Nicht bös, sondern blöd.

In den frühern Achtzigern, als ich noch in linken Demonstrantenkreisen zuhause war, fürchteten wir uns nicht unerheblich vor dem Verfassungsschutz, weil wir in dem Wahn lebten, von dieser Behörde überwacht, erkannt und verfolgt zu werden, sobald wir am helllichten Tage die Straße betraten. Seit der Podiumsdiskussion
„Islamismus: Nur eine jugendliche Subkultur?“, zu der der Verfassungsschutzes in Hamburg anlässlich der Ausstellung „Islam – die missbrauchte Religion“ im April geladen hatte, weiß ich allerdings: Der Verfassungsschutz ist nicht bös, sondern nur blöd.
Normalerweise habe ich ja die größten Schwierigkeiten, meine vorlaute Klappe zu halten. Bei einer Lesung von Paul Auster im Hamburger Schauspielhaus habe ich als einzige von annähernd zweitausend Besuchern laut und deutlich “Ich nicht!“ gebrüllt, als Moderator Jan Josef Liefers sagte, er sei sicher, dass jeder im Publikum dem Autor viel Erfolg bei seiner Anti-Bush-Kampagne wünsche.
Doch bei dieser Veranstaltung blieb mir ausnahmsweise die Sprache weg. Ich hatte das Gefühl, im falschen Film zu sein. Oder von einer parallelen Dimension aufgesucht zu werden. Lebe ich vielleicht doch in einer ganz anderen Realität als alle anderen?
In regelmäßigen Abständen bemüht der Verfassungsschutz sich seit vielen Jahren herzlich darum, das negative Islambild der deutschen Mehrheitsgesellschaft zu revidieren und Aufklärungsarbeit zu leisten. „Islam – die missbrauchte Religion“ hieß genau die gleiche Ausstellung des Verfassungsschutzes aus diesem Grund auch schon vor sieben Jahren.
Der Islam ist demnach eine wunderbare, kuchengute und tolerante Religion, gar keine Frage. Aber leider wird er fürchterlich missverstanden und missbraucht. Vor allen Dingen, es ist kaum zu fassen, von den Muslimen. Nur wissen die es natürlich nicht. Deswegen muss es ihnen der Verfassungsschutz ja auch sagen. Der Verfassungsschutz ist seit der letzten Ausstellung noch nicht einen Schritt weiter – der Islamismus hingegen schon. Über zwanzigtausend ermordete Terroropfer hat es seit 9/11 gegeben. Es gibt deutlich mehr gewaltbereite Islamisten in sämtlichen deutschen Großstädten. Auf deutschen Straßen gibt es rudelweise verschleierte Frauen, und blöde Weiber in der Burka sitzen in Talkshows herum schwärmen von islamischer Vielweiberei als dem Gipfel weiblicher Selbstverwirklichung. Mittlerweile werden sogar Schulen von Salafisten unterwandert, die fette Beute unter denen machen, die noch jung, doof und beeinflussbar sind. Die Experten bei dieser Podiumsdiskussion sind außer einem Sprecher des Verfassungsschutzes noch ein Lehrer, ein Journalist vom Abendblatt und drei Soziologen/Politlogen, die alle auf ein abgeschlossenes Studium der Islamwissenschaften zurückblicken können. Zu meiner Zeit hätte man die Kombination dieser beiden Fächer absurd gefunden, und wie sich zeigte, zurecht, denn die drei erfüllen jedes Klischee vom gutmenschigen Sozialarbeiter, der den hilflosen, ungeliebten, unwillkommenen und schutzlosen Muslimen alles, aber auch alles geben will, was sie haben wollen und noch mehr, damit sie nicht wütend werden und anfangen, sich auf Marktplätzen in die Luft zu sprengen. Diskutiert wurde auf dem Podium gar nicht, da alle einer Meinung waren:
Die Deutschen sind chronisch islamophob; Muslime sind in Deutschland nicht willkommen, leben am Rande der Gesellschaft, haben kein Geld, keinen Zugang zu Kultur und Bildung, keine Freunde und wollen zu Mutti. Sie möchten so, so gern ein Teil der deutschen Gesellschaft sein, aber es will sie ja keiner! Da darf man sich natürlich nicht wundern, wenn sie plötzlich als Allah-Hu-Akhbar-schreiender Fusselbart in der Schule stehen und Kinder für den Djihad anwerben.
All das, so meinen die Sozialarbeiter, sei nur so, weil der Islam kein Teil von Deutschland ist. Wenn der Islam erstmal ein Teil von Deutschland ist, dann wird alles gut. Aufklärung ist schließlich alles. Wenn es Islamunterricht an deutschen Schulen und Universitäten gibt, dann kann auch niemand mehr den Islam missbrauchen. Die Religionspädagogin Lamya Kaddor hat sich bekanntlich an dieser Front mit großem Einsatz engagiert. Der entsprechende Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen: Fünf ihrer Schüler lassen sich bereits in Syrien für den Dschihad in die Luft sprengen.
Ist der Islamismus nun tatsächlich eine neue Jugendkultur? Ja; natürlich unbedingt, da ist man sich absolut einig. So was hat’s doch schon immer gegeben, ganz früher hat man eben gegen den Vietnamkrieg protestiert, dann war es die Punk-Bewegung, und heute ist es Islamismus. Ob einer sich in der Kommune die Birne zukifft, sich Sicherheitsnadeln durch die Backe steckt oder sich in die Luft sprengt, weil er zweiundsiebzig Jungfrauen vögeln will, das ist alles irgendwie dasselbe. Das verwächst sich auch wieder. Jedenfalls absolut kein Grund zur Besorgnis.
Und doch macht sich nach und nach so etwas wie Ratlosigkeit im Publikum breit:
Lehrerinnen melden sich zu Wort, die an deutschen Schulen die Erfahrung machen, dass schon Siebenjährigen von Imamen bewusst Abstand zu sogenannten Ungläubigen eingeimpft wird; die über die Zwänge klagen, denen Schülerinnen mit Kopftuch ausgesetzt sind – all das wird von Podium mit einer Gleichgültigkeit behandelt, die von Unverschämtheit kaum noch zu unterscheiden ist. Angeblich, so wird behauptet, bekäme der Verfassungsschutz alles mit, was in Koranschulen und Moscheen gepredigt wird. So was könne es daher auch gar nicht geben. Doch, da passe man schon sehr auf, wird versichert. Besonders tragisch wird es, als ein Elternpaar sich zu Wort meldet, deren Sohn von Islamisten angeworben wurde:
„Die haben unseren Jungen gestohlen! Wir wollen doch nur unser Kind zurück!“
Die Verzweiflung ist echt und aufrüttelnd, außer natürlich für den Mann vom Verfassungsschutz: Warum die Eltern denn nicht beizeiten die Beratungsangebote des Verfassungsschutzes genutzt hätten? Das stünde doch jedem Bürger zu, oder? Noch Fragen?
Der Verfassungsschutz ist nicht bös, sondern nur blöd. Das wissen auch Islamisten.

http://www.hamburg.de/innenbehoerde/schlagzeilen/4300626/podiumsdiskussion-islamismus-verfassungsschutz-fhh.html

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11 Gedanken zu „Nicht bös, sondern blöd.

  1. Die Autorin hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Auch ich war bei der Veranstaltung, hatte mich auch zu Wort gemeldet und im Anschluss dem Herrn vom Verfassungsschutz und dem Mitveranstalter vom LI ein kritisches Papier von mir überreicht (auf das ich natürlich keine Antwort bekam). Selbstverständlich wurde ich mit meinem Einwand – dass der Salafismus die Religion nicht missbraucht, sondern gebraucht, weil sie eben auch die Kernbotschaften des dschihadistischen Weges enthält – durch wirklich lächerliche Argumente abgebügelt. Die Welt drehe sich eben, und eine Sehnsucht zurück nach den Sechzigern sei irgendwie reaktionär, und die Katholiken würden sich ja auch abgrenzen usw.. Da waren nun in der Ausstellung wirklich sehr deutliche Hinweise auf die verschiedenen dschihadistischen Strömungen des Islam, angefangen bei den 1926 gegründeten Muslimbüdern, nachzulesen. Aber auf dem Podium wurde eine Kuschelpädagogik empfohlen: mit den Imamen und Hodschas von Milli Görüs und Ditib gemeinsam gegen die Verführung der Jugend durch den Salafismus! Hilfloser geht’s nimmer. Und die tollen Staatsverträge, die Hamburg mit der Schura geschlossen hat, wurden als wunderbare Hilfe beim Kampf gegen islamischen Extremismus bejubelt. Dass es einen weltweiten radikalen Islamismus gibt, von Saudi-Arabien und Katar und der türkischen Religionsbehörde finanziert, wurde ausgeblendet. Es war zum Haareraufen, was da auf dem Podium geboten wurde.
    Am erbärmlichsten war, wie das Ehepaar abgebügelt wurde, das sich von der Veranstaltung Hilfe erwartet hatte, nachdem es erleben musste, dass ihr Sohn durch salafistische Gehirnwäsche der Familie entfremdet worden war. Keine Nachfragen, nur dumme Hinweise, sie hätten doch …(s. den Beitrag, auf den ich mich hier beziehe).
    Die Veranstaltung hat mich wirklich schockiert. Wenn das unser Verfassungsschutz ist, dann gute Nacht.
    Und auch das LI ist seit Jahren keinen Schritt weitergekommen. Das einzig Gute: dass das Thema beim Namen genannt wird. Aber das kann es doch nicht gewesen sein!

    Ich würde gern in einen direkten Mailkontakt mit der Autorin kommen.

    • Lieber Karomann,

      Danke für den ausführlichen Kommentar. Bleiben Sie auf jeden Fall weiterhin so engagiert. Das gibt es nämlich nicht so oft. Ich habe mich sehr gefreut. haben Sie bitte Verständnis dafür, dass ich keinen privaten Mailkontakt aufnehmen kann – ich habe als Autorin schon sehr viel Ärger mit irren Stalkern gehabt und bin daher vorsichtig geworden! Herzliche Grüße dennoch von AS

      • Hallo, keine Angst, ich stalke nicht. Ich wollte nur noch Informationen nachreichen – aber nicht unbedingt hier abgedruckt.

        (Dieser Kommentar braucht ebenfalls nicht abgedruckt zu werden.)

  2. Die Situation ist in Großbritannien und den USA ebenfalls schlimm. Paul Weston zitiert in London islamcharakterisierende Worte von Winston Churchill und wird von der Polizei eingesperrt, in den USA wird der Verfassungsschutz ausgehebelt – er durfte den Hinweisen aus Russland vor dem Bombenattentat in Boston nicht nachgehen. Dies wird ausführlich dargelegt: https://www.youtube.com/watch?v=zkHF-pkpptE
    Und mein Hamburg wirft die deutsche Staatsbürgerschaft den Zuwanderern hinterher, statt dass sie sich darum bemühen müssen. Mein Hamburg? Es waren ja nur Olaf Scholz und seine SPD und die Grünen und das Abendblatt und die Linken und die FDP und die CDU – habe ich jemanden Unrecht getan? Die FDP wollte 2012 keine deutsche Staatsbürgerschaft für Salafisten, was das Hamburger Abendblatt als „provokanten Vorschlag“ qualifizierte. Das eigene Interesse zu vertreten, gehört sich wohl nicht mehr. Ach – und was ist mit dem Eid, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden? Nur noch leere Worthülse!

  3. Wenn das ginge,würde ich vor Ihnen niederknien .
    Ich bin Ihnen einfach nur ein bißchen dankbar für diesen Blog.
    Übrigens,da wir keine richtige Verfassung haben ,haben wir natürlich auch keinen richtigen Verfassungsschutz .
    Herzliche Grüße aus Thüringen

  4. Sind den in Deutschland alle Staatlichen-, Halbstaatlichen-Organe, Politiker, Medien total verblödet?! Glauben die wirklich, daß wenn sie Israel den Arabern zum Fraß werfen sich die Situation in Deutschland, Europa und der Welt entspannt und die seligen Islam-gläubigen zu Ihren Kamelen in die Wüste zurückkehren?!

    • Sehr gut, Sie sprechen mir aus der Seele. Diese Frage stelle ich mir auch immer wieder und ich bin jedes mal fassungslos, wie reflexartig Partei gegen Israel ergriffen wird. Wenn der Vorwurf des Antisemitismus zurückgewiesen wird, kann es aber doch nur Dummheit sein.

  5. Der Verfassungsschutz schaut in die falsche Richtung. Er sollte zunächst einmal versuchen die Verfassung vor den Politikern zu schützen, die verändern sie nämlich nicht zu Gunsten der demokratischen Freiheit und das viel zu oft und zu leichtfertig.

  6. Hallo und Danke für diesen Artikel.

    Die Deutschen haben aus den Zeiten der Repression und Entdemokratisierung nichts gelernt. Von wegen „Wehret den Anfängen!“. Den geistigen Brandstiftern werden Tür und Tor geöffnet. Viele leiden offensichtlich am Stockholm Syndrom.
    Die Parteien über sich in Opportunismus und ducken sich vor den Problemen, der Verfassungsschutz wahrscheinlich auch.
    Dabei wäre der informelle Vertrag zwischen SPD und eingewanderten Muslimen, also Wählerstimmen gegen Staatsbürgerschaft schon ein Grund für eine Untersuchung durch Verfassungsorgane.

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