Wenn die Liebe hinfällt

In den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts konnte man häufig Kontaktanzeigen mit einem Text wie diesem lesen: „Togolese, 28 J., Stud.Masch.bau, sucht deutsche Frau für zweckgeb. Eheschließung, Alter /Aussehen egal, 3000.- DM Belohnung“.
Um eines gleich vorwegzunehmen: Ich habe nichts gegen Männer anderer Herkunftsländer und Hautfarben. Es geht mir auch nicht um all die gelungenen Integrationsgeschichten und glückliche bikulturellen Ehen. Es geht darum, dass der Multikultitraum häufig ein unschönes Ende findet, wenn europäische Partner ohne ihr Wissen in eine Ehe gelockt werden, damit ihr Partner einen dauernden Aufenthaltsstatus in einem Land der europäischen Union erlangt.
Inzwischen kennt man auf den Ausländerbehörden längst diese bewährte Taktik, und Paare mit dem Verdacht auf eine sogenannte Scheinehe werden inquisitorischen Interviews unterzogen.
Aber nicht überall ist man so penibel: „ Suchen Sie sich eine Frau und heiraten Sie, dann können Sie bleiben“. Das hat ein Wirtschaftsflüchtling aus dem Senegal nach eigener Aussage von einem Beamten gehört, und zwar gleich bei seinem ersten Kontakt mit einer deutschen Behörde. Das dürfte nichts sein, was der junge Mann nicht schon längst wüsste. Eine Europäerin zu heiraten und, im besten Fall, mit ihr ein Kind zu zeugen, ist die idiotensichere Methode, in einem europäischen Land dauerhaft Fuß zu fassen. In einem senegalesischen Internetforum werden zahlreiche Möglichkeiten aufgezählt, wie man am sichersten nach Europa kommt. Neben der Methode, mit einem Studentenvisum einzureisen und dann nicht mehr zurückzukehren oder in Frankreich Asyl als verfolgter Homosexueller zu beantragen, eine Vorstellung, die einem Senegalesen so abstrus vorkommen muss, dass extra betont wird, dies sei wirklich kein Witz („ce n’est pas une blague“) gilt als der sicherste Weg, sich eine alte europäische Schlampe („vieille salope“) aufzureißen und zu heiraten. Das sei kein großes Problem, denn die Naivität dieser Frauen sei krass („Leur naïve-té est crasse“).
Wenn man einmal genauer das Elend unter die Lupe nimmt, in das europäische Lebenspartner durch die böse Falle einer Scheinehe geraten können, dann wirkt die Kontaktanzeige aus den Achtzigern geradezu erfrischend prägnant und ehrlich. Enttäuschte Hoffnungen, mit den Füßen getretene Gefühle, finanzieller Ruin, psychische Zusammenbrüche, traumatisierte Kinder und jahrelange verbale und körperliche Gewalt zählen zu dem hohen Preis, den, mehrheitlich Frauen, im schlimmsten Fall zahlen müssen.
Die Naivität deutscher Beamter kann in diesem Zusammenhang auch nur als krass bezeichnet werden. Eine Ehe ist eine Ehe, scheint man zu glauben, die Beziehung zwischen Männern und Frauen sind überall auf der Welt gleich und die kaum wahrnehmbaren Unterschiede sind nur reizvolle kulturelle Eigenheiten, die unsere Welt so schön bunt und vielfältig machen.
Yayi Bayam Diouf, Präsidentin der Women’s Association against Illegal Migration, Senegal,
sieht das allerdings wesentlich nüchterner. Ihr eigener Sohn ist bei einem illegalen Auswanderungsversuch im Mittelmeer ertrunken, und seitdem setzt sie sich besonders für die Aufklärung von Frauen ihres Landes ein, damit diesen das Elend der Armut und des Abrutschens in die Prostitution, die häufigsten Probleme von illegal eingewanderten Afrikanerinnen, erspart bleibt.
Diouf schätzt die Heirat mit einem Mann aus ihrem Land realistisch ein: Ein Senegalese kommt aus einer patriarchal geprägten Gesellschaft; die Männer haben das Sagen und treffen die Entscheidungen, sind aber ansonsten am Familienleben nicht beteiligt. Eine Paarbeziehung in Europa ist in der Regel etwas völlig anderes. Eine partnerschaftliche Beziehung auf gleicher Augenhöhe mit gleichen Rechten und Pflichten, eine Heirat aus Liebe oder gar aus einer kurzen Leidenschaft heraus ist in weiten Teilen Afrikas oder der arabischen Welt vollkommen undenkbar. Man heiratet aus äußerst pragmatischen Gründen: Männer heiraten, um eine Anlaufstelle zu haben, wo sie jederzeit Unterkunft, Verpflegung und Sex bekommen, und Frauen heiraten, um dauerhaft versorgt zu sein. Kinder gelten nach wie vor als Altersvorsorge und werden daher auch in möglichst großer Zahl produziert.
Dass man gerade in Deutschland Asylsuchenden jeden Mist abkauft, solange er nur auf der Mitleidsschiene daherkommt, hat sich längst herumgesprochen.
„Ich bin durch die Wüste gegangen, ich war in Libyen, als der Krieg ausbrach, ich war auf dem Boot nach Italien, aber nirgends war es so schlimm wie hier“ behauptet ein jugendlicher Asylsuchender und meint damit allen Ernstes ein deutsches Asylantenheim. Bei Scheidungsverfahren und Sorgerechtsklagen machen Frauen in der Regel prompt die wenig überraschende Erfahrung, dass sich Behörden und Juristen komplett auf die Seite der Männer schlagen und dass diesen weit eher geglaubt wird als den deutschen Ehepartnerinnen, diesen üblen Rassistinnen.

So nehmen eben auch viele europäische Frauen die gänzlich ungewohnten Liebesschwüre der schönen Exoten allzu gern für bare Münze. Auch, wenn viele sich wundern, dass afrikanische und arabische Männer schon nach einer absurd kurzen Kennlernphase mit Liebeserklärungen, Heiratsanträgen und Forderungen nach einem gemeinsamen Kind herausrücken, sind sie in der Regel hoch entzückt über derartigen Gefühlsüberschwang. (Wäre ich ein deutscher Mann, würde ich sofort anfangen zu üben, denn kandierte Komplimente und schwülstige Liebesbekundungen scheinen bei dem Wunsch, eine Frau möglichst schnell flachzulegen, außerordentlich zielführend zu sein).
Ein Übriges tut das schon im Kindergarten eingeimpfte schlechte Gewissen. Der arme Mann kommt schließlich aus der dritten Welt, es geht ihm schlecht, was irgendwie unsere Schuld ist, und deswegen muss man ihm unbedingt helfen. Mit allen verfügbaren Mitteln. In den meisten Fällen könnten die Frauen vermutlich nicht einmal plausibel erklären, warum seine Armut die Schuld der Europäer sein soll; es hat alles, wie jeder weiß, irgendwie mit der ehemaligen Kolonialgeschichte und mit der heutigen Globalisierung zu tun, und notfalls reicht allein die Tatsache, dass man in einem reichen Land nun mal wesentlich besser dasteht als in einem armen, völlig aus.
Diese Denke verschwindet bei manchen Frauen nicht einmal, wenn der Mann schon zum zweiten Mal wegen Gewalttätigkeiten der Wohnung verwiesen wurde und der größte Teil ihres Vermögens in seiner Heimat verschwunden ist. Denn eines darf man nie vergessen: Aus diesem Grund und keinem anderen ist er hier, sofern es sich um einen reinen Wirtschaftsflüchtling handelt.
Und auch das muss an dieser Stelle festgehalten werden: Ich halte es für absolut nachvollziehbar und völlig gerechtfertigt, durch Emigration seine Lebensbedingungen verbessern zu wollen.
Aber mit Sicherheit nicht auf Kosten seiner Mitmenschen, zumal in diesem Falle sogar noch außerordentlich wohlmeinender Mitmenschen.
In der Internetplattform http://www.1001-geschichte.de können Frauen und Männer mit entsprechen-den Problemen sich austauschen, konkrete Beratung, Vermittlung von Anwälten und schwarze Listen finden, auf denen Namen von besonders schrägen Vögeln einsehbar sind.
Es gibt mittlerweile einen feststehenden Begriff für diese Art, Lebensunterhalt und Aufenthaltsstatus über eine Paarbeziehung zu sichern: Bezness, eine Zusammenziehung der Wörter Beziehung und Business. Die Verlaufsformen dieser Scheinehen ähneln sich alle auf die eine oder andere Weise. Häufig, aber durchaus nicht immer, ist der Mann jünger als die Frau, sprüht vor Charme und lullt sie mit Komplimenten ein, bis sie nicht mehr klar denken kann. Schnell kommt in der Regel die Forderung nach Heirat, als bewährtes Druckmittel fungiert die drohende Abschiebung. Ebenso rasant wird der Kinderwunsch geäußert. Da die Männer häufig über keine Deutschkenntnisse und keine verwertbare Ausbildung verfügen, kriegen sie selten mehr als schlecht bezahlte Jobs für ungelernte Arbeitskräfte. Das Geld, das sie damit verdienen, verbrauchen sie für sich selbst oder schicken es an die Familie.
Fast alle Frauen berichten davon, dass sie während ihrer gesamten Ehe fast ausschließlich für Miete, Essen Kleidung und sonstige Anschaffungen aufkommen mussten, dem Mann komplett Sprachkurse, Führerschein und Kraftfahrzeug finanzierten und darüber hinaus immer wieder große Aufwendungen für seine Familie locker gemacht werden mussten. Skrupel scheinen die Männer dabei keine zu plagen. Eine Krankenschwester in der Ausbildung berichtet zum Beispiel, dass sie für ihren Freund aus dem Senegal nicht nur eine Wohnung bezahlt, sondern auch, dass er ausschließlich Designerkleidung trägt, die sie ihm kaufen muss.
Und auch das hat seinen guten Grund: In den Ländern, aus denen Asylbewerber kommen, ist das Konzept eines Sozialstaates eine vollkommen unbekannte Größe. Hilft man einem in Not geratenen Mitmenschen, dann entweder aus religiösen oder persönlichen Gründen, z.B. wenn es sich um gute Freunde, enge Nachbarn und natürlich Familienmitglieder handelt. Alles andere ist so undenkbar, das es intellektuell beinahe nicht zu erfassen ist. Als Ayaan Hirsi Ali noch als Asylbewerberin in den Niederlanden im Heim saß, konnte sie schlicht nicht begreifen – und an Intelligenz herrscht bei Hirsi Ali weiß Gott kein Mangel – warum völlig fremde Menschen, die sie nie zuvor gesehen hatte und nicht das geringste von ihr wussten, ihr ein Dach über dem Kopf, Kleidung, Verpflegung und, kaum zu glauben, sogar Taschengeld gaben. Im Herkunftsland würde man Menschen, die so etwas Irres tun, für vollkommen durchgeknallt halten.
In der Regel läuft alles irgendwie, bis ein Kind da oder nach dreijähriger Ehe der Aufenthalt gesichert ist. Von da ab, berichten viele Frauen, sei es gewesen, als hätte ihr Mann einen Schalter umgelegt: Er kam kaum noch nach Hause, redete nicht mehr mit ihr, neigte zu Verbalinjurien und, im schlimmsten Fall, zu körperlicher Gewalt. In vielen Fällen entdeckten Frauen, dass sie nicht die einzigen Frauen des Mannes waren, ja, dass er sogar mit mehreren Frauen gleichzeitig verheiratet war. Etwa dreißig Prozent aller arabisch-stämmigen Männer sollen, in der Regel heimlich, mehrere Ehefrauen haben. Es mag für den Redakteur eine „bestürzende Geschichte“ und offensichtlich auch eine völlig unvermutete sein, bedeutet aber seit Jahren schon bittere Realität für viele europäische Frauen.
Natürlich fragt man sich zwangsläufig, warum viele Europäer sich auf derartig ruinöse Beziehungen einlassen. Nun, Liebe macht bekanntlich blind und blöd. Das ist das Eine. Die andere Seite der Medaille aber ist die Tatsache, dass man sich aus Gründen der politischen Korrektheit bockbeinig weigert, die Konsequenzen wahrzunehmen, die aus schwerwiegenden religiösen und kulturellen Differenzen erwachsen können. Und das kann auf die Dauer fatale Folgen haben.

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Florenz – für Weicheier ungeeignet

Als ich Florenz zum ersten Mal sah, war ich neunzehn Jahre alt. Ich war gerade seit drei Tagen in Italien, meine magere Reisekasse war schon zur Hälfte geplündert, und ich konnte einfach nicht begreifen, warum jeder, der mich sah, mich grundlos zu hassen schien. Ich stand auf dem Campingplatz hoch oben an der Piazzale Michelangelo, ein Gewitterregen von Dantesken Ausmaßen prasselte auf meinen Backpacker nieder, und man weigerte sich aus purer Bosheit und/oder Faulheit, mich auf den Platz zu lassen.
Da war mir klar, dass ich dieses miese Land mit seinen durch und durch verkommenen Bewohnern augenblicklich verlassen musste. Nach einer durchwachten Nacht auf dem Florentiner Bahnhof im Wartesaal II. Klasse machte ich allerdings einen folgeschweren Fehler:
Da der nächste Zug nach München (Insider-Tipp: Nicht wundern, wenn dieses Reiseziel in Italien „Monaco“ heißt) erst um neun Uhr morgens ging, hatte ich noch satte vier Stunden Zeit totzuschlagen. Warum also nicht Florenz ansehen, wo man schon mal da war? Das, was in der Morgenstille so rosig angehaucht im Arnotal lag, war so atemberaubend schön, dass ich beschloss, doch noch eine Nacht dazubleiben. Ich blieb zwölf Nächte, und seitdem hänge ich an Italien mit der ungesunden Dummheit, mit der eine hörige Frau an einem kaltherzigen, brutalen Idioten hängt.
Seitdem ist viel Wasser den Arno hinuntergeflossen und die Florentiner haben enorm dazugelernt. Zufriedene Touristen lassen sich so viel besser melken als unzufriedene, und seitdem hat sich die Zahl der Florenzbesucher in etwa verzwanzigfacht. Mit zahlreichen öffentlichen Toiletten, klimatisierten Supermärkten, bezahlbaren und flotten Restaurants, Cafès und Pizzerien mit unglaublicherweise sowohl freundlichem als auch kompetenten Personal hat sich die Renaissanceperle in die Jetztzeit katapultiert. Da berappt man auch gern mal ohne weiteres fünf Euro, nur um durch einen Kreuzgang zu latschen.
Inzwischen habe ich auch gelernt, dass die Italiener den gemeinen Touristen nicht als solchen hassen, sondern nur die Tatsache, dass er nicht fließend italienisch spricht. Noch heute ist es symptomatisch, dass das englische Vokabular von italienischen Kellnern, die seit fünfundzwanzig Jahren fast ausschließlich mit Ausländern zu tun haben, und das bis zu zwölf Stunden täglich, im besten Fall aus den zwei Schlüsselwörtern „driiink“ und „griiill“ besteht.
Ein Crashkurs in der Landessprache sei daher dringend empfohlen, schon als Notwehrmaßnahme. Zu den ersten Sätzen, die ich in klingendem Italienisch sprechen lernte, gehörten die allernötigsten: Das Wechselgeld stimmt nicht! Das hier habe ich nicht bestellt und ich werde es auf keinen Fall bezahlen! Ich hole gleich die Polizei!
Diese neu erworbene Fähigkeit änderte meine Italienurlaube von Grund auf. Einmal schenkte mir im Zug zwischen Bologna und Venedig eine Signora spontan zehntausend Lire, weil sie so begeistert von meinen in nur drei Monaten erworbenen Kenntnissen war. So durfte ich das kleine Wunder erleben, dass mir italienische Herzen zuflogen und ich meinerseits auch mal die Italiener um ihr Geld erleichtern konnte.
Inzwischen ist Florenz nicht mehr die große Welt für mich, so wie früher, aber die Stadt ist immer noch eine zauberhafte, bis an den Rand mit Kunstschätzen prall gefüllte Wundertüte, die jeder gebildete Mensch wenigstens einmal im Leben geöffnet haben sollte. Im Hochsommer ist der Besuch nichts für Weicheier – Temperaturen um 35 ° sind dann keine Seltenheit. Um das Schlangestehen vor den Galerien der Uffizien und dem Palazzo Pitti zu vermeiden, sollte man am besten das Online-Ticket-Verfahren nutzen. Schattig und dazu noch gratis parkt man unterhalb der hoch gelegenen Kirche San Miniato al Monte. Das atemberaubende Panorama lässt den Besucher schnell vergessen, dass er später auch wieder hinaufsteigen muss, und dazu, wenn er schon längst nicht mehr kann, will und mag. Das beste Eis gibt es seit vielen Jahrzehnten in der Gelateria Vivoli ,Via dell’Isola delle Stinche, unweit von Santa Croce. Unbedingt besuchen sollte man den wunderbaren Spezialitätenhandel Pegna http://www.pegnafirenze.com/index.php/en/, ein Traditionsgeschäft beim Dom, das die Herzen von Schlemmern höher schlagen lässt und überdies mit einem Schlag jedwedes Mitbringselproblem lösen wird. Toskanische Produkte wie Weine und Olivenöle, getrocknete Steinpilze und senesische Lebkuchen sowie nie gesehene Schokoladenspezialitäten und außerhalb Italiens praktisch unbekannte, hervorragende Kosmetik- und Körperpflegeprodukte lassen keinen Wunsch offen.