Anal, oral, vaginal

 

 

Drei Piktogramme: Eine männliche Figur, die hinter einer weiblichen kniet und diese an den Hüften festhält. Darunter steht: Anal. Eine weibliche Figur, die vor einer männlichen kniet, den Kopf in Schritthöhe. Darunter steht: Oral. Eine weibliche Figur, die auf dem Rücken liegt, die Beine über den Schultern der männlichen. Darunter steht: Vaginal.

Und über den drei Piktogrammen: Hier herrscht Kondompflicht!

Hätte die Tür heute nicht sperrangelweit aufgestanden, hätte ich nie die Tafel mit den drei Piktogrammen gesehen. Und so nicht bemerkt, dass ich in meiner Nachbarschaft schon tausend Mal an einem Bordellbetrieb vorbeigekommen bin.

Seit einem Jahrzehnt wird die Zahl der Männer, die an einem Tag in Deutschland eine Prostituierte aufsuchen auf 1 bis 1,2 Millionen geschätzt. Kann gar nicht sein, hört man oft genug. Besonders von Männern. Männer kennen in der Regel keine anderen Männer, die ins Bordell gehen. Der Freier, das unbekannte Wesen. Im Puff bei mir um die Ecke gibt es sie jedenfalls. In der Regel tagsüber. Ein bildhübscher junger Mann verlässt ihn gerade. Hat er das nötig? Ja, hat er wohl. Anal, oral, vaginal?

Ein andermal ein Mittfünfziger mit Bauch und Glatze. Er will wissen, ob Tina da ist. Anal, oral oder vaginal?

Sehr viele Prostituierte haben sogenannte Stammfreier. Sehr viele Prostituierte berichten davon, dass Stammfreier das Warenverhältnis bis zur Schizophrenie verkennen und darauf drängen, die Prostituierte auch privat treffen zu dürfen, ganz harmlos, ohne Sex, nur zum Spazierengehen oder Eis essen.  Und sind entsetzt, schockiert, am Boden zerstört, wenn die Prostituierte Nein sagt. Oder: O.K., aber selbstverständlich nur gegen Bezahlung. Kaufen Männer eben doch die ganze Frau und nicht nur anal, oral oder vaginal?

Natürlich können die meisten Freier nicht zugeben, Freier zu sein. Nicht einmal vor sich selbst. Und mit Fremdgehen, mit Betrug an der Partnerin hat es schon gar nichts zu tun. Man könne der Partnerin ja sagen, man ginge zur Massage. Sowas kann man in Männermagazinen lesen. Das ist die Logik von Kleinkindern, die glauben, es sei in Ordnung, an das Keksglas zu gehen – solange Mutti es nicht mitkriegt. Ehemalige Prostituierte berichten, dass nach ihrer Schätzung etwa sechzig bis siebzig Prozent ihrer Kunden in festen Beziehungen leben. Jede Prostituierte kennt daher ihre Rechtfertigungssermone auswendig:

Ich finde das ja auch nicht gut, aber was soll ich denn machen. Meine Frau ist schwanger. Meine Frau ist nach der Schwangerschaft total aus dem Leim gegangen. Früher war sie so schlank und sexy. Meine Frau interessiert sich kaum noch für Sex, seit die Kinder da sind. Meine Frau mag nun mal nicht anal penetriert und gleichzeitig gewürgt werden, die ist da halt ziemlich verklemmt.

Deshalb gehen sie zu Prostituierten.

In den sozialen Netzwerken wird in letzter Zeit immer öfter und immer heftiger die Einführung des „Nordischen Modells“ diskutiert.

Auch dort reden grundsätzlich keine Freier mit. Im Gegenteil, die Diskutanten sind ausschließlich selbstlose Gutmenschen, denen vor allem die sexuelle Selbstbestimmung der Frauen am Herzen liegt. Also der Frauen, die sich sexuell dahingehend selbst bestimmen, dass sie sich freiwillig prostituieren. Die könne man doch nicht in die Illegalität abdrängen! Da seien sie doch nicht geschützt! Und überhaupt: Wer soll die armen Behinderten dann sexuell befriedigen?

Das ist die klassische Freierargumentation gegen das Nordische Modell.

Wären sie ehrlich, dann würden sie sagen: Verdammt, ich bin ein Kerl, und wir haben nun mal einen wahnsinnig starken Sexualtrieb, und der muss befriedigt werden, und dafür müssen Frauen zur Verfügung stehen, denn sonst explodieren uns die Eier oder wir müssen leider losgehen und Frauen vergewaltigen.

Warum sagt das nie einer? Warum versteckt man sich hinter den Behinderten? Einesteils natürlich aus Behindertenfeindlichkeit. Denn dass Behinderte automatisch unfähig seien, ein Sexualleben zu haben, ist nichts als ein behindertenfeindliches Vorurteil. Andererseits natürlich aus Feigheit.

Aber Gemach. Sie reden durchaus auch mal Klartext. Natürlich nicht in den sozialen Netzwerken. Dafür aber in den Freierforen. Dort bewerten sie Prostituierte, geben Empfehlungen ab und schildern ihre Puff-Heldentaten. Ich schätze die Freierforen. Vor allem als Soziologin, die weiß, dass Probanden in der offenen Interviewsituation ständig lügen. Anonym im Forum hat das niemand mehr nötig, und, wie schon Goethe seinen weisen Mephistopheles in Faust sagen ließ: „Gib nur erst acht, die Bestialität/ Wird sich gar herrlich offenbaren.“

So bei Freier LLCool:

„Ich komme jetzt in deinen Mund – kurzer fragender Blick. Ich ficke sie oral mit kurzen Stössen. Bitte Bescheid sagen sonst schlucke ich alles. Wieder vor das Bett gestellt, da hat sie einen besseren Winkel um es zu kontrollieren. Und der Orgasmus rollt an, jetzt muss sie den Tribut zollen und ich fülle Ihr den Mund. No mercy, kein Zurückziehen. Boom, sie rauscht zum Whirlpool, spuckt die Nachkommen rein und lächelt. Ich hätte fast gekotzt so viel war das. Jetzt grinse ich. Bedanke mich, Küsschen.“

Muss man das kommentieren? Ich glaube nicht.

Warum machen Männer sowas, und warum schreiben sie es obendrein noch auf? Na, weil sie es können und weil sie es dürfen. Prostitution ist eine ganz, ganz wunderbare Sache und irgendwie schaffen Freier es auch immer grundsätzlich und unter allen Umständen, sich die Prostituierten herauszupicken die absolut freiwillig und selbstbestimmt arbeiten, die „ihr Hobby zum Beruf gemacht haben“, wie die ehemalige Prostituierte Huschke Mau, jetzt Aktivistin zur Abschaffung von Prostitution und Durchsetzung des Nordischen Modells, oft genug erlebt hat. Sie berichtet auch, dass Freier selbstverständlich wissen, in welcher Zwangslage die meisten Prostituierten arbeiten; wissen, dass nebenan der Zuhälter sitzt und abkassiert; sie wundern sich sogar sehr, wenn die Prostituierte gar keinen „Chef“ hat. Sie wissen es, und es ist ihnen egal.

Ich hatte siebzehn Jahre lang ein Tanzstudio neben der Hamburger Reeperbahn. Ich hatte immer wieder ehemalige und aktive Prostituierte unter meinen Schülerinnen. Jede einzelne prostituierte sich freiwillig. Eine, um auf diesem Wege freiwillig die Schulden abzuackern, die ihr flüchtiger Exmann hinterlassen hatte. Eine, weil sie in diesem Bereich seit über zehn Jahren arbeitete und sich keine Perspektive mehr bot als Sozialleistungen. Wo sollte sie sich bewerben, mit „1995-2005 Prostituierte in einem Hamburger Laufhaus“ im Lebenslauf? Eine dritte prostituierte sich freiwillig für den „Loverboy“ aus dem Libanon, dem Armen, der hier niemanden hatte und der so hoch verschuldet war. Früher hieß das schlicht Zuhälter. Warum man die „Loverboy-Masche“ überall als etwas Neues beschreibt, ist mir ein Rätsel. So machen Zuhälter seit Jahrhunderten Frauen gefügig – durch ein vorgespieltes Liebesverhältnis. Psychisch auffällig waren sie alle, und sie ertrugen oft in ihrem Privatleben absolut keine Männer mehr. Übrigens ein sehr häufiger Kollateralschaden der Prostitution. Und bestimmt nicht der Schlimmste.

In Berlin machen jetzt die neuen Bioplumpsklos/Verrichtungsboxen für Prostituierte von sich reden.

„Barbara König (SPD), Staatssekretärin für Gesundheit und Gleichstellung verkündete die News. „Die Bio-Toiletten im Kurfürstenkiez werden gut als Verrichtungsorte angenommen.“ Soll heißen: Neben der Toilettenfunktion wird in den Holzbuden auch Geschlechtsverkehr vollzogen. Entlang des Strichs rund um die Kurfürstenstraße wird die Zahl der Klohäuschen deshalb nun auf fünf erhöht.

Die Toiletten sind Teil eines Maßnahmenpakets des runden Tisches Sexarbeit. Das unregelmäßig tagende Gremium ist mit Angehörigen von Senat, Bezirken, Polizei, Beratungsstellen und Sexarbeitenden besetzt. Die Aufgabe ist im Koalitionsvertrag definiert: Handlungskonzepte entwickeln, um die Rechte und Arbeitsbedingungen von Sexarbeiter*innen zu verbessern.“

Ich schätze auch die Berliner Spermatoiletten und Barbara König, die Staatssekretärin für Gesundheit und Gleichstellung. Aus dem gleichen Grund, aus dem ich die Freierforen schätze. Denn die Selbstverständlichkeit, mit der man meint, Prostituierten etwas Gutes zu tun, indem man sie in stinkende Scheißhäuser zur Verrichtung abschiebt, offenbart schonungslos, wo sich Prostituierte in unserer Gesellschaft wirklich befinden. Wer sich über die Berliner Verrichtungstoiletten aufregt, hat nichts begriffen. Das Benutzen eines menschlichen Körpers gegen Geld wird nämlich nicht dadurch in irgendeiner Weise besser, dass es im Adlon für 600.- € an einer Escort-Lady stattfindet, dass der Prostituierten vorher Champagner spendiert wird, dass man ihr aus dem Mantel hilft. Benutzt wird sie trotzdem.

 

 

 

Seelenvögel und Wächterinnen

Gabriele von Lutzau: Mutter zweier Kinder. Ehefrau. Katzenliebhaberin. Trägerin des Bundesverdienstkreuzes. Der größte Rolling-Stones-Fan des Odenwaldes. Ehemalige Flugbegleiterin. Und am heutigen Tage vor allem Bildhauerin. Ihre Ausstellung „Seelenvögel und Wächterinnen“ wurde am 20.10.2019 in der Hamburger Hauptkirche St. Katharinen nach einem ökumenischen Gottesdienst eröffnet. Die bodenständige, lebhafte Künstlerin widmete sich mit Enthusiasmus mehr als eine Stunde lang allen Publikumsfragen, stellte die Grundzüge ihre Arbeit vor, schilderte persönliche Motivation und die Entstehungsgeschichte ihrer Werke.

Ihre von Alberto Giacometti und Trak Wendisch beeinflussten Skulpturen finden im weißgetünchten Seitenschiff der über siebenhundert Jahre alten gotischen Katharinenkirche ausgreifenden Raum, der die Blicke frei schweifen lässt. Ihr Werk „Utöya“, über 70 schlanke, himmelwärts strebende Plastiken von wunderbarer Leichtigkeit und Filiangranhaftigkeit, nennt die Künstlerin „Seelenvögel“.

Geschaffen wurden sie in Gedenken an die Opfer des rechtsextremen Attentäters Anders Breivik, der am 22. Juli 2011 das Feuer auf ein Sommerferienlager auf der norwegischen Insel Utöya eröffnete, in dem sich derzeit über fünfhundert Jugendliche aufhielten.

Auch das Werk einer Mutter, die sich vergegenwärtigt hat, dass das Schlimmste, wenn ein Kind aus den Ferien nach Hause kommt, mitnichten eine ungewollte Schwangerschaft sein muss. Das Schlimmste ist, wenn das Kind nie mehr zurückkommt. Die Bitterkeit des Todes, die Zerbrechlichkeit jungen Lebens, aber auch das notwendige Loslassen, all das liegt in den beinahe schwerelosen Standbildern, deren konkrete Vogelformen sich dem Betrachter nach und nach offenbaren.

Mit dem Angebot, das Gesamtkunstwerk „Utöya“ auf der gleichnamigen Insel auszustellen, gemeinsam mit Überlebenden, Angehörigen und Politikern die unumgängliche Trauerarbeit zu leisten und ein Zeichen gegen Terror jedweder Couleur zu setzen, ist Gabriele von Lutzau in Norwegen schlichtweg aufgelaufen. Man bräuchte keine Deutsche dazu, Trauer zu lernen, hieß es brutal.

Mehr Entgegenkommen, wenn auch anderer Art, fand die Arbeit von Lutzaus in Yad Vashem, der Shoa-Gedenkstätte des Staates Israel in Jerusalem. Auch dort war man zunächst misstrauisch über das Anerbieten einer deutschen Bildhauerin, dem Museum zwei Plastiken anzufertigen – ohne Vorschuss, ohne Bezahlung, ohne Honorar, einfach, weil es der Wunsch der Künstlerin war, ein Anliegen auszudrücken, Gefühle sichtbar zu machen. Bildwerke, die sich wie ein roter Faden durch die Arbeiten Gabriele von Lutzaus ziehen: Flügel. Zwei Vogelschwingen. Gabriele von Lutzau schafft ihre Skulpturen mithilfe von Kettensägen und Flammenwerfern. Aufgehängt, installiert wie Trophäen eines Jägers, hängende, abgerissene, gebrochene Flügel scheinen es zu sein, verstörend in ihrer Größe und Präsenz. In Jerusalem wusste man im Gegensatz zu Norwegen alles über Gabriele von Lutzau, was es zu wissen gab, eine fingerdicke Akte über sie war bereits angelegt, mit dem Ergebnis, dass der Ausstellung eines Werkes der Künstlerin nicht das geringste entgegenstand. Das hätte man in Norwegen vielleicht auch mal versuchen sollen.

„Leben und Überleben“, dieses Motto steht über ihrem künstlerischen Gesamtwerk. Nicht ohne Grund. Wie eingangs erwähnt, war Gabriele von Lutzau in ihrer Jugend Flugbegleiterin. Nicht irgendeine. Sondern die Lufthansa-Stewardess der „Landshut“, die im Oktober 1977 fünf Tage lang Terror und Todesangst ertrug, die die kaltblütige Ermordung des Flugkapitäns Jürgen Schumann erleben musste, die mitansehen musste, wie man die Ladungen für die Sprengung der Maschine anbrachte, wie man Besatzungsmitglieder und Passagiere fesselte und mit Alkoholika übergoss, damit sie besser und schneller verbrennen sollten.

Vierzehn Jahre war ich damals alt. Der Terror der RAF begleitete meine Generation über Kindheit und Jugend hinweg, war immer ein Thema. Gabriele von Lutzau, damals noch Gaby Dillmann, eine junge Frau, gerade mal neun Jahre älter als ich: Das war endlich mal ein Vorbild, von dem man sich ein paar Scheiben abschneiden konnte.

Eine Heldin aber will sie deswegen nicht genannt werden.

„Wir hatten damals, die ganzen fünf Tage lang, wirklich Glück. Richtig viel Glück!“ sagt Ausstellungsbesucher Jürgen Vietor zu mir, damals der Co-Pilot der Landshut. „Und wir hatten Ulrich Wegener und die GSG 9. Wenn überhaupt, dann waren wir alle Helden, die Passagiere genauso wie wir alle!“

Die Ausstellung „Seelenvögel und Wächterinnen“ ist noch bis zum 25.11.2019 zu bewundern.

Bloody poetry

Beim Poetry-Slam U20 In Frankfurt am 10. Mai dieses Jahres gewann die achtzehnjährige Malvina Ewering den 2. Platz für ihren Text „Schwarzer Boden“. Ihre Wortschöpfung Gedicht zu nennen, wäre übertrieben, denn ein Versmaß fehlt zur Gänze und gereimt wird mehr nach Stimmung; „passt“ auf „hass‘“ und sogar „passiert“ auf „stiiirbt“, aber beim Poetry-Slam geht es, soweit ich weiß, nicht um Talent oder gar germanistische Vorbildung, sondern darum, dass alle sich ausdrücken dürfen und unheimlich kreativ sind.

Der Text der jungen Frau ist Entschuldigung und Anklage zugleich: Um einen männlichen Flüchtling geht es nämlich, der selbst angeblich vom Schleuser vergewaltigt, nun selbst zum Vergewaltiger wird.

„Ich hab‘ mich doch nur in dich verliebt/ Doch Du steckst ihn weiter tief härter in mich rein, dein Glied…“ heißt es in der seltsamen Anklage, die mit einem „Danke, Vergewaltiger!“ endet.

Nun wäre diese Darbietung an und für sich schon schwer zu schlucken – wenn Malvina Ewering nicht schon einer breiten Öffentlichkeit bekannt wäre als die glückliche Vorzeigefreundin eines einsamen syrischen Flüchtlings.

Im Kinderkanal unter dem Titel „Malvina, Diaa und die Liebe“, damals noch ganze Fünfzehn und bis zur Debilität verliebt in den Syrer Diaa, der ihr in seinem unbeholfenen Deutsch unheimlich süße Briefe schrieb. Dass er bereits sein Veto eingelegt hatte, was andere Männerbekanntschaften und Miniröcke anging, war eine andere Sache. Dass er ihr verbot, Schweinefleisch zu essen und ihr anriet, zum Islam zu konvertieren, eine weitere. Dann stellte sich rasch heraus, dass hier ein erwachsener Mann mit dem Segen der Nation und ihrer Medien ein Minderjährige verführt hatte. Darüber hinaus wurde entdeckt, dass Diaa ohnehin vorhatte, ganz Deutschland zum Islam zu bekehren, wie er auf facebook geäußert hatte.

Ein Schwiegersohn also, wie ihn sich Mütter nachts erträumen.

Jeder, aber wirklich jeder, der in der Lage ist, zu googeln, kann heute wissen, was Malvina in der Gesellschaft, aus der Diaa stammt, wert wäre: Eine Hure, eine Schlampe, wertloser als Dreck. Und mit Dreck kann man natürlich machen, was man will. In Syrien hätte praktisch jeder dafür Verständnis.

Kaum war das Video von Malvina Ewerings Poetry-Slam-Auftritt online, als Kika schon zu Protokoll gab, die Autorin berichte hier keinesfalls von selbst erlebten Erfahrungen. Dabei war Kika mehr als still, als ich vor einigen Monaten vorsichtig nachfragte, was denn inzwischen aus dem glücklichen jungen Paar geworden sei. Wünschen würde man es ihr von ganzem Herzen. Aber wer einmal in irgendein beliebiges Mädchenforum geschaut hat, wo die rosagewandeten, Einhorngeschmückten Nymphen von Oralverkehr mit dreizehn und Analverkehr mit fünfzehn berichten, wo sie zum ersten Mal anonym von der Vergewaltigung durch ihre beiden besten Freunde berichten und wo die sexuelle Gewalt so alltäglich ist, dass sie von den jungen Frauen sogar als relativ normal wahrgenommen wird, der wird hier seine berechtigten Zweifel haben müssen.

 

Tickende Zeitbomben

 

Ein Afghane tötet seine Ex-Freundin mit nicht weniger als siebzig Messerstichen. In einem harmlosen Stuttgarter Wohnviertel wird ein Mann mit einem japanischen Schwert von seinem Mitbewohner regelrecht gemetzelt. In Hamburg wird ein Asylbewerber von einer Frau in einer Bar zurückgewiesen, daraufhin schlägt er sie auf er Toilette tot und setzt sich anschließend wieder an den Tresen, um weiter zu trinken. Nach einem Streit in einer Flüchtlingsunterkunft schlägt ein Eritreer einen Landsmann so schwer, dass dieser an den Verletzungen stirbt.

Und so weiter und so fort. Die Schreckensbilanz von wenigen Tagen.

„Unfassbar“, so liest man immer wieder, unvorstellbar, unerklärlich. Und tatsächlich sucht man immer wieder nach „Motiven“, als gebe es allen Ernstes nachvollziehbare Gründe dafür, einen Menschen wegen einer Nichtigkeit tot zu prügeln. Wir können diese Motivation nicht nachvollziehen, und das ist gut so. In anderen Gesellschaften, in anderen Kulturen in anderen Teilen der Welt ist das zuweilen vollkommen anders.

Und wir sind gezwungen, dass endlich mal zu kapieren.

Als der Psychologe Nicolai Sennels bei seiner Arbeit in Kopenhagener Justizvollzugsanstalten feststellte, dass sich die psychische Struktur von muslimischen Strafgefangenen fundamental von der der nichtmuslimischen unterscheidet, veröffentlichte er die Ergebnisse in seinem Buch „Blandt kriminelle Muslimer“ (Unter kriminellen Muslimen). Erwartungsgemäß stieß er auf Ablehnung und Unverständnis und geriet augenblicklich in den Verdacht, ein „Rassist“ zu sein.

Denn es kann einfach nicht sein, was nicht sein darf. Was nicht ins Weltbild passt, muss passend gemacht werden. Und wenn die Fakten noch so sehr dagegen sprechen.

Zu ganz ähnlichen Ergebnissen kam die Soziologin Necla Kelek, als sie für ihr Buch „Die verlorenen Söhne“ türkische Häftlinge interviewte. Ihre Eltern, ihre Familien seien stolz auf sie, sagten viele von den jungen Männern, die wegen Drogenhandel, Gewaltdelikten und anderen Verbrechen langjährige Haftstrafen zu verbüßen hatten.

Und das ist leider nicht gelogen. Sie sind mitnichten gezwungen, sich ihre Biographie schön zu lügen. Muslimische Jungs sind die Prinzen der Familie. Man muss sich nur mal die glitzernden Fantasie-Uniförmchen in den türkischen Geschäften ansehen, mit denen die Jungen am Tag ihrer Mannwerdung, der Vorhautamputation, bekleidet werden. Wer es noch nicht weiß: Vor den Schmerzen der Beschneidung wird den Jungen gern gezielt Angst gemacht. Erstens gilt das als irre lustig und zweitens gehört das dazu: Ein richtiger Mann muss Schmerz aushalten können.

Die muslimische Mutter verhätschelt und verzieht den Knaben nach Strich und Faden und liest ihm jeden Wunsch von den Augen ab. Seine Bedürfnisse haben Vorrang vor denen der Schwestern, sein Ego wird maßlos überhöht, es werden ihm Fähigkeiten angedichtet, die er gar nicht besitzt, sein Wille geschehe, jetzt und immerdar.

Flüchtlingshelferinnen haben mir berichtet, wie fassungslos sie waren, als sie in den Unterkünften miterleben mussten, wie Mädchen alles verboten wurde, während sich die Jungs aufführen durften wie die Wildsäue. Mütter seien stolz und glücklich gewesen, wenn das Prinzchen Möbel zerstörte, Mädchen beleidigte und drangsalierte, anderen Süßigkeiten und Spielzeug klaute und ihnen obendrein noch die Faust ins Gesicht hieb. Mein Sohn! Wallah, ein richtiger Mann!

So werden die Mini-Paschas zu erwachsenen Männern. Von der psychischen Reife her allerdings sind sie noch Kleinkinder, sie verharren im frühkindlichen Narzissmus und dem Wahn ihrer eigenen Allmächtigkeit.

Klinisch nennt sich diese psychische Störung Narzisstische oder auch Dissoziale Persönlichkeitsstörung. Die Grenze ist fließend. Menschen dieser psychischen Struktur zeichnen sich durch Allmachtsfantasien sowie völlige Unfähigkeit zur Selbstkritik aus, durch mangelnde Impulskontrolle und schnelle Gewaltausbrüche, durch nicht vorhandene Empathiefähigkeit und die Unfähigkeit, irgend etwa anderes wahrzunehmen als die eigenen Bedürfnisse. Eltern von Dreijährigen werden die Symptome sofort wiedererkennen. Der Mörder der fünfzehnjährigen Susanna war dafür ein Beispiel wie aus dem Lehrbuch.

Tritt in der Welt der Dissozialen Persönlichkeit eine Störung ein, wird diese als fundamentale Bedrohung, als Erschütterung des ganzen Seins empfunden. Den eigenen Willen nicht zu bekommen, ist für den Menschen mit dieser psychischen Struktur schier unerträglich. Gerät ein erwachsener Mensch ohne diese psychische Störung in eine Krise, erfährt er zum Beispiel einen großen Vertrauensbruch, eine persönliche Schädigung, eine emotionale Kränkung wie eine Zurückweisung oder den Verlust des Partners, so kann man davon ausgehen, dass er psychisch so aufgestellt ist, diese Krise aus eigener Kraft oder mit Hilfe anderer zu bewältigen.

Einer Person mit dissozialer Persönlichkeit ist das nicht möglich. Die Störung muss vernichtet werden: Totgeschlagen, totgestochen, totgeschossen. Störung beseitigt, Problem beseitigt.

Was auf uns hochgradig psychisch auffällig wirkt, hat allerdings in anderen Ecken des Planeten jedes Verständnis dieser Welt: So reagiert eben ein richtiger Mann.

Man muss leider davon ausgehen, dass die Mehrheit der jungen Männer, die nach Europa strömen, in diesem Sinne herangewachsen ist. In ihrer Heimat werden die zwischenmenschlichen Probleme nicht mit wie Wackeldackel nickenden Sozialpädagogen in Stuhlkreisrunden gelöst, sondern gern mit Mitteln, die als ehrenvoll, sinn- und identitätsstiftend, positiv und vor allem durch und durch männlich gelten: Mit Gewalt.

Dem noch halbwegs regulierendem Einfluss des Clans, den männlichen Familienmitgliedern, der Umma sind sie hier weitgehend entzogen. Kein Imam droht ihnen mit der Hölle, wenn sie Drogen nehmen, Alkohol konsumieren und Sex mit ungläubigen Frauen haben.

Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes außer Kontrolle. Es sind Abertausende von tickenden Zeitbomben. Nichts und niemand kann verhindern, dass sie hochgehen.

 

 

 

 

 

 

 

„Schatz, wir werden reich!“ von Gideon und Christine Böss

Als einmal eine Bekannte von mir ziemlich trübe aus der Wäsche sah, machte ich den Fehler, sie zu fragen, wo denn der Schuh drücke. Ach, ihre Tochter, die hätte ja wieder so einen Ärger. Riesen-Ärger!

Was für einen Ärger?

Na, sie hätte ja jetzt schon zum zweiten Mal ein Auto gewonnen und wieder Mal weigerte man sich strikt, ihr den Wert des Wagens einfach in Geld auszuzahlen!

Die Tochter, wohlgemerkt, war einst Bikinimodel und hat bei der Arbeit einen Millionär kennengelernt. Ihren jetzigen Mann. Sie muss erfreulicherweise nicht arbeiten und wenn sie sich mal langweilt, was ziemlich oft der Fall ist, macht sie bei Gewinnspielen mit. Und sie gewinnt. Andauernd. Eine Traumreise in die Karibik hat sie auch schon gewonnen. Und mehrere Geldbeträge.

Fortuna ist bekanntlich die antike Glücksgöttin. Diese Bitch muss gleichzeitig PMS, ADHS und Menopausebeschwerden haben. Denn anders ist einfach nicht zu erklären, warum sie auf ihrer goldenen Schicksalskugel bei sorgenfreien Ex-Models wie ein Meteor einschlägt und pausenlos Glück verschüttet, aber wirklich bedürftige Zeitgenossen höhnisch grinsend beiseite kegelt.

Wie das sympathische Paar Gideon und Christine Böss.

Das schließlich auch nur über die Runden kommen will. Bei Künstlern ist das in der Regel nicht so leicht – Tänzer, Karikaturisten, Musiker, Maler, Schriftsteller – wir alle werden oft gefragt: Ja, kann man denn davon leben? Was noch harmlos ist, denn meist wird man gleich gefragt, ob man auch noch einen „richtigen“ Beruf hat. Man wurstelt sich halt so durch. Das ist der Lifestyle der Bohème.

„Schatz, wir werden reich! (vielleicht). Ein Paar und zwanzig Anläufe zum großen Geld“, so heißt das neue Buch der beiden Autoren. Und lädt ein zu einer Glücksritterreise der besonderen Art.

Wie kommt man zu Geld, am besten möglichst ganz viel davon, wenn man in der Ausgangslage keines hat?

Das Ehepaar lässt auf diesem Sektor wirklich nichts unversucht: Pferdewetten (scheinen noch am realistischsten zu sein), Empowerment-Seminare, wo man als „Huhn“ anfängt und als „Adler“ endet, Kunstkäufe, Investment in erneuerbare Energien, ja sogar Schatzsuche! Der Möglichkeiten sind viele, nur einträglich sind sie nicht.

„Ich habe an mehr als zweihundert Preisausschreiben teilgenommen, daraufhin 8943 Mails bekommen und nicht einmal einen Trostpreis erhalten“ resümiert Gideon Böss.

Als das geht runter wie ein kühler halber Liter Rieslingschorle bei 30° und ist amüsant und unterhaltsam wie eine gute Filmkomödie.

„Die kapitalistische Versprechung, dass jeder reich werden kann, führt überraschend schnell von der breiten Hauptstraße auf holprige Seitenstraßen und von da auf unbefestigte Wege, die sich in der Wildnis verlieren“. Leider ja.

 

 

https://www.lovelybooks.de/autor/Gideon-B%C3%B6ss/Schatz-wir-werden-reich-vielleicht-1974346485-w/

Flüchtlingsidyll

„Geschichte wiederholt sich, wenn wir nicht daraus lernen“. Der uns das sagt, ist Hussam Al Zaher, Chefredakteur des Magazins „Flüchtling“ www. Fluechtling-magazin.de und 2017 „Hamburger des Jahres“ im Stadtmagazin „Szene“.

Hussam Al Zaher verließ Syrien 2014, weil er nicht zur Armee eingezogen werden wollte und hielt sich danach ein Jahr in Istanbul auf, was ihn zu einem Auswanderer, nicht aber zu einem Flüchtling macht.

Und was will uns Hussam Al Zaher damit sagen?

Etwa folgendes: Wenn Deutschland weiterhin Waffen in Konfliktgebiete liefert, den „Friedensprozess“ in Nahost nicht unterstützt; wenn Deutschland sich weigert, Schlepperbanden mit Kapitäninnen auf Selbsterfahrungsdampfern im Mittelmeer zu reich zu machen und die Deutschen nicht endlich damit aufhören, sich über Kopftuchtragende Musliminnen aufzuregen, dann wird sich unsere Geschichte wiederholen. Adolf Hitler wird wieder Reichskanzler, von deutschem Boden wird wieder Krieg ausgehen und der FC St. Pauli wird Drittligaletzter.

Das Magazin „Flüchtling“, in einfacher Sprache gehalten, erzählt Erfolgsgeschichten von geflüchteten Menschen (ich lasse das jetzt mal undefiniert so stehen). So wie von Omar, der jeden Tag acht Stunden Deutsch lernt und dann erschöpft ins Bett fällt; von Amman aus Eritrea, der beim lebensrettenden Sprint zum Schlauchboot zwar sein Hochschulzertifikat, nicht aber sein IPhone verloren hat und sogar von einem echten „Republikflüchtling“, denn natürlich sind wir alle ein bisschen Refugee.

Moralisch stark unterstützt wird das Blatt durch den Anzeigenkunden fritz-kola, dem politisch korrektem Zuckergesöff für den guten Deutschen, der zwar seine gesamte Kultur, Mode und Freizeitgestaltung den bösen USA verdankt, aber aus pseudointellektuellen Gründen auf den imperialistisch-monopolkapitalistische Heuschreckentrank Coca-Cola verzichten muss.

Fritz-kola gibt den Geflüchteten auf dem Flaschenetikett ein Gesicht, zum Beispiel dem kleinen Muhi aus Gaza. Muhi leidet an einer unheilbaren Krankheit, um derentwillen er seit vielen Jahren unentgeltlich in einem israelischen Krankenhaus behandelt wird. Damit er nicht so allein ist, darf auch sein Opa mit dabei sein. Warum fritz-kola diesen Fall als besonders dramatische Flüchtlingstragödie aufzeigt, hat sich mir bisher nicht erschlossen.

Im Interview mit der „Szene Hamburg“ äußerte Al Zaher in Bezug auf die im „Flüchtling“ veröffentlichten Interviews völlig wahrheitsgemäß: „Wir stellen immer dieselben Fragen – spannend sind die unterschiedlichen Antworten.“

Spannend wären allerdings eher mal unterschiedliche Fragen. Zum Beispiel, warum mehrere weibliche Refugees erzählen, sie genössen es, endlich Fahrrad fahren und schwimmen gehen zu können. Da kann ich adäquat aushelfen: In den muslimischen Landstrichen dieses Planeten gilt Fahrrad fahren für Mädchen als hochgradig sittenwidrig, da dadurch ja das kostbare Jungfernhäutchen beschädigt werden könnte. Und was das wiederum für das Mädchen für üble Folgen haben könnte, darüber erfahren wir nichts. Auch nicht darüber, warum es für orientalische Frauen in ihrer Heimat fast unmöglich ist, mal irgendwo in Ruhe im Badeanzug schwimmen zu gehen.

Die Antwort ist die gleiche: Die Ehre der Umma, des Clans, der Familie, vor allem aber die Ehre der Männer stünde auf dem Spiel. Oder warum fragt man Omar und Amman nicht mal, was sie davon halten würden, wenn ihre Schwestern mit vierzehn Jahren die Pille nehmen und mit dem Sexualpartner ihrer Wahl schlafen dürften, so wie deutsche Mädchen? Wenn ich jetzt ganz böse wäre, würde ich schlicht behaupten: Man tut das aus gutem Grund nicht, weil man das kuchengute Flüchtlingsidyll nicht zerstören darf.

Das Cover von „Flüchtling“ ziert eine glücklich syrische Kleinfamilie. Die Frau trägt ein Kopftuch. Das ist immer gut, das Kopftuch. Bunt ist immer da, wo die Frauen verschleiert sind. Fürchterlich, was diese deutschen Weiber Kopftuchtragenden Frauen immer für „dumme Fragen“ stellen! Aber immerhin, die blöden Deutschen sind lernfähig: „Im Winter sagen sie, sie wollen auch ein Kopftuch!“, konstatieren zwei syrische Schwestern im Interview. Na bitte, geht doch. Vielfalt ist immer da, wo Frauen Menschen zweiter Klasse sind.

1986 rief der Deutsche Gewerkschaftsbund die Aktion „Mach meinen Kumpel nicht an!“ ins Leben. Es sollte eine Aktion gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sein. Doch damals gab es tatsächlich noch den einen oder andere Linken, der sich der uneingeschränkt verordneten Solidarität schlicht verweigerte. So hieß es damals aus taz-Kreisen: Ein Typ, der seine Frau und Kinder schlecht behandelt, ist nicht mein Kumpel.

Von den heutigen Linken, die Marx von Murks nicht unterscheiden können, kann man so viel gezielte Reflexion und Kritikfähigkeit nicht mehr erwarten. Der Grund dafür liegt in den neulinken Kardinaluntugenden Feigheit, Blödheit, Ignoranz und Toleranzbesoffenheit. Das Kopftuch ist toll, bunt, emanzipatorisch und vielfältig. Punkt.

Wenn ich jetzt im Hochsommer diese muslimischen Pärchen auf der Straße sehe, wo Er als europäischer, weltoffener Hipster in Shorts, Hilfiger-Shirt, Sandalen und Ray-Ban herumstolziert, während Sie unter fünf Meter billigem schwarzem Nylon dem Hitzschlag ausgesetzt wird, dann möchte ich als gute Alt-Linke dem Mann eigentlich nur noch ganz politisch unkorrekt einen großen Ziegelstein in die Fresse hauen.

Ich darf sowas sagen, ich komme aus der Arbeiterklasse. Bei uns Proleten wird Klartext geredet. Und, um es mal ganz offen zu sagen: Von unsolidarischen Handaufhaltern halten wir genauso wenig wie von Monopolkapitalisten.

Enjoy your daily gangbang

Am 1. Juli wird in Hamburg eine junge Frau am U-Bahnhof Hagenbecks Tierpark von drei Männern attackiert. Es gelingt ihr, sich durch gekonnte Gegenwehr zu verteidigen und die Männer in die Flucht zu schlagen.

Ein paar Tage zuvor wird eine deutsche Urlauberin auf Mallorca von einer Gruppe junger Männer in einem Hotelzimmer vergewaltigt. Deutsche Medien bezeichnen die Täter als „Deutsche Urlauber“, die deutsche Online-Ausgabe der türkischen „Hürriyet“ ist da schon präziser:

Es handelt sich bei ihnen um Männer mit deutschem Pass und türkischem Migrationshintergrund.

Am 04. Juli fährt ein Vater seine sechzehnjährige Tochter mit seinem Auto an und zerrt sie an den Haaren hinein. Er war nicht mit dem Freund einverstanden, mit dem sie unterwegs war.

Am 05. Juli wird eine junge Frau in Mülheim an der Ruhr von einer Gruppe von Kindern gewaltsam unter Drogen gesetzt und gemeinschaftlich vergewaltigt.

Am 07. Juli wird in Burghausen eine junge Frau auf dem Heimweg angegriffen und vergewaltigt.

Und der Monat hat gerade erst angefangen.

Unerträgliche, brutalste Gewalt gegen Frauen, gegen ihre sexuelle Selbstbestimmung, gegen ihre körperliche Unversehrtheit, gegen ihre Psyche und ihr Selbstbewusstsein.

Und wie immer sind alle fassungslos, können sich das nicht erklären, zucken mit den Schultern und wissen es ja auch nicht.

Dabei ist es wirklich ganz einfach. Gewalt gegen Frauen, besonders sexuelle, gehört zu unserer Kultur.

Es mag peinlich sein, das zugeben zu müssen, doch es ist so. Immer noch und trotz aller Bemühungen. Dass die Frau das Recht hat, über ihre Sexualität selbst zu bestimmen, haben wir erst seit ein paar Jahrzehnten begriffen. Und eigentlich geht das ja so auch nicht, und eine Frau, die selbstbestimmt ihre Sexualität auslebt, gilt natürlich auch bei uns immer noch als „Schlampe“.

Das war schon in meiner Jugend so und hat sich kaum dadurch wesentlich gebessert, dass Mädchen heute schon mit vierzehn die Pille ohne Erlaubnis der Eltern nehmen können. Auch nicht wirklich dadurch, dass es Eltern gibt, die es unterstützen, wenn die Tochter sich für den Flüchtlingsfreund prostituiert, den armen. Oder dass es Eltern gibt, die der Tochter den Aufenthalt bei einem Marokkaner in seiner Heimat finanzieren, einem Mann, den das Mädchen noch außer über Skype nie in seinem Leben gesehen hat. Ich habe mir diese Geschichten nicht ausgedacht, aber ich wünschte wirklich, es wäre so.

Eine Sache allerdings hat sich erheblich verändert:

Wie sehr Sexualität mit Gewalt und Verachtung gegenüber Frauen verknüpft ist, lernt man heutzutage schon im Kindesalter aus den problemlos verfügbaren Pornofilmen. Dort wird nicht nur ein völlig verqueres Bild weiblichen Sexualempfindens vermittelt, dass mit der Realität nicht das geringste zu tun hat, dort wird auch ständig suggeriert, Praktiken, die mit möglichst viel Schmerzen und Demütigungen für Frauen verbunden sind, bereiteten Frauen Spaß. Da werden Frauenkörper angepisst, bis die Pornodarstellerinnen gezwungen sind, die Reizwäsche auszuwringen, da werden Frauen hinterrücks von zig Männern penetriert, da wird Frauen die Faust in den Anus gerammt, da wird Frauen von zig Männern Sperma in die Augen gespritzt.

Welch hanebüchener Blödsinn es ist, zu behaupten, Pornodarstellerin liebten das, was sie tun, seien keinerlei Zwängen ausgesetzt und bekämen auf diese Art an leicht verdientes Geld, begreift man spätestens, wenn man die nackte Angst in den Augen der Darstellerin sieht, als sie zu hören bekommt, es seien über hundert Männer da. Wer glaubt, es gebe bei Pornodrehs keine Gewalt, muss nur mal hören, wie der Produzent die demütig vornübergebeugte Frau beim Pornodreh anherrscht, sie solle mal „keine Zicken“ machen. Und das ist ein Produzent, dessen Arbeit gerade live für das Fernsehen dokumentiert wird und der sich im Verborgenen erstrecht keine Zwänge antun wird.

Besonders tragisch ist, dass Kinder jederzeit an dieses Material herankommen. Noch tragischer ist, dass sie daraus für das Leben lernen. Am tragischsten ist, dass diese umfassende Pornographisierung den Blick auf den weiblichen Körper und die weibliche Sexualität entscheidend verändert hat. Männer und Frauen denken, so sei Sex, so müsse es sein, solche Praktiken müsse man anwenden.

In Internetforen erzählen weibliche Kinder ganz stolz, sie hätten Sperma mit 13 zum ersten Mal im Mund, mit 14 zum ersten Mal in der Vagina, mit 15 zum ersten Mal im Anus gehabt. Leider denken nicht nur Jungs, so sei weibliche Sexualität. So denken auch Mädchen. Sie führen sexuelle Praktiken aus, die sie für Sex halten, aber weder erfahren sie dabei ihren Körper noch irgendetwas, was annähernd mit Lust zu tun hat.

Das ist die eine Seite der Medaille. Nun stelle man sich das Ganze noch hoch zehn potenziert durch eine archaische Machokultur vor, in der die Ehre der Umma, des Clans, der Familie und der Männer einzig und allein dadurch bestimmt wird, dass Frauen nicht selbst über ihren Körper verfügen dürfen. Man stelle sich vor, dass Menschen mit dieser Sozialisation in Gegenden der Welt verpflanzt werden, wo ihre Auffassung nicht der Fall ist. Wo Frauen selbst entscheiden können, mit wem sie Sex haben und mit wem nicht. Diese Frauen sind nichts als ehrlose Schlampen, nicht schade drum, bitteschön, bedient euch!

Wie sehr sich meine Einschätzung von der alltäglichen Selbstverständlichkeit sexueller Gewalt gegenüber Frauen bestätigt, wie sehr man den Tätern Verständnis und liebevollste Hilfe entgegenzubringen weiß und wie wenig die Befindlichkeit der Schlampe interessiert, zeigt sich exemplarisch in der „Aktuellen Stunde“ des WDR, wo man über den schockierenden Fall der Gruppenvergewaltigung einer Achtzehnjährigen durch männliche Kinder in Mülheim berichtet.

Die erste Frage: Was geschieht nun mit den Jungs? Also mit den Tätern, selbstverständlich. Fürs erste gibt’s schulfrei, einer ist in Haft, die Familien sind an Nachfragen durch Behörden völlig uninteressiert, ein Fachanwalt für Strafrecht meint, in dem Alter könne man die Werte noch überhaupt nicht verstehen, um die es geht, Strafen und Einsperren bringe sowieso nichts und natürlich bestätigt der Psychologe, die Täter hätten alle weder Respekt noch Liebe erfahren.

Aber es gibt auch noch gute Nachrichten: Nach über sechs Minuten gibt die Moderatorin, wenn auch widerstrebend zu, man müsse sich ja notgedrungen auch mal mit dem Opfer beschäftigen. Als Kompetenzträger sagt ein Psychologe wörtlich: „…sie wird ein anderes Leben führen, aber das muss nicht schlechter sein, nur anders.“

Das Opfer wird zur Vergewaltigungserlebenden. Wer weiß, wofür es gut ist. Schlecht muss es ja nicht unbedingt gewesen sein.