Enjoy your daily gangbang

Am 1. Juli wird in Hamburg eine junge Frau am U-Bahnhof Hagenbecks Tierpark von drei Männern attackiert. Es gelingt ihr, sich durch gekonnte Gegenwehr zu verteidigen und die Männer in die Flucht zu schlagen.

Ein paar Tage zuvor wird eine deutsche Urlauberin auf Mallorca von einer Gruppe junger Männer in einem Hotelzimmer vergewaltigt. Deutsche Medien bezeichnen die Täter als „Deutsche Urlauber“, die deutsche Online-Ausgabe der türkischen „Hürriyet“ ist da schon präziser:

Es handelt sich bei ihnen um Männer mit deutschem Pass und türkischem Migrationshintergrund.

Am 04. Juli fährt ein Vater seine sechzehnjährige Tochter mit seinem Auto an und zerrt sie an den Haaren hinein. Er war nicht mit dem Freund einverstanden, mit dem sie unterwegs war.

Am 05. Juli wird eine junge Frau in Mülheim an der Ruhr von einer Gruppe von Kindern gewaltsam unter Drogen gesetzt und gemeinschaftlich vergewaltigt.

Am 07. Juli wird in Burghausen eine junge Frau auf dem Heimweg angegriffen und vergewaltigt.

Und der Monat hat gerade erst angefangen.

Unerträgliche, brutalste Gewalt gegen Frauen, gegen ihre sexuelle Selbstbestimmung, gegen ihre körperliche Unversehrtheit, gegen ihre Psyche und ihr Selbstbewusstsein.

Und wie immer sind alle fassungslos, können sich das nicht erklären, zucken mit den Schultern und wissen es ja auch nicht.

Dabei ist es wirklich ganz einfach. Gewalt gegen Frauen, besonders sexuelle, gehört zu unserer Kultur.

Es mag peinlich sein, das zugeben zu müssen, doch es ist so. Immer noch und trotz aller Bemühungen. Dass die Frau das Recht hat, über ihre Sexualität selbst zu bestimmen, haben wir erst seit ein paar Jahrzehnten begriffen. Und eigentlich geht das ja so auch nicht, und eine Frau, die selbstbestimmt ihre Sexualität auslebt, gilt natürlich auch bei uns immer noch als „Schlampe“.

Das war schon in meiner Jugend so und hat sich kaum dadurch wesentlich gebessert, dass Mädchen heute schon mit vierzehn die Pille ohne Erlaubnis der Eltern nehmen können. Auch nicht wirklich dadurch, dass es Eltern gibt, die es unterstützen, wenn die Tochter sich für den Flüchtlingsfreund prostituiert, den armen. Oder dass es Eltern gibt, die der Tochter den Aufenthalt bei einem Marokkaner in seiner Heimat finanzieren, einem Mann, den das Mädchen noch außer über Skype nie in seinem Leben gesehen hat. Ich habe mir diese Geschichten nicht ausgedacht, aber ich wünschte wirklich, es wäre so.

Eine Sache allerdings hat sich erheblich verändert:

Wie sehr Sexualität mit Gewalt und Verachtung gegenüber Frauen verknüpft ist, lernt man heutzutage schon im Kindesalter aus den problemlos verfügbaren Pornofilmen. Dort wird nicht nur ein völlig verqueres Bild weiblichen Sexualempfindens vermittelt, dass mit der Realität nicht das geringste zu tun hat, dort wird auch ständig suggeriert, Praktiken, die mit möglichst viel Schmerzen und Demütigungen für Frauen verbunden sind, bereiteten Frauen Spaß. Da werden Frauenkörper angepisst, bis die Pornodarstellerinnen gezwungen sind, die Reizwäsche auszuwringen, da werden Frauen hinterrücks von zig Männern penetriert, da wird Frauen die Faust in den Anus gerammt, da wird Frauen von zig Männern Sperma in die Augen gespritzt.

Welch hanebüchener Blödsinn es ist, zu behaupten, Pornodarstellerin liebten das, was sie tun, seien keinerlei Zwängen ausgesetzt und bekämen auf diese Art an leicht verdientes Geld, begreift man spätestens, wenn man die nackte Angst in den Augen der Darstellerin sieht, als sie zu hören bekommt, es seien über hundert Männer da. Wer glaubt, es gebe bei Pornodrehs keine Gewalt, muss nur mal hören, wie der Produzent die demütig vornübergebeugte Frau beim Pornodreh anherrscht, sie solle mal „keine Zicken“ machen. Und das ist ein Produzent, dessen Arbeit gerade live für das Fernsehen dokumentiert wird und der sich im Verborgenen erstrecht keine Zwänge antun wird.

Besonders tragisch ist, dass Kinder jederzeit an dieses Material herankommen. Noch tragischer ist, dass sie daraus für das Leben lernen. Am tragischsten ist, dass diese umfassende Pornographisierung den Blick auf den weiblichen Körper und die weibliche Sexualität entscheidend verändert hat. Männer und Frauen denken, so sei Sex, so müsse es sein, solche Praktiken müsse man anwenden.

In Internetforen erzählen weibliche Kinder ganz stolz, sie hätten Sperma mit 13 zum ersten Mal im Mund, mit 14 zum ersten Mal in der Vagina, mit 15 zum ersten Mal im Anus gehabt. Leider denken nicht nur Jungs, so sei weibliche Sexualität. So denken auch Mädchen. Sie führen sexuelle Praktiken aus, die sie für Sex halten, aber weder erfahren sie dabei ihren Körper noch irgendetwas, was annähernd mit Lust zu tun hat.

Das ist die eine Seite der Medaille. Nun stelle man sich das Ganze noch hoch zehn potenziert durch eine archaische Machokultur vor, in der die Ehre der Umma, des Clans, der Familie und der Männer einzig und allein dadurch bestimmt wird, dass Frauen nicht selbst über ihren Körper verfügen dürfen. Man stelle sich vor, dass Menschen mit dieser Sozialisation in Gegenden der Welt verpflanzt werden, wo ihre Auffassung nicht der Fall ist. Wo Frauen selbst entscheiden können, mit wem sie Sex haben und mit wem nicht. Diese Frauen sind nichts als ehrlose Schlampen, nicht schade drum, bitteschön, bedient euch!

Wie sehr sich meine Einschätzung von der alltäglichen Selbstverständlichkeit sexueller Gewalt gegenüber Frauen bestätigt, wie sehr man den Tätern Verständnis und liebevollste Hilfe entgegenzubringen weiß und wie wenig die Befindlichkeit der Schlampe interessiert, zeigt sich exemplarisch in der „Aktuellen Stunde“ des WDR, wo man über den schockierenden Fall der Gruppenvergewaltigung einer Achtzehnjährigen durch männliche Kinder in Mülheim berichtet.

Die erste Frage: Was geschieht nun mit den Jungs? Also mit den Tätern, selbstverständlich. Fürs erste gibt’s schulfrei, einer ist in Haft, die Familien sind an Nachfragen durch Behörden völlig uninteressiert, ein Fachanwalt für Strafrecht meint, in dem Alter könne man die Werte noch überhaupt nicht verstehen, um die es geht, Strafen und Einsperren bringe sowieso nichts und natürlich bestätigt der Psychologe, die Täter hätten alle weder Respekt noch Liebe erfahren.

Aber es gibt auch noch gute Nachrichten: Nach über sechs Minuten gibt die Moderatorin, wenn auch widerstrebend zu, man müsse sich ja notgedrungen auch mal mit dem Opfer beschäftigen. Als Kompetenzträger sagt ein Psychologe wörtlich: „…sie wird ein anderes Leben führen, aber das muss nicht schlechter sein, nur anders.“

Das Opfer wird zur Vergewaltigungserlebenden. Wer weiß, wofür es gut ist. Schlecht muss es ja nicht unbedingt gewesen sein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kennst du das Land

Italien, das Land, „wo die Zitronen blühn, im dunklen Laub die Goldorangen glühn“, versetzte bekanntlich nicht nur Goethe und Heine in wahre Glückstaumel von Entzücken und Lebenslust. Es gilt seit den Fünfzigerjahren als DAS Sehnsuchtsland der Deutschen. Doch nichts bleibt, wie es ist, längst hat der Discount-Tourismus dem italienischen Fremdenverkehr das Wasser abgegraben. Warum sich zwei Tage durch endlose Staus nach Italien quälen, wenn man für ein paar hundert Euro Hurghada all inclusive buchen kann?

Dass die oberitalienischen Seen, wie der Lago Maggiore, einst der sommerliche Tummelplatz der Reichen und Schönen war, sieht man heute noch an den vielen Belle-Epoque-Villen rund herum, herrlich verspielten Jugendstilbauten, deren exzentrische Besitzer oft fantastische Gartenanlagen ihr eigen nannten, in denen botanische Raritäten wie Mammutbäume noch heute schwindelerregend in den Himmel ragen. Damals war die Sommerreise noch eine Unternehmung, die wochenlange Vorbereitung und sorgfältigste Planung erforderte. Schließlich verließ man Turin oder Mailand für acht Wochen, um sich mitsamt Kind und Kegel, Sack und Pack, Diener, Hausmädchen, Chauffeur und Nannies bis auf weiteres am Lago zu tummeln.

Aber auch heute muss es noch Tausende geben, die es sich leisten können, für mehrere Millionen Euro ein nobles Anwesen am See zu bauen und sich dort so gut wie nie aufzuhalten. Es erstaunt, wie wenig Leben in dicht bebauten Gebieten herrscht, und im Winter, wenn auch der letzte Tourist verschwunden ist, sind die Städte und Dörfer an den Seen nicht selten wie ausgestorben. Dann ist das Seengebiet wieder das, was es ist: Norditalienische Provinz.

Nicht nur Schlemmer, Opernfans und Sonnenanbeter kommen in Italien auf ihre Kosten. Es ist das ultimative El Dorado, das gelobte Land des Hobbyhistorikers. Wer ein Gefühl für Ewigkeit, für Kontinuität und die elementaren menschlichen Umtriebe finden will, der schlendere nur mal durch italienische Altstadtkerne wie die von Bergamo oder Como.

Man kann dies tun in der Gewissheit, dass hier schon Kelten und Römer, Langobarden und Hunnen, Guelfen und Ghibellinen exakt dasselbe taten. Die Geschäftsstraßen von einst haben im Laufe der Jahrtausende nicht einmal den Ort gewechselt. Gern stelle ich mir vor, wie in den Gässchen römische Bürger flanierten, die Auslagen der Stoff- und Gewürzhändler, der Ölverkäufer, der Fleischer, Bäcker und Weinhändler begutachteten, wie hier Kinder und Hunde lärmend umherschossen. Garküchen brutzelten verlockend, denn das Streetfood ist Jahrtausende alt. In den römischen Mietskasernen, den „Insulae“, gab es weder Bad noch Küche. Für die Körperpflege besuchte man die staatlichen Thermen, die Notdurft wurde in öffentlichen Bedürfnisanstalten erledigt, und zwar, wie ich einmal im israelischen Beit Shean herausfand, auf äußerst komfortablen Marmorsitzen. Öffentlich im wahrsten Sinne: Man war bei diesem Geschäft immer in Gesellschaft von Fremden, ebenso wie beim Essen.

Bestimmt gab es reichlich Fleisch vom Grill, mit Öl bestrichen und mit den lokalen Gewürzen wie Salbei und Rosmarin kräftig abgeschmeckt. Im Winter gab es sicher sättigende Eintöpfe und Suppen. Wenn man in italienischen Haushaltswarengeschäften die riesigen, sündhaft teuren Kupferkessel erblickt und die sichelartigen Gartenmacheten, hat man ohnehin das Gefühl, seit Asterix sei kein Tag vergangen.

Wie kann große Historie nur so selbstverständlich sein? Selbst das Straßennetz der Altstadt von Como ist immer noch in dem praktischen Schachbrettmuster angeordnet, dass die Römer einst für ihr Militärlager Comum ganz funktional eingerichtet haben. Dreihundert Jahre alte Haustüren sind hier gar nichts Besonderes und in den zahllosen Dörfern um die Seen stehen etliche, aus grauem Felsgestein errichtete romanische Kirchen, oft an die tausend Jahre alt, mit reizend roh zurechtgehauenen kleinen Säulchen geschmückt. Barocke Palazzi reihen sich an klassizistische Bauten des neunzehnten Jahrhunderts, die Brunnen aus dem Mittelalter spenden Wasser wie eh und je, das gotische Rathaus sieht aus, als sei es erst vor ein paar Monaten fertig geworden.

Die relative Armut, der die Region zeitweilig oblag, wurde hier zum Gewinner: Um Stadtmauern zu schleifen und stattdessen mehrspurige Straßen oder weitläufige Grünanlagen anzulegen, brauchte man zunächst Geld. Sehr viel Geld, bevor man Klöster schleifen und halbverfallene Palazzi abreißen konnte. War selbiges nichts vorhanden, war man eben gezwungen, sich weiterhin mit dem zu behelfen, was man hatte. Zum Beispiel mit dem Rathaus, das im elften Jahrhundert entstand. Oder der Apothekeneinrichtung, die um 1800 vom Gründer angeschafft wurde und heute noch so selbstverständlich benutzt wird, als sei das irgendwie ganz normal.

So wundert es auch nicht, dass die älteste Apotheke der Welt in Florenz zu finden ist. Die Farmacia di Santa Maria Novella begann ihr Start-Up mit dem Verkauf eines Rosenwassers im Schreckensjahr 1348. Dessen Heilwirkung auf die Pestkranken war allerdings eher symbolischer Natur. Was der Farmacia keinen Abbruch tat: Heute betrieben als Luxusparfümerie, in den Räumen des mittelalterlichen Klosters mit der – selbstverständlich! – original barocken Einrichtung, ist sie ein florierender Betrieb, dessen Produkte von unübertroffener Qualität sind. Ich selbst habe dort eine Patchouli-Seife für 16 € erstanden, die bis zum letzten Rest cremig aufschäumte und himmlischen Duft verbreitete. Auch kann sich die Farmacia rühmen, ein Duftwasser für Katharina de Medicis kreiert zu haben, französische Königinmutter und Regisseurin des Blutbades an den Hugenotten in der infamen Bartholomäusnacht. Das Parfüm ist selbstverständlich immer noch im Sortiment und die Franzosen nehmen es der blutigen Katharina heute noch übel, dass sie ihre Florentiner Köche mitbrachte und so den Grundstock für den großartigen Ruf der französischen Küche legte.

Natürlich hat all das viel mit Lokalpatriotismus und Traditionspflege zu tun, aber der Italiener ist durch und durch pragmatisch und sieht nicht ein, etwas zu verändern oder zu verbessern, was ohnehin perfekt ist. Das gilt insbesondere für die italienische Küche. So gut wie bei Mamma schmeckt sowieso nichts und wer einst auszog, die Italiener das Kochen zu lehren, so wie Jamie Oliver, konnte sein blaues Wunder erleben. Bockbeinig beharren die Dorftraditionalisten auf die einzig wahre Zubereitungsart für Pasta mit Tomatensoße, alles andere ist Murks und gut für Touristen. Und so isst man seit Jahrhunderten im Norden Polenta und Risotto, in Venedig Trippa alla Venezia und Sarde in Saòr, in der Toskana die dicken Pici mit Sugo und in Neapel Spaghetti. Tradition ist in Italien kein aufgeblähter Selbstzweck, sondern Lebenskunst. Und eine so schöne noch dazu.

Betreutes Pinkeln

Liebe schulstreikenden, freitagsdemonstrierenden, klimaschützenden Kinderaktivisten! https://www.focus.de/regional/frankfurt-am-main/klima-vierte-freitagsdemonstration-gegen-klimawandel_id_10264613.html

Ja, ich verzichte ganz bewusst auf das große „I“ und das Gendersternchen. Schon allein deswegen, um mich überdeutlich und bewusst abzugrenzen und mich als das zu outen, was ich bin, nämlich eine in euren Augen uralte Frau aus einer anderen Zeit, die keinen Durchblick hat und der der Kalk schon aus der Hose rieselt. Ich möchte Euch eine kleine Gute-Nacht-Geschichte erzählen. Ihr könnt sie anschließend gern wieder vergessen und nächsten Freitag wieder zur Klimaschutzdemo gehen. Null Problemo, wie ALF gesagt hätte – einer der herausragenden Intellektuellen der Achtzigerjahre, dem wir auch das schöne Bonmot „Traditionen sind wie Teller – gemacht, um in Stücke zu gehen“ verdanken.

Ihr müsst jetzt mal ganz stark sein: Die Zeiten, die ihr gerade erlebt, die waren nicht immer so sorgenfrei, rundumbetreut, Pädagogengesteuert, digital vernetzt und finanziell grundsaniert, wie es heute für euch selbstverständlich ist.

Vielleicht seid ihr gerade erst aufs Gymnasium gekommen. Vielleicht macht ihr in einem Jahr das Abitur? Gut so! Habe ich auch mal gemacht, 1982, wenn ich mich nicht irre. Demonstriert habe ich auch oft. Damals wurden Demonstrationen gegen Atomkraftwerke, gegen die Hochrüstung und die Stationierung von Mittelstreckenraketen nicht unbedingt in der Tagesschau erwähnt; wenn überhaupt, dann wurden die Anzahl der Demonstranten krude heruntergelogen und die Demoteilnehmer möglichst als abschreckendes Beispiel für die Verkommenheit der faulen Jugend dargestellt. Das man uns öffentlich hochjubeln würde, weil wir ein simples demokratisches Grundrecht wahrnahmen, wäre uns nie in den Sinn gekommen. Gewollt hätten wir’s schon gar nicht. Lob von der CDU-dominierten Regierung? Da wäre man als guter Linker schamrot geworden.

Gut, ich will euch nicht den Schlaf rauben, aber meine Generation ist eben ganz, ganz anders groß geworden als eure. Wir saßen ab drei Jahren mittags eine halbe Stunde ruhig am Tisch wie alle anderen Familienmitglieder und lernten, mit Messer und Gabel das zu essen, was alle aßen, Grützwurst zum Beispiel oder grätenstarrende Fische mit Kopf und Glubschaugen. Es wurde jeden Tag frisch gekocht, Reste wurden wiederverwertet, Fertigmenüs waren ungekannt. Der erste Pizzaservice tauchte erst 1988 in Hamburg auf. Essen bringen ließen sich nur sehr alte oder schwerkranke Menschen. Essen To Go gab es nicht, außer mal einer Tüte Pommes, und die auch nur zu ganz besonderen Anlässen wie der Eins in Englisch. Die Mütter schmierten ihrer Brut noch Pausenbrote und gaben ihnen mitnichten Bares mit, damit sie sich in der Unterrichtsfreien Zeit bei Mc Donald’s oder Starbucks Coffee den Bauch vollschlagen konnten. Beides gab es nämlich noch nicht, und leisten können hätte sich das eine normale Familie auch gar nicht.

Nicht jeder hatte den Komfort einer Zentralheizung, kalt war es oft im Kinderzimmer, da half nur, noch einen Pulli mehr anzuziehen und wild herumzutoben. Die tägliche Dusche war völlig unbekannt, gebadet wurde nur einmal pro Woche samstags. Der typische Duft des Samstagabend war ein Mischaroma aus Badewasser und dem frisch gebackenen Sonntagskuchen. Ganz recht, es gab nur sonntags Kuchen und mitnichten aus der Tiefkühltruhe.

Wir mussten von der ersten Klasse an den Schulgang zu Fuß bewältigen, oft mehrere Kilometer. Nur bei sehr schlechtem Wetter gab es mal eine Busfahrkarte. Die kostete bei meiner Einschulung 30 Pfennig. Wir mussten nicht nur zur Schule zu Fuß gehen, sondern auch zum Sportverein, zum Zahnarzt, zum Kindergottesdienst, zu Kindergeburtstagen. Die fielen übrigens schlicht aus: Gefeiert wurde in der Wohnung oder, wenn gutes Wetter war, im Garten. Das Unterhaltungsprogramm bestand aus Topfschlagen, Blinde Kuh, Stille Post, Streitereien, Ratespielen und von den Müttern schleunigst auseinandergebrachten Prügeleien. Dazu gab es Kakao, Kuchen und Kekse, und gegen Abend, bevor wir satt, müde und glücklich nachhause wankten, Kartoffelsalat und Würstchen.

Man fuhr mit dem Fahrrad – falls eins vorhanden war. Unseren Eltern wäre es nicht im Traum eingefallen, uns überall hin zu kutschieren, solange wir zwei gesunde Beine hatten. Es wäre auch gar nicht gegangen, denn wer sich überhaupt ein Auto leisten konnte, benutzte es, um als Hauptversorgender Familienvater damit zu Arbeit zu fahren. Das Innere des Autos sahen wir vielleicht mal am Sonntag, wenn man hinaus ins Grüne fuhr.

Wollten wir Kontakt mit Freunden und Mitschülern, mussten wir hingehen und klingeln. Völlig ohne facebook, Instagram, Twitter oder Whatsapp. Telefonieren ging nur mit ausdrücklicher Erlaubnis – und schon gar nicht aus nichtigen Anlässen. Nach dem Mittagessen machten wir allein und ohne jede elterliche Hilfe unsere Schularbeiten. Und dann verschwanden wir für Stunden „nach draußen“, um mit anderen Kindern zu spielen, zu toben, zu streiten. Allein, weit weg von den Eltern, unbeobachtet, ohne jede pädagogische Anleitung und ohne Unterhaltungselektronik. Im Fernsehen, das ganze drei Programme umfasste, die etwa von 12:00 Uhr mittags bis 1:00 Uhr nachts liefen, gab es ohnehin nur eine halbe Stunde Kinderprogramm, und wer die an einem helllichten, sonnigen Tag dem Schwimmbad oder Bolzplatz vorzog, galt als Psychopath. Dabei erzogen wir uns besten gegenseitig und wie von selbst. Geizhälse, Schläger und Betrüger sahen sich nämlich schnell isoliert und gewöhnten sich so ihre Unarten wie von selbst ab.

Wie wir aussahen und was wir anhatten, war uns relativ egal. Hauptsache, die Klamotten waren robust und man konnte sie auch mal dreckig machen. Bei zwei oder drei Kindern pro Familie war Kleidung ein großer Kostenfaktor. Wir mussten die Sachen von Brüdern, Schwestern und Kusinen auftragen, da gab es nichts. Als wir so langsam in die Pubertät kamen, wurde das ein Problem. Eine funkelnagelneue Levi’s kostete 50 oder 60 Mark. Daher gab es auch nur eine pro Jahr. Mode für „Teens“, wie man damals sagte, wurde noch in Deutschland produziert und nicht in Südostasien und kostete ein Vermögen. Für ein neues Sommerkleid musste man wochenlang jammern. Wir konnten eben nicht mal schnell mit ein bisschen Taschengeld zu H&M, Tally Weijl oder ähnlichen Sweatshop-Billig-Klamottenherstellern gehen und uns für praktisch kein Geld modisch auf den neusten Stand bringen. Und wir mussten immer damit rechnen, dass ein neues Kleidungsstück Jahrelang getragen werden musste. Was wir auch taten.

Führerschein und das erste Auto zum Abitur oder dem achtzehnten Geburtstag? Nur ganz wenige durften das erleben. Die große Reise, die wir antraten, sobald die Aula vom Erbrochenen des Abiballs gesäubert war, erfolgte für ein paar schlappe Wochen mit dem einzigen Transportmittel, das sich die meisten von uns leisten konnten, denn Flugreisen waren völlig unerschwinglich. Es nannte sich Interrail, war eine verbilligtes Dauerticket für die Sommermonate und gab Menschen unter 26 die Möglichkeit, superbillig mit der Bahn durch Europa zu reisen. Billig war allerdings auch das Synonym für den kleinstmöglichen Komfort. Sechs Stunden Geratter und Geschüttel mit Gangplatz, zwei Tage ohne Waschgelegenheit oder Schlafmöglichkeit, das gehörte dazu. Das war Abenteuer pur. Hauptsache man kam dorthin, wo man hinwollte. In den Loggien von Florenz, auf dem Montmartre oder den Ramblas von Barcelona war all der Stress ganz schnell vergessen. Und wir waren telefonisch nicht für die nervigen Eltern erreichbar. Wie schön.

Work and Travel gab es nicht. Nachdem die zwei bis vier Schönen Wochen vorbei waren, ging es mit Work los. Oder mit dem Studium. Wir schafften die Immatrikulation und Studienberatung sogar ganz ohne Muttis Hilfe, und Papi hatte uns auch nicht den Antrag auf Befreiung von der Wehrpflicht geschrieben. Wir konnten das alles ganz allein, wir brauchten nicht einmal das betreute Pinkeln, dessen schamrote Zeugin ich ständig in der Öffentlichkeit gezwungen zu sein bin.

Nicht, dass ich Euch das alles nicht von Herzen gönnen würde. Im Gegenteil. Ich finde es wunderbar, dass es euch heute so gut geht. Ich weiß, ich bin grün vor lauter Neid. Aber, ihr Süßen: wo wir gerade bei grün sind: Es gab unter uns Menschen, die es ganz genau wissen wollten. Sie nannten sich Aussteiger. Sie gründeten Landkommunen in Schleswig-Holstein oder brachten alte Weingüter in der Toskana wieder in Schuss und so entstanden die ersten mehrheitlich belächelten Biohöfe. Dass ihr nichts lieber wollt, als zu unserem nachhaltigen Lebensstil zurückzukehren, davon gehe ich jetzt mal aus. Dann reden wir wieder von der Rettung der Welt von den Schäden, die wir dort verursacht haben sollen. Gute Nacht liebe Kinder. Schlaft schön!

Stolpern sollte wehtun

„In Hamburg sah ich die erschreckendsten, bedrückendsten Dinge, die ich je zu Gesicht bekommen hatte – mit Davidsternen und dem Wort ‚Jude’ bemalte Geschäfte, hinter halbleeren Ladentischen verstörte Menschen, die sich ängstlich duckten, als wüssten sie nicht, was sie getroffen hatte und aus welcher Richtung der nächste Schlag kommen würde. Seit meiner Bar Mizwa war ich mir nicht mehr so sehr bewusst gewesen, dass ich Jude war. Es war das erste Mal, seit ich Masern gehabt hatte, dass ich mich zu krank fühlte, um zu essen.“

Diese gar nicht lustigen Worte stammen von keinem geringeren Zeitzeugen als Adolph Arthur Marx, seinen Fans weitaus besser bekannt als Harpo – dem stummen Marx Brother mit der Harfe, der blonden Wuschelperücke und dem schäbigen Trenchcoat.

Etwas, das mich aufhorchen ließ. In Hamburg halten sich absurde Mythen über die Nazizeit besonders hartnäckig. Zum Beispiel dieser: Die Jugendstil- und Gründerzeitvillen in den vornehmen Stadtvierteln Harvestehude und Blankenese seien von Fliegerangriffen verschont geblieben, weil ihre früheren Besitzer Juden gewesen seien. Ein anderer heißt bis heute: Hier war ja alles gar nicht so schlimm wie anderswo. Mit solchen Lügen sind viele Hamburger der Nachkriegsgeneration ganz selbstverständlich aufgewachsen. Mit dreizehn Jahren war eines meiner Lieblingsbücher das Tagebuch der Anne Frank. Aber dieses Buch war für mich damals eigentlich nicht anders als „Die Kinder von Bullerbü“ oder „Hanni und Nanni“. Dass die Familie Frank sich nicht in einem bizarren Abenteuerurlaub befand, sondern sich vor ihren künftigen Mördern verstecken musste, war mir zwar bewusst, doch ich vermied es stets feige, die letzten Tagebuchseiten zu lesen. Und was danach kam, wollte ich lieber gar nicht so genau wissen. Als ich später in den Schilderungen einer Bergen-Belsen-Überlebenden las, dass sie in der gleichen Baracke untergebracht war, in der auch die Schwestern Frank starben, bekam ich einen regelrechten Schock. Eine bemerkenswerte Verdrängungsleistung, aber im Kleinen ein Abbild des typisch hanseatischen Umganges mit der jüngsten Geschichte.

Von der Schultüte bis zum Abitur waren die Informationen, die wir in den siebziger Jahren über Kultur und Religion des Judentums bekamen, gleich null. Dafür bekamen wir Stürmerpropaganda reinsten Wassers serviert. Ohne, dass dies irgendjemandem aufgefallen wäre. Unser Bild von den Juden unterschied sich kaum von dem unserer Eltern und Großeltern. Kein Wunder, bei den Quellen, die im Unterricht herangezogen wurden. Der pädagogische Nutzen von antisemitischen Karikaturen ist fragwürdig, solange nicht die entsprechende Pädagogik dahinter steht. Ein Lehrer berichtete einmal ein launig, die Nazis seien besessen von der Idee gewesen, man könne die Juden schon an der Form ihrer Nase erkennen. Zu diesem Zweck malte er mehrere Nasenformen an die Tafel. Unnötig zu erwähnen, dass wir vierzehnjährigen dummen Gören anschließend unsere Nasen gegenseitig auf jüdische Herkunft prüften. Von einem Dokumentarfilm, den wir damals mit der Klasse besuchten, ist mir nur diese Szene in Erinnerung geblieben: Einer Gruppe, hieß es dort, hätte Hitlers Hass besonders gegolten. Kunstpause, Kameraschwenk: Den Juden. Es folgten Aufnahmen aus osteuropäischen Ghettos. Gedreht von Nazifilmemachern zu dem Zweck, Juden als Untermenschen zu präsentieren und propagandistisch ihre Vernichtung vorzubereiten. Es waren diese Bilder, die sich Dank dieser Pädagogik in meiner Generation einstellten, wenn das Wort Jude fiel. Juden waren Opfer. Eine positive Annäherung an das Judentum in irgendeiner Form fand dagegen nicht statt.

Im Jahr 1986 endlich, über vierzig Jahre nach Kriegsende und lange nach meiner Einschulung, eröffnete in der ehemaligen Talmud-Tora-Realschule am Grindelhof die Ausstellung Ehemals in Hamburg zuhause –  Jüdisches Leben am Grindel. Erst da begann in Hamburg die Erinnerungskultur. Ich erfuhr als Studentin zum ersten Mal, dass ich mich täglich dort aufhielt, wo einmal das Herz der jüdischen Gemeinde geschlagen hatte. Die Geschichte der Juden von Hamburg, Wandsbek und Altona wurde mein Diplomprüfungsthema. Ein Novum, da von keinem Kandidaten vor mir je gewählt. In der mündlichen Prüfung stellte sich heraus, dass der Professor für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte keine blasse Ahnung von der Materie hatte – etwa zwei Drittel seiner Prüfungsfragen bezogen sich mangels fundierter Kenntnisse ausgerechnet auf den antisemitischen Film Jud Süß. Ein weiterer Pädagoge, der seinem Bildungsauftrag nicht ohne Zuhilfenahme von Nazipropaganda nachkommen konnte.

Viele Hamburger Plätze und Straßen wurden inzwischen nach ehemaligen jüdischen Bürgern benannt und hunderte von Stolpersteinen verlegt. Das Wachhalten der Erinnerung ist fraglos ein wichtiger Teil der Aufarbeitung. Aber ein wenig fühlt sich das Gehen auf Stolpersteinen doch so an, wie es im amerikanischen Bühnenerfolg Jewtopia von Bryan Fogel und Sam Wolfson formuliert wird: Viele Straßen sind nach Juden benannt, damit die Deutschen immer noch auf ihnen herumtrampeln können. Das offenbart sich auf besonders schmerzliche Weise am Grindel, der heute seine Wiedergeburt als jüdisches Viertel feiert. Unlängst nahm ich dort an einer Veranstaltung teil, einer Art kulinarischer Stadtführung. Es war informativ und obendrein lecker, aber man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass man in Hamburg irgendwie stolz ist auf seine toten Juden. Nirgendwo liegen so viele Stolpersteine wie hier im Grindel, informierte man uns aufgeräumt. Aber diese täuschen nun einmal nicht darüber hinweg, dass die jüdischen Kinder Polizeischutz auf dem Weg zur Joseph-Carlebach-Schule brauchen und die Synagoge immer bewacht werden muss. In Israel erfahre ich nie etwas anderes als unverhohlene Freude über Touristen aus Deutschland. Ich erlebe sehr rührende Momente, wenn Israelis mich auf Deutsch ansprechen und sagen, sie hörten und sprächen diese Sprache so gern. Dann komme nicht umhin zu denken: Stolpern sollte mehr wehtun.

 

 

Keine dauerhaften Schäden

Niemand würde es Ihnen wünschen, aber stellen sie sich mal Folgendes vor: Sie sind eine Frau und kommen im Morgengrauen nach Hause. Ihr Lebensgefährte reißt darob die Dreifachsteckdose samt Kabel aus der Wand und schlägt damit auf Sie ein. Und zwar lange. Dann zerrt er Sie zum Bett, kniet sich auf Ihre Oberschenkel und würgt Sie, bis Ihnen schwindelig wird. Da ihm das noch nicht reicht, würgt er Sie mit dem Kabel, bis Sie das Bewusstsein verlieren.

Daraufhin verpasst Ihnen Ihr Lebensgefährte solange Ohrfeigen, bis Sie wieder zu sich kommen. Um Sie dann erneut solange zu würgen, bis Sie das Bewusstsein verlieren. Er foltert sie auf diese Weise über Stunden weiter. Zwischendurch schreit er, dass er Sie umbringen wird. Oder er tritt Ihnen mit dem Fuß ins Gesicht. Nach einigen Stunden werden Sie ins Wohnzimmer geschleift und auf die Couch gesetzt, wo Ihnen Ihr Lebensgefährte in den Mund uriniert. Nachdem er Ihnen noch ein paarmal in die Rippen geboxt hat, lässt er von Ihnen ab.

Ihr Peiniger wird per Haftbefehl gesucht, und endlich nach zwei Jahren festgenommen. Der Grund für seine Wut war übrigens die Tatsache, dass Sie allein in die Disco gegangen sind. Die Staatsanwaltschaft vertritt die Ansicht, Sie hätten keine dauerhaften Schäden erlitten.

https://www.nw.de/lokal/kreis_lippe/detmold/22353608_Brutale-Quaelerei-Detmolder-foltert-Freundin-nach-Diskobesuch.html?fbclid=IwAR2bLiI8R7PnHMzBQ8YGmozoQYz5Qyh3N661VMXzNHn3zifvUkVKAsVPu4s

Stellen Sie sich vor – nicht, dass ich Ihnen dies wünschen würde – Sie seien eine Frau, diesmal minderjährig, und werden hinter dem Wartehäuschen einer Bushaltestelle zweimal vergewaltigt und dann einfach dort liegen gelassen wie Abfall. Stellen Sie sich ferner vor, sie seien später bei der Gerichtsverhandlung zugegen und könnten vor lauter Weinen nicht sprechen. Bei dieser Verhandlung ginge es vorrangig um die psychische Befindlichkeit des Täters, seine traurige Kindheit, seine sieben Voreinträge im Bundeszentralregister und die Tatsache, dass das Gericht ihrem Peiniger trotz siebenfach verletzten Bewährungsauflagen eine günstige Sozialprognose erstellt und er wiederum mit einer Bewährungsstrafe belohnt wird. Stellen Sie sich vor, Sie dürfen anhören, dass Ihrem Vergewaltiger eine stationäre Traumatherapie verordnet wird und die Gerichtkosten erlassen werden. Die Forderungen Ihrer Verteidigung wenigstens nach finanziellem Ausgleich werden komplett ignoriert. Und stellen Sie sich vor, der Richter bäte Sie anschließend, für das Urteil Verständnis zu haben.

https://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.horb-rottweil-maedchen-vergewaltigt-bewaehrung.1d311fec-3041-4ffc-bc03-774c83de12c8.html?fbclid=IwAR1HYXwK1cEc8JeVAfAnpJN_kIHpCvRnGBTVZEbtjCIBrfn3oWSXaP3yFE4

Nicht, dass Ihnen das irgendwer wünschen würde, aber stellen Sie sich vor, sie seien eine Frau und ein Mann wirft sie aufs Bett, zwängt ihren Kopf zwischen die Gitterstäbe und vergewaltigt Sie. Sie wehren sich, sich schreien, dass er aufhören soll. Er ignoriert das. Vier Stunden lang. Sie erleiden dabei im Vaginalbereich so starke Verletzungen, dass Sie zwei Wochen lang nicht richtig laufen können.

Ihr Peiniger wird vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen. Das Gericht attestiert ihm, er habe „nicht gewusst, was er tat“. Da er aus dem türkischen Kulturkreis stamme, sei es naheliegend, dass er das Verbrechen versehentlich für etwas wilderen Sex gehalten habe.

http://www.maz-online.de/Lokales/Brandenburg-Havel/Sex-mit-Gewalt-aber-keine-Vergewaltigung

Kulturrelativisten pflegen Bedenkenträgern angesichts der steigenden Gewaltverbrechen von Geflüchteten gegenüber Frauen gern anzuführen, wie sehr die Frauen in Deutschland auch schon ohne Einwirkung von Asylbewerben zu leiden hätten. Angesichts des Justizalltags in Deutschland ist man fast geneigt, ihnen Recht zu geben.

Wenn derartige Rechtssprechung möglich ist, wundert es nicht, dass so wenige Gewaltverbrechen von Frauen überhaupt angezeigt werden.

Laut Bundeskriminalamt gab es im Jahr 2017 in Hamburg ganze 255 erfasste Fälle von Vergewaltigung und sexueller Nötigung. Laut dem „Notruf für vergewaltigte Frauen e.V.“ dürfte die tatsächliche Anzahl der Fälle um das zehn- bis fünfzehnfache höher sein. Warum bleiben Frauen jahrelang bei gewalttätigen Männern und erzählen anderen, das blaue Auge sei durch einen Treppensturz entstanden? Warum sprechen Frauen nicht über sexuelle Gewalt und warum verdängen sie, dass sie Opfer eines Verbrechens geworden sind?

Weil sie grundsätzlich zuerst denken, sie selbst hätten sich falsch verhalten. Nichts wirkt so nachhaltig wie das Victim-Blaming, das das Opfer sexueller Gewalt an sich selbst vornimmt. Fast jede Frau kennt diesen fatalen Mechanismus. Nicht umsonst gelten Passivität, Opferbereitschaft, Leidensfähigkeit und Unterordnung selbst heute noch als höchst weibliche Tugenden. Wenn ich mein Leben Revue passieren lasse, gab es etwa zehn sexuelle Straftatbestände, die ich nicht zur Anzeige gebracht habe. Schon, weil ich resigniert dachte: Was soll das überhaupt bringen, außer peinlichen Befragungen und, nach einigen Monaten, die Nachricht von der Einstellung des Verfahrens? Seit der Grundschule haben mir andere Frauen und Mädchen Dutzende von Malen von erlittener Sexueller Gewalt erzählt, von Exhibitionismus, Übergrifflichkeiten, erzwungenen sexuellen Handlungen bis hin zu Vergewaltigungen. Nichts davon kam zur Anzeige.

Wenn man sich durch Internetforen für Mädchen und Frauen klickt, ist man fassungslos angesichts der Alltäglichkeit sexueller Gewalt. Deren Schilderung selbst im Schutz der Anonymität fällt den Opfern schon schwer genug. Geradezu alarmierend ist, dass die Opfer meist über so wenig Selbstbewusstsein verfügen, dass sie nicht einmal klar entscheiden können, ob eine sexuelle Handlung gegen ihren Willen vorgenommen wurde oder nicht. Besonders bei jungen Frauen und Mädchen scheint das ein sehr verbreitetes Problem zu sein. Ekeleerrregende oder schmerzhafte Praktiken werden entgegen den eigenen Bedürfnissen zugelassen, weil man den Mann nicht enttäuschen, weil man nicht als „prüde“ oder „zickig“ gelten will. Die Hamburger Psychotherapeutin Sandra Konrad hat sich dieses Themas in ihrem hervorragenden Buch „Das beherrschte Geschlecht. Warum sie will, was er will“

 

angenommen und stellt in ihrer Berufspraxis immer wieder fest, dass junge Frauen glauben, guten Sex gehabt zu haben, wenn sie besonder gut „performed“ hätten. Jahrzehnte der sexuellen Befreiung – und die Frauen von heute sind brav zu gut funktionierenden Pornostars geworden. Kein Wunder, dass explizite sexuelle Gewalt gar nicht so schnell als solche erkannt wird. Meist erst im nachhinein. Und dann ist es zu spät.

„Keine dauerhaften Schäden“ werden dem Opfer des ersten Falles von der Staatsanwaltschaft attestiert. Allen Ernstes. Die Schäden in solchen Fällen, oft eher unspezifisch als Posttraumatische Belastungsstörung bezeichnet, beginnen bei Schlafstörungen und Nervosität, bei Ekel vor dem eigenen Körper und vor Sex und gehen bis zu Sozialphobien, Panikattacken, Depressionen, Selbstverletzungen und, im schlimmsten Fall, Psychosen. Die Schockwirkung durch die Erfahrung, wie der vermeintlich gut bekannte und geliebte Mann aus dem Nichts zum sadistischen Psychopathen wird, ist für die Psyche ein derartiger Notstand, dass nicht selten als spontane Schutzmechanismen Amnesien oder Mutismus (Sprachverlust) auftreten können.

Die Erfahrung schwerer körperlicher und psychischer Gewalt kann einen Menschen so nachhaltig schädigen, dass er für den Rest seines Lebens behindert und oft genug erwerbsunfähig ist. Das ist nichts, was Juristen nicht bekannt ist, zählen derartige psychische Defekte ja zweifellos zu den beliebtesten Begründungen für die milde Bestrafung der Täter. Hingegen scheint man bei allen drei oben geschilderten Fällen davon auszugehen, die Opfer seien mehr oder weniger unbeschadet aus der Sache hervorgegangen. Dies muss den Beobachter ratlos zurücklassen, denn ob diese Beurteilungen durch pure Misogynie oder richterliche Selbstherrlichkeit oder schlicht durch Blödheit zustande kamen, lässt sich nicht ohne weiteres ermitteln. Fest steht, dass die Opfer, die bereits durch die Hölle der Gewalterfahrung gehen mussten, durch die Demütigung der Rechtssprechung für ihren Mut abgestraft werden, die Tat überhaupt zur Anzeige gebracht zu haben. Ein fatales Signal für die Zukunft.

 

Frau Antjes kleiner Grenzverkehr

Mein Mann hat mich für zwei Tage mutterseelenallein am Lago Magiore zurückgelassen. Er muss nachhause und arbeiten gehen, da nützt alles nichts. Und was mache ich so ganz allein und ohne Auto?

Ich gehe Bergwandern.

Wanderstiefel angezogen, Daunenjacke, Notstulle eingepackt und natürlich das Handy. Kurz vor der Schweizer Grenzstation ist ein Pfad, der mich schon immer gelockt hat. Offenbar kommt man auch über die Waldseite in die Schweiz. Mit Wanderzeichen und Wegweiser. Kann nichts schiefgehen.

Unter den Bahngleisen hindurch geht es steil bergan. Sehr steil. Es ist eine dieser mit Flusskieseln gepflasterten Bauernstraßen, die malerisch aussehen, aber mühsam zu gehen sind. Es geht immer bergauf, eine halbe Stunde lang, und ich überlege, ob ich nicht lieber umkehren soll, wenn so nicht das hübsche Dorf drüben in der Schweiz zu erreichen sein sollte. Aber irgendwann bin ich oben, und der Weg nimmt Kurs auf die Schlucht, durch die der Weg führen muss, wenn man oben bei dem in der Sonne leuchtenden Dörfchen ankommen will.

Gut so, jetzt bin ich auf dem richtigen Weg und nichts kann mehr verfrieren. Das Wetter ist typisch italienisches Winterwetter, wie es hier in der Lombardei ist: Klar und kalt, mit leuchtendem Sonnenschein, der noch richtig wärmen kann.

Hinter der nächsten Biegung wird der vormals breite Fußpfad nur noch ein schmales Pfädchen und es geht scharf am Rande einer tiefen Schlucht entlang. Hier muss man schon ein bisschen aufpassen, richtig zuzutreten. Man muss nur richtig hingucken und sich notfalls an Ästen und Wurzeln festhalten, dann kann eigentlich gar nichts passieren.

Und wenn doch was passiert? Dann schlittert man hier hunderte von Metern den Abhang herunter. Gut, dass ich das Handy dabeihabe, man weiß ja nie. Obwohl, ob man nach einer derartigen Schlitterpartie noch zum Telefonieren in der Lage ist? Und wie ist überhaupt der italienische Notruf? 112, so wie bei uns? Und in der Schweiz? Keine Ahnung.

Ach komm schon – was soll dir schon geschehen. Mittlerweile geht es recht steil wieder bergab, der Pfad wird durch Geröll und knochentrockene Kastanienblätter immer rutschiger. Offenbar schlittere ich auf eine tiefe Schlucht zu und richtig, ich höre schon das Wasser rauschen. Das muss der Grenzbach sein.

Das Terrain wird leider immer unwegsamer. Im Oktober hat es diverse Stürme, Starkregen und Hochwasser gegeben. Innerhalb von wenigen Stunden wurden die Flüsse in der Gegend von sanft murmelnden Bächlein zu gefährlich hohen Wildwassern, und in den Wäldern stürzten nicht nur tote Bäume um.

Da raschelt was!

Der Lago Maggiore ist zwar ein hervorragend erschlossenes Feriengebiet, aber die fantastischen Wälder, die ihn umgeben, werden nach wie vor nach den Gesetzen des Dschungels regiert. Noch nie war mir das so klar wie im Herbst, als ich zum ersten Mal einen Hirsch röhren hörte: Jurassic Park! Es gibt nicht nur Rehwild, auch grunzende wühlende Wildschweine, Schlangen, die einem wie ein Stück Gartenschlauch plötzlich vor die Füße plauzen, Füchse, die man beim Sonnen auf Lichtungen überrascht.

Nein, da war doch nichts. Plötzlich wird mir klar, dass ich keine Ahnung mehr habe, ob ich noch auf dem richtigen Weg bin. Überall blockiert Totholz den Weg, ich muss klettern und steigen und komme nur noch im Schneckentempo voran, bis ich endlich wieder ein Wanderzeichen sehe. Zu meinem Schrecken geht es direkt auf den Fluss zu. Tosende Wasserfälle und Wildbäche sind hier gar nichts besonderes und ich habe mir schon öfter beim durchqueren nasse Füße geholt. Das würde notfalls gehen. Aber wozu? Jenseits des Wassers geht es offensichtlich nicht weiter. Und da sehe ich plötzlich, dass es am andren Ufer einen Erdrutsch gegeben hat. Eine Gerölllawine ist jetzt dort, wo ehemals der Wanderweg gewesen sein mag. Wohin er von dort aus führen sollte, ist nicht mehr auszumachen.

Na Klasse, dann muss ich eben wieder zurück. Ich raschele durchs Laub und versuche mich zu erinnern, wie ich in die Schlucht gekommen bin. Von hier? Von dort hinten? Ich muss auf jeden Fall das Wanderzeichen wiederfinden, sonst bin ich aufgeschmissen.

Ach komm schon, denke ich, das sind hier schließlich nicht die Alpen. Und dann fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Natürlich sind das hier die verdammten Alpen! Aber wie soll ich den verdammten Weg wiederfinden? Auf Geratewohl den rutschigen Hang hinaufzuklettern, wäre Wahnsinn.

Was nun? Ich kann weder vor noch zurück! Wie lange bin ich nun schon hier? Ich hole das Handy raus: Entladen!

Höchste Zeit für eine solide Panikattacke. Und dann, urplötzlich, lerne ich eine wichtige Lektion: Panik muss man sich erstmal leisten können. Das kann ich mir im Augenblick nicht, denn mein Gejammer und Geheule würde im Tosen des Wassers untergehen und mir sowieso nicht weiterhelfen.

Ich versuche erstmal, ruhig zu atmen. In diesem Augenblick sehe ich drüben jenseits des Baches, dass dort in der Tat ein Wanderpfad den Berg hochgeht. Er war vorher nicht zu sehen gewesen. Ich muss die Flucht nach vorn antreten, koste es, was es wolle. Ich suche mir eine gute Stelle am Bach und komme mühelos hinüber, auch wenn mir die Knie zittern. Jetzt die Gerölllawine. Ich kraxele entschlossen hoch und halte mich fest, wo es nichts festzuhalten gibt und verdränge pausenlos, dass sie jederzeit wieder ins Rollen kommen kann. An die vier jungen Leute muss ich denken, die beim Wandern in der Negev-Wüste genauso auf tragische Weise ums Leben gekommen sind. Das hier ist nicht die Negevwüste. Nur die Scheiß-Alpen!

Es ist erstaunlich, wozu der Mensch fähig ist, wenn er zum Äußersten getrieben wird. Plötzlich stehe ich auf dem Pfad, der nach oben zum Dorf führt. Meine Erleichterung grenzt an Hysterie. Nur noch ein paar Hundert Meter, und ich bin da, denke ich bester Laune. Da blockiert jäh ein eiserner, hoher Zaum den Weg.

Oh kommt schon, Leute! Bitte! Ernsthaft? Nur, weil hier die blöde Grenze ist? Muss so sein, denn drüben sieht man ein dreieckiges Schild. Mir ist nun schon alles egal, ich habe die Faxen dicke, dann mache ich mich eben des illegalen Grenzübertritts schuldig. Wenn mich einer belangen will, werde ich eben das hilflose Weibchen mimimimen, das soeben knapp dem Tod entronnen ist. Und das ist nicht mal gelogen.

Der Zaun ist überwunden. Aber statt „Dogana – Douane“ steht auf dem Schild „Sentiero chiuso – pericolo!“ (Weg gesperrt – Gefahr!). Das habe ich gemerkt, Weißgott.

Nun bin ich in einem dieser entzückenden Schweizer Bergdörfer, mit seinen grauen Rustici, den Katzen in der Sonne und der alten Lavanderia, dem örtlichen Waschplatz, der bis in die sechziger Jahre hinein genutzt wurde. Ich säubere mich notdürftig von Dreck und Moos, ziehe Dornen aus, wasche mir die Hände, trinke einen Schluck und bin wie neugeboren. Hier bin ich wieder in der Zivilisation, hier wohnen nette, hilfreiche Menschen, vielleicht ungewöhnlich hilfreiche mit Handy, heißem Kaffee und einem Teller Suppe. Notfalls. Aber so entkräftet bin ich doch nicht. Zurück nehme ich den Weg die Straße hinunter und passiere die Grenzstation. Ganz legal.

Am Abend ruft mein Mann an: „Na, was hast Du Schönes gemacht heute?“

„Nichts Besonderes“, entgegne ich. „Bißchen spazieren gegangen.

Gekommen um zu siegen: Laila Mirzos Manifest über die Unvereinbarkeit des Islam mit unserer Kultur

 

Lese ich Dein Buch, liest Du mein Buch: Dieser Tage sandte ich „Tanz im Orientexpress – eine feministische Islamkritik“ nach Linz und erhielt dafür Laila Mirzos vorzügliches Buch „Nur ein schlechter Muslim ist ein guter Muslim – Über die Unvereinbarkeit des Islam mit unserer Kultur“.

Die in Damaskus geborene Autorin, Tochter einer deutschen Mutter und eines syrischen Vaters, den sie selbst als liberal bezeichnet, aufgewachsen auf den Golanhöhen, hat mit diesem Buch keinen Weckruf verfasst. Es ist es vielmehr ein laut schallender Warnschrei.

Wie der Titel vermuten lässt, hält Laila Mirzo sich nicht mit Zwischentönen, Relativierungen oder Einerseits-Andererseits-Abwägungen auf. Ihre Feststellungen sind schriftgewordene Fanfarenklänge. Und nie waren diese so notwendig wie heute, wo im nächsten Monat auf der Konferenz der Vereinten Nationen in Marrakesch der „Globale Pakt für sichere, geordnete und reguläre Migration“ angenommen werden soll.

„Der Islam ist nicht nach Europa gekommen, um nur zu bleiben. Er ist gekommen, um zu siegen“ stellt Mirzo fest und verweist auf die viele Jahrhunderte währende Geschichte der islamischen Eroberung in Europa. So entlarvt sie die angeblich so tolerante Epoche des andalusischen Emirats von Cordoba, dass sich zwar durchaus auch durch wissenschaftliche und geistige Blüte auszeichnete, aber dennoch Juden und Christen nur als Menschen zweiter Klasse duldete, von denen die Muslime Schutzgeld erpressten wie später die Mafia, als Mythos der Islamapologeten.

„Intellektuell ist der islamische Kulturkreis ein Fall für den Insolvenzverwalter“, so lautet eine von vielen herrlichen Formulierungen. Die Ausbreitung des Islam, seine zunehmende Machtentfaltung sieht Mirzo schlicht als „die größte Bedrohung des Friedens in Europa seit dem Ende des kalten Krieges“. Der Islam sei keineswegs hierhergekommen, um sich anzupassen, sondern um Europa zu bevölkern.

Die Autorin lässt keinen Zweifel daran, dass die Gefahr einer Entwicklung hin zum nächsten europäischen Kalifat unter Umständen nur eine Frage der Zeit sein kann: „Europa wird nicht länger Teil der freien Welt sein.“ Erdrückend geradezu, wenn Mirzo in diesem Zusammenhang zurecht die rasante religiöse Umwälzung der Türkei erwähnt: „Die Türkei unter Recep Tayyip Erdoğan ist das Paradebeispiel für das Scheitern des Islam, die Unfähigkeit, sich an die Moderne anzupassen.“ Ein Mahnendes Menetekel für Europa!

Das Buch warnt dringend vor falsch verstandener Toleranz und Unkenntnis über den Islam und klärt umfassend darüber auf, dass die Scharia, das muslimische Rechtsverständnis, längst Eingang in Europa gefunden hat. Wenn Kinderehen geduldet werden, ebenso wie Kopftücher in Schulen und in der Werbung, wenn hingenommen wird, dass muslimische Männer Frauen den Handschlag verweigern, wenn deutsche Gerichte die Verbrechen muslimischer Täter als „kulturell bedingt“ entschuldigen und dementsprechend mildere Strafen verhängen, haben wir es in unserem Land nicht mit dem von Aydan Özuğus angedrohten täglich neu ausgehandelten Zusammenleben zu tun, sondern mit der Scharia.

Auch die seit der Silvesternacht von 2015 stetig gewachsene Bedrohung der sexuellen Selbstbestimmung von Frauen, die Taharrusch-Rituale, Vergewaltigungen, Totschläge, Messerangriffe und sexuellen Übergriffe und die stetig um sich greifende Verunsicherung sei ganz im Sinne der Scharia. Eine anständige Frau bleibt am besten im Haus, wo ihr nichts passiert (jedenfalls nicht durch fremde Männer) und wo sie in guter orientalischer Tradition sowieso hingehört.

„Die Frauenrechte sind zu einem Kalender geworden, von dem jeden Tag ein Blatt abgerissen wird“. Aber nicht nur der Hass auf Frauen, auch der muslimische Hass auf Juden ist eine ernsthafte Gefahr. Er „braucht aber keinen politischen Konflikt im Hintergrund, im Islam gehört er zum Selbstverständnis“, und die Autorin warnt gar vor der Möglichkeit eines „antisemitischen Flächenbrandes“ und fürchtet, dass die Verleugnung dieser Bedrohung dazu führen könnte, dass der Islam „zu Ende bringen wird, was Eichmann begonnen hat, nämlich Europa „judenfrei“ zu machen.“

Keine leicht verdauliche Lesekost, zweifelsohne. Aber auch keine bloße Zustandsbeschreibung und Warnschrift. Denn eine mögliche Abwendung des Unheils sieht Mirzo durchaus: in der Liberalisierung, Entpolitisierung und Säkularisierung des Islam durch die Muslime selbst.

Und darin, dass Europa aufwacht, umkehrt und sich endlich wieder auf die Werte der Aufklärung besinnt: „Wenn wir in allen öffentlichen Lebensbereichen, wie Schulen, Universitäten, Justiz oder Medien, die Botschaft der Aufklärung und des Humanismus konsequent transportieren würden, würde eine „Islamisierung“ daran abprallen. Sobald wir als Staat und auch als Zivilgesellschaft wieder aktiv hinter unseren demokratischen Grundwerten stehen, ist für den radikalen Islam mit Europa kein Staat zu machen“.

Dennoch verschlingt man das Buch in gierigen Happen. So soll es sein.

 

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