Ab sechzig in die Bio-Tonne

Die Online-Ausgabe der Zeitschrift „Men’s Health“ beschäftigte sich dieser Tage mit der interessanten Frage, wie man am besten reife Frauen verführt. Das macht neugierig: Was geht in Männern vor, wenn sie den Versuch machen, einen flach zu legen?
Immerhin: Frauen um die fünfzig darf man auch noch verführen, das ist zu erfahren. Darüber hinaus sollen wir sogar richtig heiße Geräte sein. Sex mit Frauen um die fünfzig ist der pure Wahnsinn. Da geht voll die Post ab. Und warum? Die Redaktion von „Men’s Health“ gibt die Antwort:
Frauen um die fünfzig, heißt es, haben alles schon ausprobiert, können alles und machen alles.
Weil ihnen nicht mehr fremd ist und – Achtung, jetzt kommt’s – sie der – Festhalten!- 68er-Generation angehören. Ah ja? Wie war das im Mittelteil? Ich gehöre der 68er Generation an?
Na sicher doch: Rudi Dutschke, Daniel Cohn-Bendit, Andreas Baader – ich hatte sie alle.
Naja, eigentlich nicht, denn 1968 wurde ich gerade fünf Jahre alt. Leidet die Redaktion unter schwerer Dyskalkulie? Mitnichten, denn bei uns ist angeblich „die 69er Stellung nur der Anfang“. Da schmeißt man sich ja nun wirklich fast weg vor Lachen! Gröhl! Für diese Art von grandiosem Sportreporterwortwitz würden die Schreiberlinge von „Men’s Health“ vermutlich die eigene Mutter an einen bosnischen Zuhälterring verkaufen.
Wo wir gerade von Müttern reden: Frauen um die sechzig darf man übrigens auch noch verführen. Die haben sicher auch noch Spaß am Sex, munkelt man. So genau weiß man das allerdings bei „Men’ Health“ auch nicht. Aber dafür weiß man präzise, ab wann Frauen zu den reifen zu zählen sind: Ab dreißig Jahren. Vorher sind sie vermutlich nicht gerade unreif, aber noch in dem ungefährlichen Alter, wo man sie ganz ohne Navigationssystem und Marschroutenbefehl vögeln kann. Frauen jenseits der Sechzig kommen natürlich nicht mehr vor, denn die haben keinen Sex mehr, setzen leicht Schimmel an und können nach Ablauf des Verfallsdatums problemlos in der Bio-Tonne entsorgt werden.
Wir leben wirklich in einer prüden und lustfeindlichen Zeit. Das meine ich ernst. Man muss sich nur mal die Sextipps in Zeitschriften für junge Frauen ansehen, dann weiß man Bescheid, wie weit es mit wirklichem erotischem Empfinden heutzutage her ist. Da werden Sexpraktiken angepriesen wie Jahrmarktsattraktionen. Hereinspaziert! Probiert mal dies, probiert mal das, macht es mal zu dritt oder zu fünft … Da überhaupt nur etwa vierzehn Prozent der Frauen beim Sex zum Orgasmus kommen, muss man annehmen, dass Sex heute vor allem als Leistungssport betrieben wird.
Das war wirklich nicht immer so.
Am Hofe des Sonnenkönigs Ludwig XIV. lebte einst eine berühmte Kurtisane, Ninon de Lenclos. Sie war berühmt für ihre Schönheit und ihren Charme sowie für ihre Bildung und überaus geistreiche Unterhaltung.
„Die Religionen sind nichts als Einbildungen; es ist nichts Wahres daran“, heißt einer ihrer viel zitierten Aussprüche. Die Intellektuellen ihrer Zeit betrachteten es als Ehre, in ihrem Salon verkehren zu dürfen. Ninon war darüber hinaus von berühmter Jugendfrische, weil sie, vermutlich als einer der ganz wenigen Menschen ihrer Zeit, täglich den ganzen Körper mit kaltem Wasser abwusch. Noch mit über achtzig Jahren war sie bei Männern hoch begehrt. Noch immer rannten ihr potentielle Liebhaber die Bude ein – darunter auch sehr junge. Wie gut, dass es damals noch keine Gebrauchsanweisungen für Frauen gab.

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5 Gedanken zu „Ab sechzig in die Bio-Tonne

  1. Es gibt Frauen über 60 die begehrenswerter und attraktiver sind als ganze Schulklassen von 18jährigen.

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