Lieber Straps als Burka

Denken Sie mal etwa vierzig Jahre zurück. Da wird Ihnen vielleicht nicht entgangen sein, dass damals die einzige Frau, die Kopftuch trug, die eigene Oma war oder Elisabeth Flickenschildt. Ganz ähnlich unverhüllt ging es damals auch in weiten Teilen des Orients zu, zum Beispiel in Istanbul, Kairo, Tunis und Marrakesch. Heute bestimmt die verschleierte Frau wie selbstverständlich das Straßenbild. Hier wie dort. Und damit meine ich nicht etwa die Stadtviertel mit hohem Anteil muslimischer Bevölkerung, sondern das alltägliche Straßenbild unserer Städte. Oder die olympischen Spiele. Oder die Schulhöfe. Nehmen Sie sich mal die Zeit und sehen sich um. So, wie ich Kairo in den achtziger Jahren erlebt habe, so sieht’s heute in Hamburg, Berlin und Köln aus. So, wie es heute in Kairo aussieht, nämlich Frauen in Ganzkörperzelten mit Sehschlitz, so könnte es irgendwann auch bei uns aussehen. Inzwischen ist es vollkommen normal, wenn eine solche Figur in deutschen Talkshows herumhockt, so geschehen am 9.10.2012 bei Maischberger. Oder am 29.5.2013 bei Anne Will. Wir sehen, alles nur eine Frage der Zeit und der Gewöhnung. Für mich ist es immer unfassbar, dass Mitmenschen beim Anblick von Frauen, die von oben bis unten vollständig unter Stoffschichten verschwinden, so ungerührt bleiben können. Mir schnürt dieser Anblick die Kehle zu. Das ist nichts, was mich nicht berührt. Das ist nichts, was mich nichts angeht. Hat uns das debile Einknicken vor einer Religion, die seit tausendvierhundert Jahren nahezu völlig reformresistent ist, schon soweit gebracht, dass uns alles egal ist? Wie oft müssen wir noch erleben, dass vermeintlich wohl meinende Politikerinnen Sympathie für Kopftuchträgerinnen herbei zu schwurbeln versuchen? Besonders sauer stößt mir in dieser Debatte auf, wenn es heißt, man müsse das Kopftuchtragen gerade an Schulen und Universitäten billigend in Kauf nehmen, weil viele muslimische Frauen und Mädchen sonst keine qualifizierte Ausbildung machen dürften. Das heißt konkret, dass das Tragen religiöser Kleidung an die Ermöglichung des Zugangs zur Bildung geknüpft sein darf, was sich, bei Lichte besehen, mit den demokratischen Prinzipien einer säkularen Gesellschaft nicht gut vereinbaren lässt. Noch sind Frauen in Niqab und Burka nicht besonders zahlreich in unseren Straßen. Noch. Insofern müsste ich mich vielleicht nicht so echauffieren, denn Durchgeknallte laufen genug herum. Bei mir um die Ecke wohnt eine. Eine deutsche konvertierte Riesin mit zwei schwarz gelockten, dunkelhäutigen Kindern. Eines der Kinder zeigte neulich mit dem Finger auf mich und sagte klar und deutlich: Frau! Ja, sagte ich, und zwar unverschleierte Frau. Man kann’s ja mal versuchen. Mittlerweile ist von der deutschen konvertierten Riesin nur mehr die Nickelbrille sichtbar. So schnell kann das gehen. Nur fragt man sich als alte Feministin natürlich, was in den Hirnen dieser Frauen vor sich geht. Und wenn man sich Blogs von Burkafetischistinnen ansieht, weiß man auch schnell: Nicht gerade viel. Sie beginnen jeden Satz mit Bismirallahadayatullahwalhalla und zitieren im Akkord Koransuren, mit denen sich bekanntlich alles belegen lässt, von der Befreiung der Frau durch den Islam über den Vorläufer der Theorie zur Entstehung der Arten bis hin zur Friedfertigkeit ihrer Religion, die in der Geschichte der Menschheit ohne Beispiel sein soll. Sie sind derartig doll konvertiert, dass es sogar schon dem Ehemann zuviel wird. Sie sind natürlich nur wegen des Mannes konvertiert, bestreiten dies aber vehement, weil der Imam ihnen eingetrichtert hat, man müsse aus freien Stücken konvertieren, sonst würde man über kurz oder lang außer mit Blödheit auch noch mit Pestilenz, Aussatz und Skrofulose geschlagen. Und Satan würde schon mal die Hölle vorheizen. Das alles erinnert mich sehr an einen bizarren Fall, von dem ich mal aus Israel gehört habe. Da hatte sich nämlich ein deutscher Tourist in eine bezaubernde Israelin verliebt und war ihr zuliebe zum Judentum übergetreten. Wie man weiß, ist das ein langer, schwieriger Prozess, der nicht mal eben mit dem Ausspruch des Glaubensbekenntnisses vor Zeugen erledigt ist. Lange Rede, gar kein Sinn: Das Ende vom Liede war, dass der frisch konvertierte Ex-goyische Jecke das jüdische Mädchen nicht mehr heiraten wollte, da ja schließlich nicht mehr Jungfrau… Religion ist meine Sache nicht. Ich weiß nicht, wie oft ich schon gefragt wurde, ob ich denn überhaupt wüsste, was im Koran oder in der Bibel steht. Ja, das weiß ich, denn ich besitze sowohl den Koran als auch die Bibel und ich entblöde mich nicht, zuzugeben, dass ich beide gelesen habe. Für mich gehört das zum kulturellen Erbe der Menschheit und damit zur Allgemeinbildung. Manche Stellen im Alten Testament besitzen einen gewissen Unterhaltungswert und großes Comedypotential: Zum Beispiel die Stelle im 1. Buch Mose über die nahe Verwandtschaft von Juden und Arabern, die beide den Stammvater Abraham haben sollen, jedoch von verschiedenen Müttern geboren wurden: Isaak (die Juden) von Sarah und Ismael (die Araber) von der ägyptischen Magd Hagar. Seltener allerdings hört man davon, wie es mit der Verwandtschaft weiterging: „Ismael sollst du ihn heißen; denn „der Herr hat dein Elend gehört“. Ein Wildeselmensch wird er werden; seine Hand wird gegen jedermann und jedermanns Hand gegen ihn sein. Allen seinen Brüdern entgegengesetzt wird er wohnen.“ (1 Moses 16, 11-12). Nie ward Deutlicheres gehört in Israel. Nur: Ich diskutiere grundsätzlich nicht ernsthaft den Wahrheitsgehalt, die Aussage oder gar die Anwendbarkeit religiöser Schriften, denn das beleidigt meinen Intellekt und meine Vernunft. Was soll ich also damit anfangen, wenn die Burkafraktion mir damit kommt, dass sie nicht in der Hölle landen will? Komme ich da noch mit? Ich komme ja auch nicht mit bei ihrem anderen paranoiden Weltbild von der dauernden Notgeilheit des Mannes, vor der die Frau geschützt werden müsse. Einmal erzählte mir eine Bekannte, bei ihrem Ägyptenurlaub habe sie sich verschleiern müssen, um an irgendeiner familiären Feierlichkeit teilnehmen zu dürfen. Ich sagte, dass ich sowas niemals tun würde. Lieber tot umfallen. Oder alternativ in Strapsen zum Einkaufen gehen. Was sollte mir denn schon passieren, als dass der Ladenbesitzer sagen würde: Ah, Frau Sievers! Und gesundheitlich ist alles in Ordnung bei Ihnen?

Advertisements