„Schatz, wir werden reich!“ von Gideon und Christine Böss

Als einmal eine Bekannte von mir ziemlich trübe aus der Wäsche sah, machte ich den Fehler, sie zu fragen, wo denn der Schuh drücke. Ach, ihre Tochter, die hätte ja wieder so einen Ärger. Riesen-Ärger!

Was für einen Ärger?

Na, sie hätte ja jetzt schon zum zweiten Mal ein Auto gewonnen und wieder Mal weigerte man sich strikt, ihr den Wert des Wagens einfach in Geld auszuzahlen!

Die Tochter, wohlgemerkt, war einst Bikinimodel und hat bei der Arbeit einen Millionär kennengelernt. Ihren jetzigen Mann. Sie muss erfreulicherweise nicht arbeiten und wenn sie sich mal langweilt, was ziemlich oft der Fall ist, macht sie bei Gewinnspielen mit. Und sie gewinnt. Andauernd. Eine Traumreise in die Karibik hat sie auch schon gewonnen. Und mehrere Geldbeträge.

Fortuna ist bekanntlich die antike Glücksgöttin. Diese Bitch muss gleichzeitig PMS, ADHS und Menopausebeschwerden haben. Denn anders ist einfach nicht zu erklären, warum sie auf ihrer goldenen Schicksalskugel bei sorgenfreien Ex-Models wie ein Meteor einschlägt und pausenlos Glück verschüttet, aber wirklich bedürftige Zeitgenossen höhnisch grinsend beiseite kegelt.

Wie das sympathische Paar Gideon und Christine Böss.

Das schließlich auch nur über die Runden kommen will. Bei Künstlern ist das in der Regel nicht so leicht – Tänzer, Karikaturisten, Musiker, Maler, Schriftsteller – wir alle werden oft gefragt: Ja, kann man denn davon leben? Was noch harmlos ist, denn meist wird man gleich gefragt, ob man auch noch einen „richtigen“ Beruf hat. Man wurstelt sich halt so durch. Das ist der Lifestyle der Bohème.

„Schatz, wir werden reich! (vielleicht). Ein Paar und zwanzig Anläufe zum großen Geld“, so heißt das neue Buch der beiden Autoren. Und lädt ein zu einer Glücksritterreise der besonderen Art.

Wie kommt man zu Geld, am besten möglichst ganz viel davon, wenn man in der Ausgangslage keines hat?

Das Ehepaar lässt auf diesem Sektor wirklich nichts unversucht: Pferdewetten (scheinen noch am realistischsten zu sein), Empowerment-Seminare, wo man als „Huhn“ anfängt und als „Adler“ endet, Kunstkäufe, Investment in erneuerbare Energien, ja sogar Schatzsuche! Der Möglichkeiten sind viele, nur einträglich sind sie nicht.

„Ich habe an mehr als zweihundert Preisausschreiben teilgenommen, daraufhin 8943 Mails bekommen und nicht einmal einen Trostpreis erhalten“ resümiert Gideon Böss.

Als das geht runter wie ein kühler halber Liter Rieslingschorle bei 30° und ist amüsant und unterhaltsam wie eine gute Filmkomödie.

„Die kapitalistische Versprechung, dass jeder reich werden kann, führt überraschend schnell von der breiten Hauptstraße auf holprige Seitenstraßen und von da auf unbefestigte Wege, die sich in der Wildnis verlieren“. Leider ja.

 

 

https://www.lovelybooks.de/autor/Gideon-B%C3%B6ss/Schatz-wir-werden-reich-vielleicht-1974346485-w/

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