Mein erster Shitstorm

Wow. Diese Woche hatte ich meinen ersten Shitstorm. Jeder fängt mal an. Was war passiert? Ich hatte diesen Artikel https://bazonline.ch/ausland/europa/spanien-hat-das-tor-wieder-weit-geoeffnet/story/19908671 der Baseler Zeitung auf facebook verlinkt. In Anbetracht der Tatsache, dass diese vor Gesundheit und Kraft strotzenden jungen Männern, die sich offensichtlich vor Freude darüber fast einnässen, den doofen Einwanderungsbehörden ein Schnippchen geschlagen zu haben und diese bald vor unserer Tür stehen und Asyl beantragen werden, obwohl ihnen das in 95% der Fälle nicht zusteht, ging es mit mir durch.

Mein Kommentar wurde einmal von facebook gelöscht, dann wieder zugelassen, dann von mir gelöscht, da ich der Pöbeleien müde war.

Sinngemäß war es in etwa Folgendes: Ich wies darauf hin, dass diese gut aussehenden Kraftpakete nicht von vornherein als Opfer zu betrachten seien, dass sie daheim Frau, Kinder und Familie zu ernähren hätten, dass es in ihrer Heimat kaum Liebesheiraten, aber dafür fest gefügte Rollenbilder gebe und ich meine Geschlechtsgenossinnen in diesem Sinne nur warnen könne. In dreißig Jahren Mulitkulti habe ich einfach zuviel Elend durch Scheinehen miterleben dürfen, zuviel psychische Zusammenbrüche und stationäre Aufenthalte, zuviel Privatinsolvenzen, zuviel Gewalt gegen Frauen und Kinder.

Außerdem bezeichnete ich das erstaunlicherweise gerade bei weiblichen Antirassistinnen bestehende Vorurteil von afrikanischen Männern als besonders gut ausgestatteten und potenten Liebhabern als das was es ist, nämlich als rassistisches Vorurteil.

Das war’s.

Einige Zeit später erreichten mich Mails mit Screenshots. Erboste facebook-Freunde fragten mich, ob ich schon mitgekriegt hätte, was da in Gang sei. Ob der jetzt durchgedreht sei, oder wie, oder was?

Nur soviel: der Spross eines alten baltischen Adelsgeschlechtes, der sehr lobenswerte Sozialarbeit im nahen Osten leistet und unlängst den Baronstitel abgelegt hat, damit ihn seine Anhängerschaft als einen der ihren anerkennen kann, hatte von meinem Posting ein Screenshot eingestellt, um vorzuführen, was „die recht bekannte Autorin“ da für eine hirnverbrannte rassistische Megascheiße produziert hätte. Und so kam, was kommen musste.

Shitstormerfahrene Politiker machen es richtig. Sobald es losgeht, gehen sie in Deckung, sind unauffindbar und dringend am anderen Ende der Welt unabkömmlich, vor allem aber machen sie auf ihrer facebook-Seite auch nicht den schlappsten Versuch, sich zu verteidigen. Denn das ist zwecklos, das wissen sie aus Erfahrung.

Anfangs war ich amüsiert und unterhielt mich bestens. Mein Vorwurf an den Herrn Baron, warum er als facebook-Freund hinter meinem Rücken über mich herzieht (benachrichtigt hat er mich selbstredend nicht) machte Ihro Gnaden bass erstaunt. Aber jeder, der so etwas tut, weiß auch, was er anzettelt: Ein öffentliches Schlachtfest.

Da ich noch nie Opfer eines Shitstorms war, kannte ich die Regeln noch nicht. Ein Shitstormopfer hat nicht zu argumentieren oder zu diskutieren oder Beweismittel zu erbringen, sondern nur die Schnauze zu halten und sich vom ZK abstrafen zu lassen.

Der pöbelnde, geifernde Mob, der Orthographie, Syntax und kognitiven Dissonanzen nach offenbar von Helikoptermüttern mit Biobreichen gepamperte Generation Y, von dem gut die Hälfte nicht mal die Eier hat, unter Klarnamen zu diskutieren, konnte vor Wut nicht mehr klar denken. Oder es ist heute der Normalzustand.

Denn woran man sich wirklich mit Gusto hochzog, war mein Hinweis auf das unausrottbare Sexualvorurteil. Dass ich mehrfach betonte, dies wäre mitnichten mein eigenes, spielte keine Rolle: Es sei doch offensichtlich, was sich da in meinem „Unterbewusstein“ abspiele. Und dann noch Tänzerin? Und mit Henryk Broder Arm in Arm? Kann ja gar nichts in der Birne haben, arschklar!

Auf meine vorsichtige Nachfrage, mit welchem Studienabschluss man denn diese psychologischen Weisheiten erlangt habe, hieß es nur, so was brauche man doch gar nicht..

In meiner Generation waren Bildungslücken noch peinlich. Heute kann man hingegen erleben, dass Studenten, die erst nach der achten Schulklasse allmählich stubenrein wurden, lässig vorbringen: „Das brauch ich alles nicht zu lesen, ich kann selber denken!“

Um an dieser Stelle mal etwas klar zu stellen: Es heißt nicht „Unterbewusstsein,“ schon gar nicht „Untergrundbewusstsein“, sondern die von Freud entdeckte Antriebskraft der Psyche heißt korrekt schlicht „das Unbewusste“. Weil es eben nicht bewusst ist. Meine Abschlussarbeit in Psychologie an der Universität Hamburg 1990 als Jahrgangsbeste, Thema „Zur Genese des Subjekts bei Freud und Lacan“, nichts zu danken.

Aber Fakten interessierten nicht. Argumente interessierten nicht. Belege interessierten nicht, so aus einem afrikanischen Blog, der Männern wärmstens empfiehlt, sich eine alte europäische Schlampe zu suchen, um den Aufenthaltsstatus zu erlangen. Dieser wurde kurzerhand als „Satire“ deklassiert, da nun einmal nicht sein kann, was nicht sein darf. Der edle Wilde als Daueropfer des weißen Mannes, ohne Fehl und Tadel, den man nur mit offenen Armen und ohne die geringsten Bedenken begegnen kann, dieses Menschengeschenk und hehre Wunschbild aller Refugees-Welcome-Enthusiasten darf nie, unter keinen Umständen und in keiner Weise angetastet werden.

Dies als Ideologie zu entlarven ist einfach. Aber die Folgen einer solchen Naivität heißen im schlimmsten Fall Mia, sind fünfzehn Jahre alt und wurden öffentlich von einem Afghanen hingerichtet, weil die Eltern genau dieser Ideologie anhingen.

Man nahm mir obendrein sehr übel, dass ich nicht gleichzeitig erwähnt habe, dass deutsche Männer nicht besser seien und es genauso wüst trieben.

Sorry, Asche auf mein Haupt, das sei hiermit nachgeholt. Natürlich gibt es auch deutsche Männer, die nach Nigeria, Togo und Uganda auswandern, dort Asyl beantragen, abgelehnt werden, eine nigerianische, togolesische oder ugandische schwarze Schönheit unter Vorspielung falscher Tatsachen in eine bigamistische Ehe locken, mit ihr drei reizende Milchkaffeefarbene Kinder produzieren und derweil die Einnahmen aus dem lukrativen Job in der boomenden lokalen Wirtschaft oder dem nigerianischen, togolesischen oder ugandischen Sozialsystemen heimlich an die Ehefrau und die Kinder in Deutschland überweisen.

Das alles war erst amüsant, dann nervig und nach einigen Stunden hatte ich das deutliche Gefühl, fackelschwingenden Dorfbewohnern gegenüber zustehen.

Verstörend war, wie schnell eine Meute, die für alles Gute und Schöne auf der Welt einzutreten glaubt, einem das Recht abspricht, sich überhaupt äußern zu dürfen. Aber ein Mob ist ein Mob, er will nichts begreifen, nicht diskutieren, nichts überdenken, er will mundtot machen und sich im Gefühl der Stärke einer Gruppe gegenüber dem wehrlosen Einzelnen suhlen. Daher schlug ich auch vor, die Sache abzukürzen und es einfach wie Opa zu machen. Hat funktioniert. Im Nu wurde Facebooksperre über mich verhängt. Nichts ist so zuverlässig wie der deutsche Blogwart und sein autoritärer Charakter. Während das Opfer in virtueller Beugehaft saß, so hörte ich, sollte die Party noch stundenlang weitergegangen sein. Als die Bowle alle war, war man schon bei der „Nazi-Achse des Guten…“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vor einigen Jahren erschien in der Jüdischen Allgemeinen Zeitung ein Text, der sich mit der angeblichen Unfreundlichkeit der Israelis befasste. Ich hatte gerade meinen ersten Israelurlaub hinter mir und konterte sofort mit einem enthusiastischen Leserbrief, der zu meiner Freude sogar veröffentlicht wurde. Denn in keinem anderen Land der Welt war ich jemals so freundlich aufgenommen worden.

Sicher, die Sitten sind etwas ungehobelter als anderswo. In der Lobby des Algonquin Hotels in New York dürfte man es kaum erleben, dass die Gäste ihre Füße auf den Tisch legen, wo auch schon die schweißigen Turnschuhe stehen, so wie in Ein Gedi. Aber das ist schließlich ein Kibbuzgästehaus, und da herrscht noch so was wie alter Pioniergeist.

Die Frage, ob man denn gerade als Deutscher in Israel freundlich aufgenommen wird, bewegt viele hierzulande. Ja, antworte ich darauf stets, und zwar überall und unter allen Umständen. Selbst in Yad Vashem, als ich mit verheulten Augen in der Cafeteria stand und demütig um einen Cappuccino bat, obwohl eigentlich schon geschlossen war.

Ein jüdischer Johnny-Depp-Lookalike warf sofort die Gaggia wieder an und holte gar noch ein Sortiment Muffins hervor – was nützt das schlechte Leben! Er  servierte mir mit charmantem Lächeln meinen Imbiss, statt mich Nazi-Enkelin in den Hintern durch das ganze judäische Bergland zu treten.

Der Kaffee ist in Israel, ebenso wie das Speiseeis, von absolut italienischer Qualität.

Womit wir beim Thema wären! Denn Italien rangiert bei mir als Urlaubsparadies gleich an nächster Stelle. Fragen Sie mich nicht, warum.

Und wenn ich hundert Jahre alt werden sollte, so werde ich doch niemals meinen ersten traumatischen Kontakt mit Italien vergessen! Neunzehnjährig, mit viel zu schwerem Backpacker, mit dem ich in schwankenden Intercityzügen gelegentlich hinten überfiel und wie ein Riesenkäfer mit den Beinen strampelte.

Es war wie in Dantes Inferno: Ihr, die ihr eintretet, lasst alle Hoffnung fahren.

Es war das erste Mal in meinem jungen Leben, dass ich drei Wochen lang komplett wie ein Mensch zweiter Klasse behandelt wurde. Ich wurde belogen, betrogen, verarscht, übersehen, nicht bedient.

Dabei waren ich und mein Freund schier außer uns vor Freude, endlich den Spuren Goethes, Heines und Hesses folgen zu dürfen. Aber anscheinend hatten wir ihre Werke nicht mit Gewinn gelesen, denn sonst hätten wir erst italienisch gelernt und wären vorgewarnt gewesen, was die italienischen Toiletten betrifft. An deren Anzahl und Qualität hat sich seit dem Achtzehnten Jahrhundert nämlich nicht wirklich viel geändert.

Kulturnationen – so wie Israel – kann man grundsätzlich anhand der Anzahl und des Zustandes ihrer Abtritte erkennen. Die Autorin Erica Jong ist sogar der Meinung, eventuell wäre den Juden die Shoa erspart geblieben, wenn sich nur mal einer die Mühe gemacht hätte, die deutschen Toiletten näher in Augenschein zu nehmen. Menschen, die solche Toiletten bauten, wären zu allem fähig …

Daher ist la Grande Nation Fronkreisch  auch keine Kulturnation, Croissants hin, Louvre her. Jeder der mal an einem Sonntag in Straßburg pinkeln musste, weiß, wovon ich rede!

Schon am vierten Tag unserer ersten  Italienreise saßen wir triefend nass und schmutzig und ausgeplündert auf dem Bahnhof von Florenz und wollten nur noch heim zu Mama.

Wir hatten praktisch kein Geld mehr, da jeder Kellner, jeder Busfahrer und jeder Campingwart uns betrogen hatte. Und auf den Campingplatz Piazzale Michelangelo hatte man uns aus purem Daffke nicht gelassen.

Es regnete gerade, und die Angestellten hatten keine Lust, ihr trockenes Büro zu verlassen und uns einen Platz zu suchen. Die Übernachtung fand nicht im gemütlichen Zelt, sondern im schmuddeligen sala d’attesa zweiter Klasse statt. Mit neunzehn überlebt man so was und hat nach dem Urlaub sogar noch eine deftige Story parat – heute müsste ich anschließend sechs Wochen zur Kur.

Am nächsten Morgen dann der große Fehler: Da wir ja schon mal hier wären, könnten wir uns vor der Abfahrt ja auch noch kurz die Stadt anschauen. Jeder, der diesen rosigen Renaissancetraum schon mal im Juli um sieben Uhr früh gesehen hat, weiß wie es weitergeht. Wir blieben. Nicht nur eine Nacht, sondern vierzehn. Mit einem dem Eltern per Postanweisung herausgeleiertem Notgroschen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Dagegen ist bekanntlich kein Kraut gewachsen. Seitdem hängen wir an Italien wie ein höriges Weib am gelangweilten Liebhaber. Aber unsere Affäre mit dem heiligen Land, die beruht auf Gegenseitigkeit.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Ein Gedanke zu „Mein erster Shitstorm

  1. Facebook ist einfach nur eine Geldmaschine, es geht nicht um gut, wahr und gerecht 🙂 Guten Morgen liebe Antje.
    Auch bei dem Thema Migration geht es um Geld Macht und Politik. Also zähle 1+1 zusammen.
    Du wurdest mit dieser Zensur zur Rassistin erkoren.
    Das ist nun das Argument für alles und jedes oder sagen wir der Knüppel.
    Die Meute lässt sich fangen mit dem Heiligenschein, die Politik lässt sich wählen mit genau dem selben.
    Wohin der Heiligenschein führt wissen wir ja bereits aus der Geschichte.
    Es gibt eben große Unterschiede zwischen Ideologie und Werte.

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