Danke, liebe Bullenschweine!

Dass Männer in Fragen sexueller Gewalt in einer komplett anderen Welt leben als Frauen, merkt man immer wieder an dem gut gemeinten Ratschlag: Wieso nimmst du nicht die Abkürzung durch den Park? Klar, nachts um zwei, im Stockfinstern.
Die Gefahr von sexueller Gewalt begleitet eine Frau ihr Leben lang. Sie ist alltäglich. Heute Morgen in der U-Bahn setzte sich ein Mann mir gegenüber und fing nach einer Weile an, durch den Stoff seiner Hose an seinem Schwanz herumzukneten. Jede Frau kennt so was. Jede Frau wurde schon sexuell belästigt, bedrängt, gedemütigt, erniedrigt, im schlimmsten Fall gegen ihren Willen zu sexuellen Handlungen gezwungen. In meiner Jugend, die in den siebziger und achtziger Jahren angesiedelt ist, waren sexuelle Belästigungen besonders junger Frauen und Mädchen übrigens noch an der Tagesordnung. Familienväter in Alkohollaune hatten damals noch nicht das geringste Problem damit, in der U-Bahn minderjährige Mädchen zu drangsalieren, zu betatschen und mit Anzüglichkeiten zu belästigen. Ich rede hier wohlgemerkt von deutschen Männern. Zum Glück ist seitdem etwas geschehen: Sexuelle Belästigung ist endlich strafbar. Über Pädophilie wurde in meiner Jugend noch kein Wort verloren – offiziell gab es so was gar nicht. Offiziell waren derartige Ausfälle nicht erwähnenswerte Kavaliersdelikte. Wenn heute ein erwachsener Mann angezeigt wird, weil er in der U-Bahn minderjährige Mädchen drangsaliert hat, muss er unter Umständen mit dem Verlust seines Arbeitsplatzes, seiner Ehefrau und dem Sorgerecht für seine Kinder rechnen. Und das ist richtig so. Richtige Untaten brauchen die richtigen Konsequenzen. Nur so kann Gesellschaft funktionieren. Deutschen Richtern scheint das allerdings nicht bewusst zu sein: Gerade wurde ein Straftäter, der zwei Frauen vor den Augen eines Kindes in Lingen vergewaltigt, brutal geschlagen und obendrein ausgeraubt hat, mit zwei Jahren Bewährungsstrafe belohnt. Wie weit das Kind durch das Erlebnis traumatisiert ist, lässt sich nicht sagen. Wie weit die Frauen traumatisiert sind, schon. Opfer sexueller Gewalttaten leiden nicht selten ihr Leben lang. Angststörungen bis hin zu Panikattacken, Schlafstörungen, Depressionen, Minderwertigkeitsgefühle, Ekel vor dem eigenen Körper und vor Sex im Allgemeinen sind die milderen Folgen. Die weniger milden Fälle befinden sich nicht selten ihr Leben lang in psychiatrischer Behandlung. Frauen, die in der geschlossenen Unterbringung behandelt werden müssen, haben mehrheitlich Erfahrungen von sexueller Gewalt in ihrer Biographie, sehr häufig in der Kindheit.
Aber in den letzten fünfzehn Jahren konnten die meisten Frauen sich zumindest, was alltägliche sexuelle Belästigungen anging, ein bisschen sicherer fühlen. Mittlerweile muss sich rumgesprochen haben, dass es wirklich grottenpeinlich ist, nach dem Auswärtsspiel mit dem Bier in der Hand hinter jungen Mädchen „Wieso hassu noch keine Titten, ey?“ herzugrölen.
Umso stärker der Schock nach der Silvesternacht 2015. Betrunkene Horden von Hormongesteuerten Jungmännern, überwiegend mit Migrationshintergrund, betatschten, beleidigten, bestahlen und vergewaltigten hunderte von Frauen. Sie schossen mit Feuerwerkskörpern wie mit Waffen in die Menge, warfen mit Flaschen, schlugen auf Männer ein, die Frauen zu schützen versuchten. Das habe ja keiner ahnen können, hieß es hinterher immer wieder. Doch, ich habe es geahnt, dass kann ich gar nicht oft genug wiederholen. Am 31.12.2015 sagte ich gegen Mittag zu meinem Mann: Ich möchte nicht wissen, was heute Abend in den Großstädten los ist. Dafür kenne ich die arabische Alltagskultur einfach viel zu gut. Ahmed allein zuhaus, ohne Vater, Bruder und Imam? Na wunderbar, da geht einfach alles: Alkohol, Drogen, Sex, Diebstahl, Gewalt.
Mit Silvester 2016 hat man gemerkt, dass die Polizei eben doch ernst zu nehmen ist. In jeder deutschen Großstadt sind wieder tausende von potentiellen Gewalttätern aufmarschiert, dennoch kam es im Vergleich zum Vorjahr nur zu wenigen Zwischenfällen. Dass die Knallchargen der Nation augenblicklich Schnappatmung wegen der prophylaktischen Platzverweise an junge Männern mit Migrationshintergrund bekommen würden, war abzusehen. Auch Jutta Ditfurth kriegte sich auf ihrer facebook-Seite kaum wieder ein, und ihre Kommentatoren kamen auch prompt mit praktikablen Lösungsvorschlägen (Zitat im Original): „Es war unmöglich, was da wieder in Köln abgelaufen ist, die Alternative wäre gewesen, Frauen den Zugang zur Domplatte zu verwähren, denn wer sich in Gefahr begibt kommt darin um.“ Genau, was haben die sich auch auf der Straße rumzutreiben, sollen hübsch zuhause bleiben, wie im Orient.
An dieser Stelle ist es angebracht, der deutschen Polizei ein herzliches Dankeschön auszusprechen. Danke, dass ihr fünfzehn Stunden in der Kälte Dienst geschoben habt, während Politiker wie Simone Peter in ihrer grünen, von reichlich Security bewachten Kuschelwelt Ökosekt soffen und zum antirassistischen Erstschlag ausholten. Danke, dass ihr die Verbrechen vom letzten Jahr so effektiv verhindert habt. Danke, dass ihr für uns da wart. Ich gebe zu, ich ärgere mich oft genug über euch, weil ihr nie da seid, wenn man euch braucht, weil ihr blödsinnige Knöllchen verteilt, weil mir eure Maßnahmen oft völlig willkürlich erscheinen. Ja, auch ich habe mich vor vielen Jahren dazu hinreißen lassen, auf Demonstrationen „Wir wollen keine Bullenschweine“ zu skandieren. Ich war halt jung und doof. Danke, dass es Euch gibt. Ihr macht einen tollen Job.