Kein Ende abzusehen

Gute Neuigkeiten im jüngsten Fall einer schweren sexuellen Straftat von Flüchtlingen: Der Marokkanische Vater zweier minderjähriger Täter greift durch und befiehlt seinen Söhnen, sich der Polizei zu stellen https://www.welt.de/vermischtes/article168261861/Vater-befahl-den-Bestien-von-Rimini-sich-zu-stellen.html?wtrid=socialmedia.socialflow….socialflow_twitter.

Weniger erfreulich die neuesten Entwicklungen im Fall der vergewaltigten und krankenhausreif geschlagenen Joggerin in Leipzig: https://www.welt.de/vermischtes/article168277367/Leipziger-Oberbuergermeister-ruegt-Polizei-fuer-Jogger-Ratschlaege.html, denn dort rät die Polizei explizit dazu, als Frau nicht mehr allein joggen zu gehen. Mit anderen Worten: Das Recht auf Bewegungsfreiheit und körperliche Unversehrtheit für Frauen kann in Leipzig nicht mehr sichergestellt werden.

Wie skrupellos, moralisch verkommen und emotional zurückgeblieben muss ein Mann sein, der einer Frau mit voller Wucht mehrfach ins Gesicht tritt und sie anschließend vergewaltigt? Wie bringt man es mit gerade mal fünfzehn Jahren fertig, im Beisein des Bruders und zweier weiteren Männer, einen Mann schwer zu misshandeln und anschließend dessen Freundin zu vergewaltigen? Diese Fragen muss man sich stellen. Die Antwort pseudolinker Apologeten lässt sich vorweg nehmen: Deutsche Männer machen so was ja auch, und das ist viel schlimmer, weshalb wir uns mal nicht so anstellen sollen. Aber die Qualität der sexuellen Gewaltverbrechen, mit denen wir es mittlerweile fast täglich zu tun haben, ist eine völlig andere. Die gemeinschaftlich begangene und mit dem Handy gefilmte Vergewaltigung, in der vollen Überzeugung, dass das Opfer es so will und verdient hat, häufig sogar noch unter auffallender Inkaufnahme etwaiger Zeugen, ist eine vollkommen neue Dimension.

Selbstverständlich muss der kulturelle und gesellschaftliche Hintergrund der Täter zur Erklärung ihrer Verbrechen herangezogen werden, denn während in Europa die Gleichstellung von Mann und Frau gesetzlich verankert ist, gibt es nun mal Gegenden auf der Welt, wo allein schon der Anspruch von Frauen auf Gleichberechtigung als Schwerverbrechen gilt. Marokko beispielsweise mag für viele Deutsche das Land herrlicher Strandurlaube mit hilfsbereiter und aufgeschlossener Bevölkerung sein. Dennoch ist es auch in marokkanischen Haushalten gang und gäbe, dass Frauen nie ohne Begleitung das Haus verlassen dürfen, über kein Geld verfügen und bei Verfehlungen von den Männern Erziehungsmaßnahmen wie Schläge und Freiheitsberaubungen dulden müssen wie unartige kleine Mädchen. Die Ehre des Mannes und der Familie muss gewahrt bleiben, das ist das oberste Gebot, dem sich jeder unterzuordnen hat. Frauen in Europa, und das weiß vom Maghreb bis zum Hindukusch jeder, haben keine Ehre. Sie laufen praktisch nackt und ohne Erlaubnis des Mannes frei auf der Straße herum, lassen sich ansprechen und, was bei weitem natürlich das Schlimmste ist, haben außerehelichen Sex wann sie wollen und mit wem sie wollen. Wie exzessiv die Gedanken muslimischer Männer aus sexuell repressiven muslimischen Ländern wie z.B. Ägypten um westliche Frauen kreisen, hat Hamed Abdel Samad in seinem ersten Werk „Mein Abschied vom Himmel“ beschrieben.

Hier klaffen nahezu unüberbrückbare kulturelle Abgründe, Abgründe, die auf Jahre dafür sorgen werden, dass derartige Verbrechen nicht mehr aufhören werden. Eine Frau, die sich in einem muslimischen Land ähnlich freizügig verhält wie eine Europäerin, gilt als ehrlos und damit als „Sharmuta“, also als Prostituierte. Allerdings nicht im europäischen Sinne, denn damit ist mitnichten gemeint, dass sie sexuelle Dienstleistungen gegen Geld anbietet. Nein, sie ist sexuell ununterbrochen verfügbar, und zwar für jeden Mann. Jeder Mann hat das Recht, diese  Frau sexuell zu benutzen. Diese für Europäer so fremde Sichtweise offenbart sich sehr gut im Schicksal des ehemaligen Models Waris Dirie, der heutigen UN-Sonderbotschafterin im Kampf gegen die weibliche Genitalverstümmelung. Als sie mit dreizehn Jahren mutterseelenallein durch die somalische Wüste nach Mogadischu floh, versuchte jeder erwachsene Mann, dem sie begegnete, das Kind zu vergewaltigen. Ein Mädchen, das allein und schutzlos ist, hat keine Ehre und hat es somit nicht anders verdient. Darüber hinaus sind die meisten Täter sich ziemlich sicher, dass ihr Verhalten von den Europäerinnen gewollt ist, denn sonst würden sie sich ja kaum so schamlos aufführen.

Umso mehr müssen westliche Frauen bei abweisendem Verhalten gegenüber plumpen sexuellen Übergriffigkeiten mit brutalen körperlichen Attacken rechnen. Die Frustration, dass die Frauen gar nicht so verfügbar sind, wie man seit Jahren dachte und von den bereits in Europa lebenden Freunden immer wieder hörte, wird sich sofort Bahn brechen. Mit diesem völligen Mangel an Empathie und Unrechtsbewusstsein haben europäische Gerichte mittlerweile täglich zu kämpfen.

 

 

 

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Die verdammten Hackfressen dieser Erde

Zunächst war es nur ein kleiner Verdacht. Doch Dank Smartphones und Social Media, mit denen bewegte Bilder in Sekundenschnelle um die Welt gehen können, muss man die gewalttätigen Geschehnisse rund um G 20 in Hamburg völlig neu bewerten.

Die Brandstiftungen und Sachbeschädigungen, die Diebstähle und Plünderungen, die Körperverletzungen und der Vandalismus, denen die Hamburger drei Tage lang ausgeliefert waren, wurden sie wirklich von den üblichen Verdächtigen begangen? Von linken Chaoten, Antifa und Kapitalismusgegnern?

Wann immer man nämlich den Gewalttätigen bei ihren Verbrechen live zusehen durfte, war es überdeutlich, dass es unmöglich die Verdammten dieser Erde sein konnten. Eher die verdammten Hackfressen: Junge, gut genährte, kerngesunde Männer und Frauen mit akkuratem Styling und adrettem Haarschnitt in Calvin Klein, G-Star, Nike, Puma und The North Face.

Der Gegensatz zwischen der vermeintlichen Kapitalismuskritik einerseits und den schweineteuren, in südostasiatischen Sweatshops unter unmenschlichsten Bedingungen für Hungerlöhne produzierten Edelklamotten andererseits war auf den Unmengen von Bildmaterial so augenfällig, dass sogar Spiegel-online witzelte: „Kapitalismuskritik“ kann sich nicht jeder leisten.

Prompt schwappte der Shitstorm ehrlicher Entrüstung los. Dem Konsumterror könnte sich schließlich keiner entziehen, hieß es unter anderem. Seither weiß man punktgenau, mit wem man es bei den Marodeuren zu tun hat. Das Lumpenproletariat im Engelsschen Sinne war es jedenfalls nicht. Sondern die wohlstandsverwahrlosten Kids jener bürgerlichen Klasse, die seit Jahrzehnten am meisten vom wachsenden Wohlstand profitiert hat. Es sind die Kinder von Eltern, die mit Biokost und Privatstunden gepampert wurden und denen man zwischen Cellounterricht und Kinderyoga versäumt hat, den Unterschied zwischen Recht und Unrecht beizubringen.

Deren Helikoptereltern, die alle zwei Jahre das neueste energiesparende SUV-Modell vor dem Eigenheim stehen hatten, ihr Äußerstes getan haben, um alles Schlechte dieser Welt von ihrer Brut fern zu halten. Wirkliche Probleme haben sie in ihrem Leben noch nicht gehabt. Es war schließlich schon unzumutbare Härte, wenn sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Schule hätten fahren müssen oder nicht augenblicklich das neueste iPhone bekommen hätten. Und die natürlich die teuersten Klamotten auf den Leib gehängt kriegten, damit sie sich ja nicht ausgegrenzt fühlen. Was überhaupt der Hauptkritikpunkt vieler G 20-Gegner zu sein schien: Man könne andere Länder doch nicht einfach ausgrenzen! Die Welt als großer Kindergarten.

So darf es auch nicht mehr verwundern, wenn eine junge Randaliererin auf dem Gorch-Fock-Wall versucht, zusammen mit ein paar anderen Spinnern eine mexikanische Diplomatenlimousine zu blockieren und sich anschließend aufführt wie eine Zweijährige, als ihr Fahrrad plattgewalzt wird. Das ist die Reaktion einer verwöhnten Göre, die auf dem Spielplatz einem anderen Kind die Schaufel stielt und sich dann wundert, wenn sie sie in die Fresse gehauen bekommt.

Eine gewisse Genugtuung darüber, das sich die Zerstörungswut vor allem in der linken Wohlfühlzone Schanzenviertel und nicht nur in der Elbchaussee ausgetobt hat, darf man den Hamburgern nicht übel nehmen. Bei dieser Gelegenheit hat sich der Rote-Flora-Anwalt Andreas Beuth denn auch bis auf die Knochen blamiert, als er sagte, bei aller Sympathie für solche Aktionen verstünde er nicht, warum sie nicht in Pöseldorf oder Winterhude stattgefunden hätten. Auch die Heuchler, die in feigem vorauseilenden Gehorsam ihre Geschäfte mit „No G 20 – spare our store“ zu sichern versuchten, hat es getroffen, und zwar zurecht, ist doch nur allzu deutlich, dass sie so ihre Hoffnung ausdrücken wollten, es möge doch bitte die „Richtigen“ treffen.

Mitgefühl hat man vor allem mit gänzlich unbeteiligten Schanzenbewohnern, die bei Löschversuchen aus dem Fenster heraus mit Steinen attackiert wurden oder die zusammengeschlagen wurden, wenn sie es wagten, Plünderer zu kritisieren. Bei diesen Antifaschisten kann man das Anti weglassen und es passt.

Als wir in den Siebzigern und Achtzigern gegen Atomkraftwerke, SS 20-Rakten und den Natodoppelbeschluss auf die Straße gingen, trugen wir das, was sich die meisten so eben leisten konnten: Uralte Jeans, deren Entfärbungen und Risse mitnichten aus modischen Gründen schon beim Herstellungsprozess entstanden sind, ausgelatschte Schuhe und Lederjacken vom Flohmarkt sowie Indienblusen, für die man vier Monate das Taschengeld sparen musste, da sie noch direkt  vom Hersteller und mitnichten von H&M kamen. Zum warmhalten gab es im Proseminar selbstgestrickte Pulloverungetüme, oftmals aus mehrfach aufgedröselter Wolle. Modisch gesehen waren wir Endlagerstätten. Die demonstrierenden Schüler und Studenten kamen überwiegend aus einfachsten Verhältnissen. Würde sich die Randalejugend von heute, die in Hamburg drei Tage Party gemacht hat, ein paar Monate im Jahr 1982 herumtreiben müssen, ohne Smartphone, Computer und Youporn, mit einer Briefmarkengroßen Schwarzweißglotze ohne Fernbedienung und fünfzig Mark Kostgeld pro Woche, wäre sie nach ein paar Tagen reif für Muttis Notfalltropfen und den Traumatherapeuten. Und das ist wiederum die gute Nachricht. Menschen, die mit zwölf Jahren noch ohne Muttis Assistenz nicht mal alleine kacken gehen konnten, sind auch nicht in der Lage, gesellschaftliche Veränderungsprozesse zu bewegen.

 

Sie lachen über uns

Vor zehn Jahren machte ich den ersten Versuch, einem Roman zu schreiben. Er hatte einen schockierenden Einstieg, schöne Szenen in der Mitte und erst ein trauriges und dann ein sehr überraschendes Ende. Im Schreiben noch recht ungeübt, fehlten mir im Mittelteil irgendwann etwa zweihundert Seiten Handlung, und ich hatte ein wichtige Lektion gelernt: Eine gute Idee allein macht noch keinen Roman.

Meine größte Furcht allerdings bestand darin, dass auch andere Autoren auf meine brillante Idee verfallen könnten. Und so kam es. Es sind Michel Houllebecq und Boualem Sansal. Ja, auch mein Roman spielt in einer fernen Zukunft, in der Europa einer faschistisch-religiösen Diktatur unterworfen ist. Nur soviel: Die Protagonistin ist eine privilegierte junge Frau, die sogar Abitur machen darf, obwohl das nur sehr wenige Mädchen in ihrem Land möglich ist. Ihr Vater ist Arzt, er verdient gut, nicht zuletzt, weil er Beamter der Regierung ist und bei den öffentlichen Hinrichtungen den Tod feststellen und zu amputierende Gliedmaßen betäuben darf. Die Protagonistin und ihre Freundin stolpern eines Tages über ein Geheimnis: Die Welt, in der sie leben, war nicht immer so, wie sie ist. Aber wie war sie vorher? Und wie kam es dazu, dass in der islamischen Republik Almanya, in der sie leben, keine Frau mehr unverhüllt auf die Straße darf, Mädchen mit vierzehn verheiratet und im St. Pauli-Stadion Menschen per Schwertstreich geköpft werden?

Nun, das schilderte ich anhand der auf dem Dachboden aufgestöberten Tagebücher der Urgroßmutter. Die Muslime im Land wurden immer mehr, die Christen immer weniger, Israel verschwand aus dem nahem Osten und die überlebenden Juden nach dem letzten ungläubigen Land der Welt, das Amrika heißt. Es kam zu immer mehr und immer grausameren Terroranschlägen, bis schließlich ein klerikalfaschistischer Umsturz á la Iran 1979 passierte.

Nicht nur bessere Autoren haben mich inzwischen eingeholt, sondern auch in vielerlei Hinsicht die Realität. Vor zehn Jahren wurde ich noch anderen Autoren und Publizisten als paranoid hingestellt. In der Regel waren das Zeitgenossen, die nicht ihr ganzes Berufsleben in muslimischen Communities verbracht hatten, so wie ich. Inzwischen aber wagt man sogar, meine Bedenken zu teilen: „Wir islamisieren uns schleichend“ schreibt Rainer Haubrich am 16.06.2017 in der „Welt“. Inzwischen geschehen täglich Ungeheuerlichkeiten, für die meine blühende Fantasie einfach nicht ausgereicht hätte: Warum kam ich nicht auf die grandiose Idee, eine von allen guten Geistern verlassene Regierung könnte Millionen – Millionen! – von Menschen aus dem islamischen Kulturkreis einladen, sich in Europa niederzulassen und ihre Großfamilien, nicht selten bestehend aus mehreren Ehefrauen und fünfzehn Kindern, mitzubringen? Und dass von den Ehefrauen auch welche minderjährig und Verwandte ersten Grades sein könnten, was aber völlig in Ordnung ist, wie Ahmet Toprak bereits beschrieben hat („Was für Kinderehen spricht“, Zeit-online, 04.11.2016). Dass in der amerikanischen Teen-Vogue die Hirne verblödeter junger Frauen damit noch einige Grade weiter vernebelt werden könnten, weil sich man dort neuerdings nicht mehr über Lippenstifte, sondern über die Segnungen der Scharia ausschwurbelt http://www.teenvogue.com/story/march-against-sharia-countering-hateful-speech.

Dass sich Tausende – Tausende! – von amerikanischen Frauen unter der Oberhoheit einer islamischen Populistin dazu hergeben würden, unter Bildern von mit den Stars-and-Stripes verschleierten Weibern gegen ihren Präsidenten zu demonstrieren? Ehrlich, das hat nicht mal Donald Trump verdient.

Oder dass man Schülerinnen des Schiller-Gymnasiums in Bautzen bei einem Besuch im Asylbewerberheim allen Ernstes dazu auffordern würde, dort nicht in schulterfreien Tops und Miniröcken zu erscheinen? Schließlich seien sie dort ja „nur zu Gast“. Ich war in diesem Leben auch schon das eine oder andere Mal zu Gast, und daher kann ich unumwunden folgenden Sachverhalt feststellen: Wenn ich als steuerzahlende Staatsbürgerin in ein staatlich finanziertes Asylbewerberheim gehe, dann bin ich dort nicht der Gast, sondern die Gastgeberin; diejenige, die Unterkunft, Kleidung, Ausbildung, Freizeitgestaltung, medizinische Versorgung und den Zahnersatz mitbezahlt. Das Grundgesetz garantiert mir, dass ich meinen eigenen Beruf und Ehepartner wählen kann, dass ich ein Recht auf freie Ausübung meiner Sexualität und auf Unversehrtheit in der Öffentlichkeit habe und dass ich mich kleiden kann, wie es mir Verdammtnochmal passt. Das hat jeder zu akzeptieren, ohne Wenn und Aber, und wenn er oder sie hundertmal mein Gast ist.

Dabei spielt es möglicherweise schon bald keine Rolle mehr, welche Rechte das Grundgesetz den Frauen in diesem Land garantiert. Die Sicherheit für Frauen ist aus dem öffentlichen Raum verschwunden. Keine Großveranstaltung mehr, wo nicht Hundertschaften von Polizisten notgeile und eventuell bewaffnete Männerhorden in Schach halten müssen, doppelt enthemmt durch Drogen, Alkohol und die Tatsache, dass die Familie, der Vater, der Onkel und der Imam tausende von Kilometern weit weg sind und ihnen all das nicht verbieten können. Es geschehen Tag für Tag für Tag sexuelle Gewaltverbrechen, angefangen bei Beleidigungen und Belästigungen, über Vergewaltigungen und Körperverletzungen bis hin zu Morden. Zum ersten Mal in meinem Leben sehe ich mich jedes Mal um, wenn ich auf der Rolltreppe stehe, wenn ich Treppen hinunter gehe, dicht an einer befahrenen Straße oder auf dem Bahnsteig stehe. Ich sehe mich um, ob eventuell jemand hinter mir steht, der vorhat, mich zu verletzen oder der meinen Totschlag billigend in Kauf nimmt. Und ich habe zum ersten Mal seit etwa zwanzig Jahren wieder richtig Angst vor sexuellen Übergriffen.

Wie gesagt, ich war lange in muslimischen Communities zuhause. Wenn Sie wissen wollen, was man dort über die dekadente westliche Zivilisation denkt, will ich es gern verraten: Die Männer sind schwanzlose, ehrlose Weicheier. Die Frauen sind alle Huren, jeder darf sie haben. Wenn, wie Behördenmitarbeiterinnen schon berichtet haben, Asylbewerber vor ihnen im Amtszimmer zu masturbieren beginnen, dann, weil sie davon ausgehen, dass das völlig in Ordnung ist und dass sie das auch dürfen. Deutsche Frauen wollen das so, dass hat Cousin Ali schon vor einem halben Jahr nach Jalalabad durchgesimst. Und die deutsche rückgratlose Ranschmeißerei an den Islam, das Einknicken vor Imamen und Religionsbehörden und das vorauseilende Schweinefleischverbot in Kindergärten sind für Muslime ein Witz. Sie lachen über unsere Schwäche, unsere Blödheit und unsere Naivität. Wir erfüllen jedes Vorurteil, dass sie über ungläubige Dhimmis wie uns haben. Und glauben Sie mir, sie haben eine Menge davon. Falls Sie es noch nicht wussten: Dafür sorgt man schon in den Moscheen in der Heimat, und Propagandafilme, die im Nahen Osten produziert werden, prägen das Bild des verderbten Kontinents der moralisch verkommenen Ungläubigen.

In jedem Staat der Welt, in dem ein steter Zuwachs des muslimischen Bevölkerungsanteils nachzuweisen ist, bis dieser die Mehrheit darstellt, herrscht früher oder später der Islam und die auf ihm fußende Gesetzgebung, die Scharia. Das ist eine historische und demographische Tatsache. Wenn wir es vor lauter Toleranzbesoffenheit nicht mehr schaffen, uns auf unsere Werte zu besinnen und diese mit aller Stärke zu verteidigen, sind die Freiheit des Individuums, die Demokratie, die Aufklärung und der Säkularismus irgendwann nur noch eine Fußnote der europäischen Geschichte.

 

Vier Nächte neben der Kameliendame

Ende April ist der Flieder in Paris schon verblüht. Dennoch ist es kalt, bitter kalt, als ich zum ersten Mal den Montmartre erklimme. Es ist still wie in einem französischen Dorf und zehnmal pariserischer, als ich es mir je vorgestellt habe. Die Häuser sehen aus, wie von van Gogh gemalt, und in der Tat, hier in der Rue Lepic hat er gewohnt. Mühelos erkennt man augenblicklich den Place du Tertre wieder. Im Mittelalter standen hier die Galgen, später saß dort Gene Kelly und mimte einen armen Maler in „Ein Amerikaner in Paris“. Neben Fred Astaire sehe er sowieso immer aus wie ein steppender Fernfahrer, soll er mal gesagt haben. Weiß schimmern die Kuppeln von Sacré-Cœur hinter den Gassen hervor, zum weinen schön. Eine Handvoll Touristen bibbert vor der grandiosen Aussicht hinunter auf die Stadt an der Seine, in der so viele Romanfiguren herumspuken, so viele Filme gedreht wurden, so viele Kunstwerke entstanden sind, dass man als Erstlingstouristin gar nicht weiß, wo man am besten anfängt.

Am nächsten Morgen ist es immer noch saukalt, und ich fange einfach an. Auf dem Friedhof von Montmartre. Er liegt direkt unter meinem Hotelfenster, und ich kann auf die Gräber von Legenden sehen. Die Kameliendame liegt hier, die Edelhure, die mit dreiundzwanzig an Tuberkulose starb und deren kurzem Leben man ein herrliches Drama, mehrere Filme, Ballette und Opern zu verdanken hat. Alexandre Dumas d.J., der Schöpfer ihres Mythos und ihr Liebhaber, ist gleichfalls hier bestattet. Ihr Marmorschrein ist mit Lippenstiftkussmündern bedeckt, sie rührt noch immer. Auch François Truffaut suche ich auf. Briefe und Zeichnungen liegen auf der schwarzen Steinplatte: Merci, Maître. Dem kann ich mich nur anschließen. Und dann natürlich Heinrich Heine. Gut, dass er schon lange tot ist, denn zu seinen Lebzeiten wäre ich ihm hoffnungslos verfallen. Wie kann man einen Mann nicht lieben, der so herrliche Sätze schrieb, wie den über die Engländerin in Italien, die „wie eine Fettlawine über die Alpen gerutscht“ sei?

Katzen streifen zwischen den Gräbern umher, die einzigen, die wir in Paris sehen. Bisher war es still und friedvoll. Beim Bummel hinunter zum Marais wird es wimmelig und laut. Der Verkehr ist unglaublich. Man ist froh über jeden Ort zum Erholen. Auf vielen Plätzen entzücken violett blühende Jacarandabäume. Paris ist voll von wunderschönen, gepflegten Parks mit herrlichen Blumenrabatten. Alle haben etwas davon, Touristen wie Bürger, jeder kann das Grün, die Ruhe, die Blütenpracht und die Düfte genießen. Wenn man da an den vernachlässigten Hamburger Alsterpark und den verkommenen Stadtpark denkt, wo das einzig Farbige die Warnschilder für Rattengift sind, möchte man vor Scham im Boden versinken. Parkwächter führen hier ein strenges Regiment, ein Trillerpfeifenstoß scheucht eine Gruppe von holländischen Mädchen auf, die sich verbotenerweise vor eine rosa Tulpenrabatte niedergelassen haben. Auf einer Fußgängerbrücke über die Seine wird illegalen Anglern das Handwerk gelegt: Zwei Polizisten schütten das Wasser aus den Eimern, werfen die Fische weg, zerschneiden den Eimer. Die südländischen Angler stehen daneben und sehen dem gründlichen Zerstörungswerk ganz ruhig zu. Andererseits ist nicht zu begreifen, dass in der Innenstadt Familien auf der Straße nächtigen, auf einer Matratze auf den Boulevards, direkt neben dem Verkehr, zusammen mit kleinen Kindern, sogar Babys. Ein Pappschild daneben: Famille syrienne. Überall streifen schwer bewaffnete Einsatzkräfte in Dreiergruppen durch die Stadt, sie stehen mitnichten gelangweilt in der Gegend herum, wie bei uns, sondern sie pirschen durch die Menge wie GI’s im Dschungel auf der Suche nach dem Vietcong. Europa ist im Krieg, und es hat ein Jahrzehnt und etliche hundert Tote gebraucht, bis Europa das begriffen hat. Während wir es uns im „La Coupole“ bei überbackenem Spargel, Huhn mit Pilzen, einer mit Blattgold bestreuten Mokka-Caramel-Schweinerei und einer Flasche vorzüglichstem Elsässer Riesling wohl sein lassen, stirbt auf den Champs Élysées ein Polizist bei einem Terroranschlag. Wegen der Wahl am Sonntag gilt die höchste Sicherheitsstufe. Sie ist vonnöten.

Vier Tage Paris: Endlose Avenuen und riesige Paläste, das grandiose Versailles und sein wunderbarer Park, Notre Dame und Erinnerungen an Anthony Quinn, wie er als Quasimodo die Lollobrigida in die Luft stemmte und „Asyl!“ dazu schrie, grandiose Vorlage für die Regisseure von zahllosen minderwertigen Historienschinken; das malerische Quartier Latin und der herrliche Jardin des Plantes. Kein einziges Museum – erstens laufen sie nicht weg, und zweitens habe ich im Metropolitan Museum in New York so viele van Goghs, Monets, Manets, Renoirs und Cezannes gesehen, dass es eine Weile vorhält. Uneingeschränkt empfehlen kann ich jedenfalls, die Arènes de Lutèce aufzusuchen, dieses kleine Kuriosum von einem wiedergefundenen römischen Amphitheater, das als ältestes Bauwerk der Stadt nunmehr ein Spielplatz für kleine und große Pariser ist. Und eine Fahrt mit dem Riesenrad auf der Place de la Concorde. Die zwölf Euro sind gut angelegt. Und zwar fürs ganze Leben.

 

Normale Pubertätsprobleme

Die Arbeiterwohlfahrt Essen bietet neuerdings Flirtkurse für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge an: http://www.derwesten.de/staedte/essen/junge-fluechtlinge-in-essen-besuchen-kurs-wir-wollen-eine-freundin-doch-die-maedchen-rennen-uns-oft-vor-der-nase-weg-id209844099.htmlv

Wie fast alles, was im Übereifer zur schnellen und reibungslosen Integration von Flüchtlingen geschieht, zeugt auch diese Initiative von fundamentalem Unwissen über muslimische Werte und die bitteren Tatsachen der muslimischen Alltagswelt. Wie bekomme ich eine Freundin, wie funktioniert Verhütung – wer glaubt, dies seien normale Pubertätsprobleme in Afghanistan oder Somalia, den Ländern, aus denen die Kursteilnehmer kommen, der hat vermutlich auch Heinzelmännchen hinter dem Geräteschuppen.

„Dass Sex vor der Ehe nicht überall ein Tabu ist, sondern auch etwas mit ihrer persönlichen und der Haltung von Deutschland zu tun hat, können sie hier lernen und dazu Fragen stellen“. Ein Tabu? Sex vor der Ehe, auf arabisch „zina“ genannt, ist in den Herkunftsländern kein Tabu, sondern ein Verbrechen, das im worst case scenario sogar mit dem Tod betraft wird. Ein Verbrechen also nicht nur im Hindukusch, sondern auch in den beliebten Urlaubsländern Tunesien, Marokko oder Ägypten. Eine Freundin oder gar vorehelichen Sex zu haben, ist dort schlicht nicht vorgesehen. Die Jugendlichen, die in ihren Herkunftsländern in regelrechter sexueller Verelendung vor sich hinvegetieren, können Sex allenfalls mit Touristinnen oder Prostituierten haben. Das gilt selbstverständlich ausschließlich für junge Männer. In Ägypten hat man auch eine elegante Lösung gefunden, diese Klippe zu umschiffen: Für einen geringen Geldbetrag kann man durch einen Imam eine Orfi- oder Kurzzeitehe schließen, um beispielsweise mit dem Urlaubslover ein Hotelzimmer zu bekommen. Da ohnehin jeder weiß, worum es dabei geht, wird diese Bescheinigung auch treffend „fucking-paper“ genannt. Selbst im Iran, wo man schon sechzehnjährige Vergewaltigungsopfer wegen „zina“ am Baukran aufgehängt hat, ist eine solche „Sighe“ genannte Zeitehe möglich. Westliche Journalistinnen wie Kate Millet oder Oriana Fallaci mussten sich für Interviews mit iranischen Politikern und Geistlichen vorübergehend zwangsverehelichen lassen.

Dass muslimischen Jugendlichen in Deutschland nicht nur Lebensunterhalt, Unterkunft, Ausbildung und medizinische Versorgung angeboten wird, sondern auch noch Unterstützung, um sich bei den indigenen Frauen zu bedienen, zeigt den Männern einmal mehr, wie kacknaiv diese Deutschen sein müssen.

Ich habe einen soliden und praktikablen Gegenvorschlag: Flirtkurse für junge muslimische Frauen. Alles, was Frau braucht, um sich einen knackigen Ungläubigen zu angeln: Wie booste ich meine Möpse von nicht vorhanden auf 80 C? Ab wann ist mein Ausschnitt nicht mehr sexy, sondern schon ordinär? Bin ich schon eine Prostituierte, wenn ich ihn nach der Uhrzeit frage, so wie zu Hause? Gehe ich nach dem Date mit zu ihm oder er mit in die Erstaufnahmeunterkunft? Fragen Sie Frau Antje! Arbeiterwohlfahrt Hamburg und Diakonie können sich jederzeit an mich wenden.

 

 

Einfalt statt Vielfalt

Sehr gehrte Damen Özuğuz, Achour, Aydemir, Foroutan, Kaddor und Mysorekar, sehr geehrte Herren Dilmaghani, Agai, Alboğa, Bozkurt, Diaby und Mazyek, ich habe mir dieser Tage die Mühe gemacht, „Miteinander in Vielfalt – Leitbild und Agenda für die Einwanderungsgesellschaft. Ergebnisse einer Expert_innenkommission der Friedrich-Ebert-Stiftung“ zu lesen. Nachdem ich diese fünfzig Seiten konzentrierter Langeweile bewältigt hatte, war mir vor allem eines bewusst: Deutschland ist eine Einwanderungsgesellschaft. Wenn man das so oft wiederholt, wie sie es in dieser Schrift tun, muss es stimmen. Was allerdings nicht stimmt, ist, dass diese Einwanderung gleichsam als mathematisches Gesetz wie „die Summe der Kathetenquadrate entspricht dem Hypothenusenquadrat“ aufzufassen ist; sie ist auch nicht als Naturkatastrophe über uns gekommen, sondern wurde maßgeblich und nachweislich von unserer Regierung initiiert. Allein meine Heimatstadt Hamburg nimmt im Jahr so viele Flüchtlinge auf, wie die gesamten Vereinigten Staaten von Amerika. Ich habe sie als die Expert_innen mit Migrationshintergrund absichtlich persönlich aufgeführt, weil in auffälliger Weise Namen wie Xiaoping, de Oliveira oder Færgegården in dieser Kommission fehlen. Das liegt daran, dass es bei der Integration von Chinesen, Brasilianern und Dänen in der Regel keine Probleme gibt, bei der von Muslimen schon. Der gesellschaftliche Zusammenhalt müsse immer wieder neu ausgehandelt werden, schreiben Sie. Diskriminierung dürfe es nicht geben. Diskriminierung ist selbstverständlich immer die der geflüchteten Schutzsuchenden, denn Diskriminierung von Frauen, Homosexuellen, Behinderten, Schwarzen und besonders Juden gibt es bei Muslimen nicht. Wir schaffen das mit der Integration, da sind Sie mit der Kanzlerin einig, und da müssen jetzt endlich mal die Erzieher ran, die Pädagogen in Kitas und Schulen wollen Sie sich gezielt für die kultursensible Bildungsvermittlung vornehmen. Entschuldigen Sie, aber an dieser Stelle ist es angebracht, nachzufragen, ob sie eigentlich noch alle Latten am Zaun haben? Wenn es Menschen in unserem Land gibt, die genau das tun, seit mindestens einem Jahrzehnt und mit wachsender Verzweiflung, dann sind es die Pädagogen. Wenn die eines nicht brauchen, dann ihre jovialen Belehrungen.

Einwanderung birgt Risiken und Chancen, sagen Sie, aber Konflikte können gelöst werden und Deutschland steht vor einer guten Zukunft. Was seit der Einwanderungswelle täglich neu ausgehandelt werden muss, ist die Sicherheit von Frauen in der Öffentlichkeit. Die Anzahl von sexuellen Straftaten ist seither sprunghaft gestiegen. Das ist Fakt. Frauen können bei Events in Öffentlichkeit, wie Silvester oder Karneval, nicht mehr ihrer Unversehrtheit sicher sein, solange nicht ein Polizeiaufmarsch in Armeestärke die notgeilen Männerhorden in Schach hält. Eine, die zurzeit mit weniger strahlender Stirn in die Zukunft marschiert, ist eine achtundzwanzigjährige deutsche Lehrerin, die ab und an stationär untergebracht werden muss. Neun irakische Männer, alle miteinander verwandt und zwischen 22 und 48 Jahren alt, schleppten die alkoholisierte und beinahe bewusstlose junge Frau in der Silvesternacht 2015 in ihre Wohnung. Die anwesenden weiblichen Familienmitglieder wurden solange auf die Straße geschickt. In den nächsten vier Stunden geschah ungefähr folgendes: Die Männer zogen sie aus und vergewaltigten sie mehrfach. Sie hatten dabei sehr viel Spaß und waren enorm stolz auf sich, weshalb sie von sich und der Frau auch mehrere Selfies schossen. Zwischendurch kam sie immer wieder zu sich. Einer der Täter sagte ihr, ganz ruhig, nur noch ein bisschen. Vor dem österreichischen Gericht waren sich die Männer keinerlei Schuld bewusst. In Ihrer Kultur ist es nämlich so, dass eine schutzlose Frau, die ohne männliche Begleitung und Erlaubnis auf die Straße geht, eine „Sharmuta“ ist. Also eine „Prostituierte“. Sie mögen das Vielfalt nennen, ich nenne es Einfalt. Den Tätern winken hohe Haftstrafen, dem Opfer 25.000 € Schadensersatz und ein zerstörtes Leben. Das haben wir einer Regierung zu verdanken, die derweil Gesetze zum Schutz von Marienkäfern erlässt. Wer stattdessen in der Psychiatrie sitzt, ist die achtundzwanzigjährige Lehrerin.

Erst debil, dann dement

Seit meinem achten Lebensjahr bin ich hörgeschädigt. Eine chronische Mittelohrentzündung. Später kam eine vererbte Hörschwäche hinzu. In der Grundschule musste ich deswegen vorn sitzen. Da mir so die ungeteilte Aufmerksamkeit der Lehrer zuteil wurde, gehörte ich mühelos zu den Klassenbesten. Aber ab der siebten Klasse des Gymnasiums brach die Pubertät aus. Ich wollte auch mal hinten sitzen und Blödsinn machen. Infolgedessen brillierte ich nur noch in Fächern, deren Lehrpersonal im Kasernenhofton sprach, während meine Leistungen bei den Säuselern ins Bodenlose sackten. Bis zum Abitur hatte ich meine Hörschwäche völlig verdrängt. Wenn einer der Sinne den Dienst aufkündigt, entwickelt sich dafür ein anderer: Ich lernte Lippenlesen. Wenn ich den Gesprächspartner direkt ansehe, kriege ich für gewöhnlich alles mit. Im Kino entschlüssele ich gern den Originaldialog. Stell dir vor, eben hat er „Fuck You!“ gesagt. Gelegentlich frage ich nach, wenn ich etwas nicht mitbekommen habe. Dass ich hörgeschädigt bin, wissen nichtmal Menschen, die mich seit zwanzig Jahren kennen.

Ich habe gelernt, gut mit meinem Handicap zu leben. Leider gilt das nicht uneingeschränkt für meine Mitmenschen. Niemand hat was gegen Rollstuhlfahrer oder Blinde. Im Gegenteil, ihre Hilflosigkeit erweckt Mitleid, und sofort stürzt man hin und hilft dem Blinden die U-Bahn-Treppe hinauf, besonders, wenn er niemanden drum gebeten hat. Man nimmt ihm damit wieder seine mühsam eroberte Selbständigkeit, aber dafür darf man sich auch als guter Mensch fühlen.

Hörgeschädigte hingegen mag keiner.

Wir wirken irgendwie asozial. Vermutlich, weil wir bei der Alltagskommunikation gelegentlich etwas ratlos in die Gegend gucken. Nicht selten hält man uns deshalb auch für geistig minderbemittelt. Die Grobheiten, die ich im Laufe meines Lebens anhören muss, reißen nicht ab. Hörgeschädigte machen aggressiv, spätestens, wenn sie zum zweiten Mal nachfragen:

An mir liegt das aber nicht! Ich spreche doch klar und deutlich! Hören Sie nichts, oder wie? Taube Nuss! Waschen Sie sich doch mal die Ohren! Nicht nur taub, sondern auch noch blöd, oder was?

Die Krönung erlebte ich auf dem Flughafen London Heathrow. Ich hatte bei einer Durchsage nur meine Flugnummer verstanden, aber leider nicht den Rest. Ich ging zur Information und teilte mit, dass ich aufgrund meines Hörschadens die Ansage verpasst hätte. Das war wirklich ein Fehler. Ein Mitglied des Bodenpersonals riss die Augen weit auf und fragte mit karpfenartig übertriebenen Lippenbewegungen peinlich überlaut, ob ich überhaupt wüsste, wo ich mich befände. YES. I. KNOW. WHERE. I. AM. YOU. FUCKING. IDIOT. Dabei könnte doch alles so einfach sein. Einmal, ein einziges Mal habe ich in einer Bibliothek ein Schild gesehen mit durchgestrichenem Ohrsymbol und dem Hinweis: Die Kollegin an diesem Platz ist hörgeschädigt. Bitte wenden Sie sich ihr zu und sprechen Sie deutlich.

Na Bitte. Geht doch.

Es gibt richtig viele Zeitgenossen, die von Inklusion schwärmen. Eine Klasse mit zwölf Schülern, die kein Deutsch sprechen, dazu mehrere Entwicklungsverzögerte, ADHS-Fälle und ein paar Kinder im Rolli, alles kein Problem, besonders für die Pädagogen. Aber mal einen Satz für einen Hörgeschädigten wiederholen? Wo kommen wir da hin.

Von diesen Menschen hört man besonders oft die Frage, warum man denn kein Hörgerät trage. Genauso gut könnten sie sagen: Belästige uns gefälligst nicht mit deiner Behinderung. Das sagen sie natürlich nicht. Was sie stattdessen sagen ist: Es gibt doch jetzt so tolle, unsichtbare Hörgeräte, mit denen man perfekt hören kann!

Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Satz in den letzten fünfzehn Jahren gehört habe. Gesprochen wurde er fast ausschließlich von Menschen mit perfektem Gehör. Woher sie wissen, dass man mit den Hörgeräten so perfekt hören kann, entzieht mich meiner Kenntnis. Dass sie glauben, ich trüge nur keine Hörgeräte, weil ich nicht weiß, dass es solche gibt, liegt daran, dass sie mich nicht nur für taub, sondern auch für grenzdebil halten.

Mittlerweile bin ich unglückliche Besitzerin zweier „Hörsysteme“. Kassenmodell, gesetzliche Zuzahlung € 20.- Die Hörgeräte, von denen Normalhörende mir seit Jahren vorschwärmen, gibt es in der Tat. Sie kosten mit den Folgekosten innerhalb der ersten fünf Jahre an die 16.000 € und werden in der Regel nur Filmschauspielern empfohlen. Ich fühle mich wie ein Steiff-Tier mit Knopf im Ohr, empfinde alles als schmerzhaft laut und immer wieder brechen hinter den Ohrmuscheln Ekzeme aus. Der HNO-Arzt hat mir beim ersten Besuch sofort vor den Latz geknallt, ich hätte viel zu lange gewartet. Es sei höchste Zeit, denn mit zunehmendem Alter verliere das Gehirn die Fähigkeit, Kommunikationslücken selbsttätig aufzufüllen. Außerdem gebe es Zusammenhänge zwischen Hörschäden und Demenz. Mein Gehirn müsse sich jetzt an die neue Hörfähigkeit anpassen. Was natürlich langfristig dazu führt, dass man irgendwann ohne Hörgerät nicht mehr leben kann und darf. Genau das hatte ich befürchtet.