Bloody poetry

Beim Poetry-Slam U20 In Frankfurt am 10. Mai dieses Jahres gewann die achtzehnjährige Malvina Ewering den 2. Platz für ihren Text „Schwarzer Boden“. Ihre Wortschöpfung Gedicht zu nennen, wäre übertrieben, denn ein Versmaß fehlt zur Gänze und gereimt wird mehr nach Stimmung; „passt“ auf „hass‘“ und sogar „passiert“ auf „stiiirbt“, aber beim Poetry-Slam geht es, soweit ich weiß, nicht um Talent oder gar germanistische Vorbildung, sondern darum, dass alle sich ausdrücken dürfen und unheimlich kreativ sind.

Der Text der jungen Frau ist Entschuldigung und Anklage zugleich: Um einen männlichen Flüchtling geht es nämlich, der selbst angeblich vom Schleuser vergewaltigt, nun selbst zum Vergewaltiger wird.

„Ich hab‘ mich doch nur in dich verliebt/ Doch Du steckst ihn weiter tief härter in mich rein, dein Glied…“ heißt es in der seltsamen Anklage, die mit einem „Danke, Vergewaltiger!“ endet.

Nun wäre diese Darbietung an und für sich schon schwer zu schlucken – wenn Malvina Ewering nicht schon einer breiten Öffentlichkeit bekannt wäre als die glückliche Vorzeigefreundin eines einsamen syrischen Flüchtlings.

Im Kinderkanal unter dem Titel „Malvina, Diaa und die Liebe“, damals noch ganze Fünfzehn und bis zur Debilität verliebt in den Syrer Diaa, der ihr in seinem unbeholfenen Deutsch unheimlich süße Briefe schrieb. Dass er bereits sein Veto eingelegt hatte, was andere Männerbekanntschaften und Miniröcke anging, war eine andere Sache. Dass er ihr verbot, Schweinefleisch zu essen und ihr anriet, zum Islam zu konvertieren, eine weitere. Dann stellte sich rasch heraus, dass hier ein erwachsener Mann mit dem Segen der Nation und ihrer Medien ein Minderjährige verführt hatte. Darüber hinaus wurde entdeckt, dass Diaa ohnehin vorhatte, ganz Deutschland zum Islam zu bekehren, wie er auf facebook geäußert hatte.

Ein Schwiegersohn also, wie ihn sich Mütter nachts erträumen.

Jeder, aber wirklich jeder, der in der Lage ist, zu googeln, kann heute wissen, was Malvina in der Gesellschaft, aus der Diaa stammt, wert wäre: Eine Hure, eine Schlampe, wertloser als Dreck. Und mit Dreck kann man natürlich machen, was man will. In Syrien hätte praktisch jeder dafür Verständnis.

Kaum war das Video von Malvina Ewerings Poetry-Slam-Auftritt online, als Kika schon zu Protokoll gab, die Autorin berichte hier keinesfalls von selbst erlebten Erfahrungen. Dabei war Kika mehr als still, als ich vor einigen Monaten vorsichtig nachfragte, was denn inzwischen aus dem glücklichen jungen Paar geworden sei. Wünschen würde man es ihr von ganzem Herzen. Aber wer einmal in irgendein beliebiges Mädchenforum geschaut hat, wo die rosagewandeten, Einhorngeschmückten Nymphen von Oralverkehr mit dreizehn und Analverkehr mit fünfzehn berichten, wo sie zum ersten Mal anonym von der Vergewaltigung durch ihre beiden besten Freunde berichten und wo die sexuelle Gewalt so alltäglich ist, dass sie von den jungen Frauen sogar als relativ normal wahrgenommen wird, der wird hier seine berechtigten Zweifel haben müssen.

 

Werbeanzeigen