Gelsenkirchen einmal eine deutsche Großfamilie besuchte:

http://www.derwesten.de/staedte/gelsenkirchen/zu-besuch-bei-einer-grossfamilie-id8232531.html

Nun ist man natürlich als angry old woman niemals so eine coole Sau wie als angry young man. Ich weiß, dass Menschen wie ich, die ein Leben lang anderen ihre unterprivilegierte sozial schwache Präkariatskindheit um die Ohren hauen, entsetzlich auf die Nerven gehen können. Aber dazu haben wir auch ein Recht. Wir dürfen das. Wenn man schon gelitten hat, will man ja auch was davon haben. Ich habe den Artikel mehrfach gelesen, von vorn bis hinten, von oben bis unten, ich habe zwischen den Zeilen gelesen und wie blöd nach dem Titel „Satire“ gesucht, aber ich schwöre es, der war nirgendwo zu sehen. „Gelsenkirchen – Patenschaften“ stand dort. Man muss also davon ausgehen, dass der Artikel über den Hausbesuch bei der Familie Tatari ganz ernst gemeint war und die Journalisten, die ihn verbrochen haben, wirklich so blöd sind.

Ferner muss man davon ausgehen, dass Dauerarbeitslosigkeit plus unverantwortliche Familienplanung plus Bigamie im Sinne StgB 172 nicht etwa verdammenswert wären, sondern ganz im Gegenteil: Der Bundespräsident spendet der glücklichen Familie Tatari in Ermangelung des Mutterkreuzes eine Ehrenpatenschaft komplett mit Schlossempfang und fünfhundert Euro bar auf die Kralle.

Geheiratet hat der vierundzwanzigjährige Herr Tatari nicht nur zwei Frauen, er hat auch schon mit fünfzehn zum ersten Mal Vaterfreuden genossen. Aus dem Kosovo nach Deutschland gekommen ist der Vater von acht Kindern mit drei Monaten. Man muss also davon ausgehen, dass er inzwischen mindestens dreiundzwanzig Jahre und neun Monate Zeit hatte, festzustellen, dass man sich in Deutschland keinen Harem halten darf. Herr Tatari wird netterweise „arbeitssuchend“ genannt, was Neusprech für „dauerarbeitslos“ ist und darüber hinaus der so bezeichneten Person eine Aktivität unterstellt, die möglicherweise gar nicht vorhanden ist. Außerdem könnte ihm zu irgendeinem Zeitpunkt aufgefallen sein, dass die dreizehn Personen seines Haushaltes alle von den Steuergeldern derer leben, die ihm mit ihrer Arbeit seinen aufwändigen Lebensstil mit zwei Frauen und acht Kindern in einer Sechs-Zimmer-Wohnung finanzieren. Aber mitnichten.

Warum tut es mir weh, so was lesen zu müssen? Weil aus dem haarsträubenden Text eine menschliche Wärme, eine Empathie und ein Verständnis spricht, die ich mir in Kindheit und Jugend immer gewünscht, aber nie bekommen habe.

Verständnis oder gar Sympathie für arme, kinderreiche Familien gab es noch nicht. Man mied Menschen wie uns wie Leprakranke. Da hat einer seinen Betrieb in den Sand gesetzt  und hat soviel Steuerschulden, dass sein Leben nicht ausreichen wird, sie zu begleichen? Selber schuld. Und die Kinder müssen mitleiden? Wen interessiert’s. Darauf, dass eventuell Walter Scheel vorbeikäme und uns mal kurz fünfhundert Mark in die Hand drückt, hätten wie ewig warten können.

Es gab zwar nichts, worauf mein Vater hätte stolz sein können, aber zum Bezug von Sozialleistungen war er zu stolz. Also wurschtelte er irgendwie weiter. Von einem Insolvenzverfahren mit sechsjähriger Wohlverhaltensperiode, von kostenlosen Schulspeisungen, Sozialarbeitern vom Jugendamt, öffentlichen Tafeln, Bildungspaketen, Sozialtickets und ähnlich nützlichen Dingen konnten wir nur träumen. Vom Steuerzahler getragene Familienhelferinnen aus der staatlichen Erziehungshilfe gab es damals ebenfalls nicht. Kein Strom, kein Frühstück, kein Telefon, keine Krankenversicherung, zusammengebetteltes Geld für Klassenreisen, grundsätzlich kein Taschengeld – das war für uns Alltag. Political Correctness war noch nicht erfunden. Erwachsene wie Kinder hatten nicht die geringsten Probleme damit, sich in der Öffentlichkeit über meine Aufmachung lustig zu machen. Ich musste nämlich die Kleidung meiner Brüder auftragen. Grunge war damals leider noch nicht angesagt – sonst wäre ich Avantgarde gewesen. Das fand man damals in Ordnung. Wer schon am Boden liegt, auf den darf man gern noch eintreten. Armut erzeugte Verachtung und Abscheu, diese bittere Lektion habe ich früh gelernt. Besonders schmerzlich bekam ich das zu spüren, als ich kurz vor dem Abitur Schülerbafög beantragen musste. Auf dem Amt wurde ich in dieser Notlage behandelt wie Dreck, ja, es wurde sogar gefragt, ob es denn wirklich sein müsste mit dem Abitur. Immerhin, ich erhielt schon ein Jahr später ganze fünfundachtzig D-Mark.

Damals war man im armen, von öffentlichen Zuwendungen abhängigen Zustand noch nicht so liebenswert wie die Tataris. Den Dreizehn-Personen-Haushalt eines Bigamisten durchfüttern? Gar kein Problem, das ist in Ordnung und ein Teil unseres bunten multikulturellen Alltags. Familie Tatari jedenfalls reicht die Sechszimmerwohnung nicht mehr, sie hätten gern ein Haus mit Garten. Und wenn Patenonkel Joachim Gauck mal vorbeikäme, das wäre schön.

 

Schädlingsbekämpfung

Der Weg zur Hölle ist bekanntlich mit guten Vorsätzen gepflastert, nicht mit schlechten.
Gute Vorsätze hatten die Gründer des Hamburger Vereins https://herberge-fuer-menschen.de/ zweifellos, als sie sich dazu entschlossen, auf eigene Faust, eigene Kosten und eigenes Risiko Flüchtlinge aus Syrien nach Deutschland zu holen. Denn alles, was die deutsche Regierung diesbezüglich unternehme, sei bei weitem nicht ausreichend, im Gegenteil, sie betreibe „Flüchtlingspolitik wie Schädlingsbekämpfung“, so einer der Gründer in der ARD-Sendung „Gott und die Welt“.
Nun lassen sich Schädlinge (deren Ausdruck, nicht meiner!) in den seltensten Fällen dadurch bekämpfen, dass man ihnen Sicherheit und Freiheit bietet, sie unterbringt, ernährt, ihnen Sprachunterricht erteilt und ihnen Jobs besorgt. Den Vereinsgründern muss das irgendwie entgangen sein. Im letzten Jahr sind rund 1,1 Millionen Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Im Januar 2016 wurden beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge insgesamt 52.103 Asylanträge gestellt. Dies bedeutet einen Anstieg von 108,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat Januar 2015. Davon wurde beinahe die Hälfte von Syrern gestellt. Das reicht der „Herberge für Menschen“ natürlich vorn und hinten nicht. Denn die Flüchtlinge könnten alle ihr Leben verlieren, wir in Europa hingegen höchstens einen Teil unseres Vermögens. Oder auch einen großen Teil. Im schlimmsten Fall durchaus auch alles, was wir besitzen, aber das ist nicht schlimm, sondern noch relativ gut. Schließlich ertrinken andere im Mittelmeer. Wenn man deswegen Nachts nicht mehr ruhig schlafen kann, schafft „Herberge für Menschen“ schnell Abhilfe.
Mit ihrer Initiative sollen Bundesbürger dazu angeregt werden, für Flüchtlinge eine sogenannte Verpflichtungserklärung zu übernehmen. Oder Menschen, die eine solche unterschrieben haben, mit Spenden zu unterstützen. Eine Verpflichtungserklärung nach §§ 66-68 Aufenthaltsgesetz ist, notabene, die private Einladung eines ausländischen Bürgers. Damit verpflichtet man sich, für die Dauer seines Aufenthaltes den gesamten Lebensunterhalt dieses Menschen aus eigener Tasche zu bestreiten. Das Land Hamburg hat sich aufgrund der momentanen Flüchtlingskrise dazu bereit erklärt, die Krankenkosten für solche Menschen zu übernehmen. Den Rest aber zahlt der Verpflichtungsgeber.
Wenn es nach dem Verein „Herberge für Menschen“ ginge, dann könnte jeder Singlehaushalt mit einem monatlichen Nettoeinkommen von € 1650.- schon problemlos einen Flüchtling versorgen, vorausgesetzt man kann einen Wohnraum für ihn zur Verfügung stellen oder ein Untermietverhältnis für ihn bestreiten. Soweit, so gut.
Aufgrund zahlloser desaströser Erfahrungen in der Vergangenheit, besonders häufig im Fall von Einladungen potentieller Ehepartner nach Deutschland, hat man sich dazu durchgerungen, die Dauer der Verpflichtungserklärung auf fünf Jahre zu begrenzen. Aber in fünf Jahren kann genug passieren. Mir ist persönlich ein Fall bekannt, wo ein Ärztepaar sich den netten Bellboy aus dem afrikanischen Urlaubsland mitbrachte. Der junge Mann, für den sie bürgten, arbeitete ein paar Monate schwarz, konsumierte reichlich Drogen und brach eines Tages bei der Arbeit zusammen. Das Ehepaar raste umgehend zum Krankenhaus, zerrte das lebende Souvenir aus dem Bett und schleifte ihn zur nächsten Maschine zurück nach Mombasa. Nicht gerade sehr gastfreundlich, aber so konnten sie wenigstens Haus und Hof behalten.
Juristen raten in der Regel eindringlich davon ab, eine Verpflichtungserklärung zu unterschreiben. Denn dass eingegangene Risiko ist schlicht unkalkulierbar. Hat man einmal eine Verpflichtungserklärung unterschrieben, ist diese praktisch unwiderruflich. In Bundesländer, in denen nicht automatisch die Krankheitskosten von der Allgemeinheit getragen werden, zahlt der Verpflichtungsgeber nicht nur Wohnung und sämtliche Lebenshaltungskosten, sondern muss auch eine Krankenversicherung tragen. Verzichtet man auf dieselbe, ist es, als würde man eine Partie Russisches Roulette spielen. Eine lebensrettende Operation plus sechs Wochen Reha – da wird man mit 1650.- € monatlich noch im selben Monat an seine Grenzen kommen.
Sollte sich die (in der Regel komplett unbekannte) Person gar strafbar machen oder ins europäische Ausland absetzen, wird man sich wünschen, man hätte vorher besser mal nachgedacht. Oder man wäre nie geboren worden. Da kann es unter Umständen noch besser sein, wenn der Eingeladene schnell wieder abgeschoben werden muss. Für die Kosten muss man als Verpflichtungsgeber selbstverständlich auch aufkommen, aber in solch einem Fall bleiben sie im fünfstelligen Bereich.
Einer der Gründerväter von „Herberge für Menschen“ hat auf diese Art einen syrischen Staatsbürger importiert und in seinem Haus untergebracht. Zu diesem gehören eigentlich noch eine Frau und fünf Kinder. Das sechste ist schon unterwegs. Die schwangere Frau und die Kinder müssen leider in der Türkei bleiben, bis Papa genug Geld in Deutschland verdient, um acht Menschen zu ernähren. Wie sagte der bekannte Bibelübersetzer und Antisemit Martin Luther? Bürgen sollte man würgen.

Sicherheit ist die Voraussetzung für unsere Freiheit

Es gibt doch immer noch Lichtblicke im deutschen Fernsehen, auch wenn sie rar sind. Einer davon war Claus Strunz’ Kommentar nach den Terroranschlägen von Brüssel im Sat 1- Frühstücksfernsehen:
„Wir leben in israelischen Verhältnissen. Angst und dauernde Bedrohung inklusive. Die wichtigste Aufgabe des Staates ist es, die Sicherheit seiner Bürger zu gewährleisten. Deshalb müssen wir uns jetzt mehr an Israel orientieren, als an unserer naiven Vorstellung vom friedlichen Miteinander der Kulturen. Das bedeutet: im Zweifel geht Sicherheit vor Freiheit. Das eine ist die Voraussetzung für das Andere.“
Diese goldenen Worte sollte man eigentlich im deutschen Bundestag auf die Handtücher sticken lassen. Und im Plenarsaal an die Wand schreiben. Denn das Gefühl, in einem sicheren Land zu leben, ist den Deutschen schon seit einer Weile abhandengekommen. Frankreichs Ministerpräsident Manuel Valls brachte es in einem Interview auf den Punkt: „Wir sind im Krieg.“ Das ist ein Zustand, auf den sich die Europäer einrichten müssen, so wie die Israelis es seit über sechzig Jahren tagtäglich tun. Nur, was bedeutet das konkret für unseren Alltag?
Es hört sich schlimmer an, als es ist. Jeder, der schon öfter in Israel war, weiß das. Was einem zuerst ins Auge sticht, ist die Präsenz von Sicherheitspersonal, wo man sie als Deutscher nicht gewohnt ist, zum Beispiel vor Cafés, Geschäften und Einkaufszentren. Taschenkontrollen, mitunter auch Ausweiskontrollen sind dort Routine, ebenso die Fragen, ob man Waffen bei sich trägt. Das, was man hier immer als den exklusiv zur Demütigung der arabischen Bevölkerung erfundenen, schwerst inhumanen und ultimativ völkerrechtlich relevanten Misstand darstellt, nämlich das Passieren eines Checkpoints, gehört in Israel zum normalen Alltag. Unvermeidlich ist diese Sicherheitsmaßnahme beispielsweise auf dem Gang zur Klagemauer, und der ganze Vorgang ist in etwa so erniedrigend, wie bei Starbucks einen Macchiato zu bestellen.
Mal ganz ehrlich, man fühlt sich weitaus mehr verarscht, wenn man als demokratieverliebte, steuerzahlende und sogar von Flensburger Punkten komplett unbelastete Bürgerin am Hamburger Flughafen nach einen innereuropäischen Flug noch zwanzig Minuten an der Passkontrolle stehen muss und barsch gefragt wird, ob man nicht noch ein aktuelles Porträtfoto dabeihätte, während am anderen Ende des Landes überhaupt kein Problem ist, mit gefälschten Pässen, und, wie man leider immer wieder hört, auch gänzlich unkontrolliert einzureisen.
Schwerer, aber mit Sicherheit irgendwann unvermeidlich wird es sein, sich an Militärpräsenz zu gewöhnen. Und an den Anblick von schweren Handfeuerwaffen. Aber genau das ist ein Grund, warum man sich in Israel selbst in Zeiten mit täglichen Raketenangriffen, ständiger Terrorgefahr und jederzeit möglichen Messerattacken nie so ausgeliefert fühlen würde, wie beispielsweise in meiner Heimatstadt. In Israel ist beinahe jeder Bürger Soldat oder Soldat gewesen. Bei einigen Terrorattacken haben mitunter mehr Israelische Bürger die Verfolgung und Unschädlichmachung der Täter übernommen, als sich Freiwillige um deren Opfer gekümmert haben. Die Zivilcourage und die Wehrhaftigkeit der Menschen in diesem Land sind eine Selbstverständlichkeit. Aus gutem Grund. Die Israelis wissen, was auf dem Spiel steht.
Vor einigen Tagen hörte ich von einer Bekannten, dass der homosexuelle Sohn ihrer Freundin zusammen mit seinem Date über zehn Minuten von zehn oder zwölf arabischen Männern verfolgt, geschlagen, getreten und beschimpft wurde. Und zwar nicht irgendwo in einer dunklen, einsamen Gegend, sondern am helllichten Tag auf dem Hamburger Jungfernstieg. Hunderte von Hamburgern haben es gesehen, keiner hat reagiert, nicht einmal die Polizei wurde gerufen. Und warum sollte man auch. Als das Verbrechen zur Anzeige gebracht wurde, hieß es von der Hamburger Polizei nur lapidar, solche Vorfälle seien dort seit langem Gang und Gäbe. Also in der Innenstadt, auf der beliebten Touristenmeile. Offenbar sind die Sicherheitskräfte bereits mit den Schwulen-, Frauen- und Judenhassenden Jungmännerhorden, die man gern elegant „unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“ nennt, und deren monatlicher Unterhalt den Steuerzahler mindestens fünftausend Euro pro Flüchtling kostet (ärztliche, juristische, sozialpädagogische und psychologische Betreuung noch nicht mitgerechnet) schon komplett überfordert. Die Opfer dieser Übergriffe verhöhnt man bei der Polizei, indem man sich bemüßigt fühlt zu erklären, es handele sich ja primär um Diebstahlskriminalität. Der Tatbestand, öffentlich gedemütigt, getreten, geschlagen oder sexuell angegangen zu werden, ist dabei ganz offensichtlich irrelevant.
Was denn nun diese Art von Verbrechen mit dem Bombenterror von Brüssel zu tun hat, wird man sich jetzt sicher fragen. Im Grunde ist es ganz einfach: Die einen wollen uns ins Kalifat bomben, die anderen benehmen sich so, als wären sie schon mitten drin. Das können wir nicht zulassen. Sicherheit ist die Voraussetzung unserer Freiheit.