Ruhe im Puff!

Das Abgleiten in die Prostitution galt in den Siebzigern spätestens mit dem Skandalbuch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ von Christiane F. als die schlimmst mögliche weibliche Karriere.

Warum heute eine bildhübsche, honigblonde junge Arzttochter sich aus Neugier und Abenteuerlust zwei Jahre lang für die Arbeit im Puff entscheidet, erklärt uns Ilan Stephani in ihrem Buch „Lieb und teuer – was ich im Puff über das Leben gelernt habe“ https://www.amazon.de/dp/B071VNZNS7/ref=dp-kindle-redirect?_encoding=UTF8&btkr=1.

Ein Stoff, mit dem feuchte Verlegerträume wahr werden. Freiergemeinden jubelten im Chor:

Na bitte, da sieht man’s doch wieder, Prostitution gibt’s doch mit selbstbestimmten, glücklichen Frauen in besten Arbeitsbedingungen. Die Studentin, die sich für die Knochenarbeit im Imbiss oder Supermarkt zu fein ist, gehört schließlich zur beliebtesten narrativen Freierfolklore.

Es könnte alles so schön sein, wenn die Autorin nicht nach zwei Jahren im Puff nüchtern Bilanz ziehen würde: Prostitution muss verschwinden, denn gute Prostitution gibt es nicht.

Bei RP-Online http://www.rp-online.de/panorama/deutschland/ex-prostituierte-ilan-stephani-ueber-die-arbeit-als-hure-und-ihr-buch-lieb-und-teuer-aid-1.7163936, wo man es der kleinen Nutte offenbar mal so richtig zeigen will, stellt man zunächst unverschämte Fragen wie „Was gefällt Ihnen besser? Puff oder Bordell? Schwanz oder Penis? Ficken oder Sex haben?“ Doch die Autorin reagiert souverän, selbst, als man ihr vorwirft, ihr Erfahrungsbericht sei in Teilen banal. Aber der ganze Sex im Bordell ist letztlich banal, stellt sie fest.

Nachdem Ilan Stephani im Berliner Prostituiertenprojekt „Hydra“ vorstellig wurde und zu ihrem großen Erstaunen festgestellt hat, das Prostituierte ganz normale Frauen sind, wagt sie den Sprung. Ihre Arbeitsbedingungen sind unter den Umständen die bestmöglichen:

Die vornehm als „Hausdame“ bezeichnete Puffmutter hält den Frauen diskret die abgelehnten Freier vom Leib, es herrscht sowohl Kondom- wie Duschzwang, Alkohol wird nicht ausgeschenkt, und um 23:00 ist Ruhe im Puff. Küsse, aber auch bestimmte sexuelle Praktiken wie Analverkehr, BDSM und Ejakulationssudeleien lehnt Ilans prostituiertes Alter Ego „Paula“ grundsätzlich ab. Um an dieser Stelle mal wieder eines der großen Rätsel um die Mythen über weibliche Sexualität zu lösen: Die meisten Frauen lehnen diese Praktiken ab, und zwar weil sie schmerzhaft, demütigend oder ekelerregend sind, auch wenn Pornos naive Konsumenten anderes glauben machen wollen. So genießt die Autorin ein berufliches Umfeld, das sich himmelhoch von der Mehrheit der restlichen rund 400.000 Huren in Deutschland unterscheidet. Doch selbst unter diesen Umständen bleiben Stephani nicht die branchenüblichen Kollateralschäden erspart; eine brutale Vergewaltigung, die sie zunächst verschweigt und auch nicht anzeigt, die Beschimpfung als „Nutte“ einiger Freier kurz vor dem Höhepunkt, und chronische Überstrapazierung der Vaginalschleimhaut sowie wachsende Langeweile bringen sie letztendlich zu der Erkenntnis, dass die Arbeit im Puff wohl doch eher suboptimal sein könnte.

Die Freier, das ist zu erfahren, sehen sich im seltensten Fall als Freier, und wenn man beiläufig erwähnt, man befände sich im Puff, fallen sie vor Schreck fast aus dem Bett. Freier sind immer nur die anderen, und nur die sind auch schlimm. Die Fähigkeit der Freier, sich von der kläglichen Warensituation abzukoppeln, grenzt fast an Schizophrenie: Sie unterstellen der Hure, nicht er, sondern sie habe ihn ausgesucht; nicht er, sondern sie wolle Sex, und sie können sich nicht vorstellen, dass die Hure nur so tut, als interessiere sie irgendwas von dem, was er über sein belangloses Dasein erzählt.

Was in diesem Buch wirklich zu Aha-Erlebnissen führt, ist zweifellos die Schilderung der Reaktionen ihrer unmittelbaren Umwelt auf das Geständnis, dass sie als Prostituierte im Bordell arbeite. Die eigenen Eltern, wohlgemerkt, respektieren ihre Tätigkeit und nehmen offenbar auch die Gefahren, denen ihre Tochter ausgesetzt ist, billigend in Kauf. So läuft das in der Generation Y, alles ist irgendwie gleichwertig, ob Minirock oder Hijab, ob Einserabitur oder Legasthenie, ob Hure oder Quantenphysikerin. Aber während die meistens Männer entsetzt sind, kommt von gleichaltrigen Freundinnen oft genug ein „Daran habe ich auch schon gedacht“.

Ja, man liest richtig, es steht dort wirklich mehrfach. In diesem Sinne außerordentlich erhellend ist die „Döner-Anekdote“ einer Kollegin Stephanis. Auf die Frage, wie sie auf die Idee mit der Prostitution gekommen sei, erzählt diese, wie sie mal einen Mann aus einem Club abgeschleppt hat. Bevor es in ihrer Wohnung zur Sache geht, lädt er sie zum Döner ein. Nachdem es zur Sache gegangen ist, sagt er zu ihr: “Geil. Jetzt hatte ich einen guten Fick für 2,50 Euro“.

Und die Kollegin fühlte sich offenbar weder verletzt, erniedrigt und ausgenutzt, sie sagt dem kranken Arschloch nicht, dass er künftig mit seinem Knie vorliebnehmen möge, nein, sie kam auf die glorreiche Idee, in die Prostitution zu gehen. Stephani stellt fest, was nicht zu übersehen ist: viele junge Frauen haben keine Hemmungen, sich zu prostituieren, weil sie Sex nicht anders als Dienst am Mann kennen lernen. Untersuchungen wie zum Beispiel des Wiener Instituts für sexuelle Gesundheit https://www.welt.de/gesundheit/article123477244/Der-weibliche-Orgasmus-bleibt-voller-Geheimnisse.html

bestätigen, dass Sex für Frauen alles andere als erfüllend ist; die Mehrheit bekommt regelmäßig keinen Höhepunkt, die Mehrheit täuscht ihn ebenso regelmäßig vor. „Frauen lernen von klein auf, sich über ihren sexuellen Wert für Männer zu definieren … dass sie den Mann sexuell erregen, ist längst ihre eigene Sexualität geworden“, resümiert die Autorin.

Das in diesem Sommer in Kraft getretene neue Prostituiertenschutzgesetz kritisiert Stephani scharf als diskriminierend, nutzlos und gefährlich. Die stigmatisierende „Kennkarte“ für die Prostituierte sei für Zwangprostituierte, die diese nicht erhielten, unter Umständen das Todesurteil.

Seit der Legalisierung der Prostitution im Jahr 2002 ist der Markt explodiert. Es gehen zehnmal soviel Männer zu Prostituierten wie vor diesem Zeitpunkt, etwa 1,2 Millionen täglich.

Der Mythos, Prostitution reguliere in irgendeiner Weise das eruptive männliche Triebleben, das laut der Autorin ohnehin nur ein weiterer Mythos ist, ist damit hinfällig. Der Boom der Prostitution, gekoppelt mit der Tatsache, das junge Frauen den Sex im Puff als „ganz normal“ empfinden, weil sie nie Besseres kennen gelernt haben, ist alarmierend. Diese Entwicklungen sind mitnichten ein Indikator für Liberalität und sexuelle Befreiung – sie zeigen eine sexuelle und psychische Verwahrlosung, die in der Geschichte der Menschheit bisher beispiellos ist.

 

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Fa sangue il vino!

 

Ich bin, was Leckereien angeht, zugegebenermaßen mit einem ziemlichen Dachschaden ausgestattet. Ich bin imstande, bei dreißig Grad im Schatten kilometerlang durch Pisa zu schleichen, nur weil es am anderen Ende der Stadt in der Pasticceria „Pisa dolce“ Pistazien-Eclairs gibt, die himmlisch schmecken; und wenn ich das Glück habe, im September in Italien zu weilen, stopfe ich Erdbeertrauben in mich hinein, bis sie mir zu den Ohren herauswachsen. Die uva fragola ist tatsächlich ein Hybrid aus der Erdbeerpflanze und der Weintraube und schmeckt genau so.

Nichts lässt Schlemmerherzen so hoch schlagen wie ein Herbsturlaub in Italien. Die Überfülle nahrhafter Natur rasselt einem beim Wandern buchstäblich um die Füße: In der Lombardei sind jetzt die Edelkastanien reif und man kann sie kiloweise einsammeln. In den waldreichen Gebieten rund um den Lago Maggiore schießen die Pilze wie Pilze aus dem Boden, und meine Freude über die ersten selbst gefundenen funghi porcini, also Steinpilze, ist riesig. Mit vier großen Exemplaren rauscht man von 980 Metern zu Tale. Zu den infrastrukturellen Highlights des Ortes Pino alla Sponda del Lago Maggiore gehört neben dem Postämtchen im über tausend Jahre alten Festungsturm auch ein Handtuchgroßer Lebensmittelladen. Wenn man noch nie selbst gepflückte Pilze in die Pfanne gehauen hat, ist es angebracht, zuvörderst Rat einzuholen. Im Lädchen bildet sich um mich und den Pilzfund rasch ein Ring von Sachverständigen. Ja, diese beiden seien zweifelsfrei Steinpilze, jene hingegen schmecken am besten getrocknet im Risotto; sisi, si puó mangiare, aber am besten nur die Hüte, die Stiele seien zu zäh. Auf die Ratschläge einer italienischen Hausfrau können selbst international ausgezeichnete Küchenchefs bauen.

Und wenn es nur die Maroni und die Pilze wären! Die Toskana wartet jetzt mit ihrer Überfülle von Gartenfrüchten auf; Kürbisse, Paprikaschoten, Zucchini, Auberginen, Bohnen, Trauben, Birnen, und das alles wächst einem quasi in den Mund und kostet so gut wie nichts. Die schmackhaften Küchenkräuter, Oregano, Salbei, Lorbeer und Rosmarin, kann man beim Wandern pflücken. Auch ist die Zeit der Trüffel angebrochen, der schwarzen und der noch feineren weißen. Jetzt hobelt man sie hauchdünn auf alles, was nicht bei drei vom Teller runter ist, Rindercarpaccio, Pastagerichte und sogar auf eine schmackhafte Pizza. Von ignoranten Frevlern wird man gelegentlich gefragt, ob das italienische Speiseeis denn nun wirklich soviel besser sei als das deutsche. Oh. Ja. Die vielen Sorten aus einer echten Gelateria Artigianale sind grandios – ähnlich gutes Eis bekommt man allenfalls noch in Israel.

Überhaupt sind die italienischen Supermärkte hervorragend sortiert, ebenso wie die französischen, und das Angebot an erstklassigen, vorbereiteten Speisen, die man nur noch in die Pfanne werfen muss, ist riesig. Frischer Fisch und Meeresfrüchte sind für experimentierfreudige Hobbyköche jederzeit zu haben. Als ich einmal Dorade mit Kartoffeln vom Blech zubereiten wollte, stieß ich allerdings auf ein unvorhergesehenes Hindernis: Der Fisch war vollkommen intakt. Also absolut noch nicht ausgenommen. Nun, der Hunger war groß und vom Herumstehen wurde das Problem nicht besser. Antje, du kannst das. Ein paar Lockerungsübungen machen, den kleinen, glitschigen Fisch in die Linke, das große, spitze Messer in die Rechte. Na, los, worauf wartest du? Lieber doch erstmal einen Grappa kippen. Nunc est bibendum: Fisch aufschlitzen, die superekligen, megaglitschigen Eingeweide herauskratzen, abspülen, na bitte, geht doch. Gott, war das widerlich! Die toskanische Hofkatze war anderer Meinung und wartete anderntags schon am Morgen auf das abendliche Doradenmassaker.

Die Gefahr, irgendwo in der Toskana ein richtig mieses Essen vorgesetzt zu bekommen, ist relativ gering, da so ein Lokal nicht lange existieren würde. Will man ein gutes toskanisches Menu genießen, würde ich dennoch stets dazu raten, eine kleine Osteria aufzutreiben, die vorwiegend von Einheimischen frequentiert wird. (z.B. Osteria dell’Orto, Via dell’Orto, Florenz). Kennen lernen kann man dort zum mittäglichen Pranzo leckere Crostini, kleine geröstete Weißbrotscheiben mit einer aromatischen Paste aus Hühnerinnereien. Wenn man es schafft, diese Tatsache zu verdrängen, lassen sie sich zutiefst genießen. Eine Portion Pappardelle al cinghiale (Bandnudeln mit Wildschweinragout) ist typisch toskanisch, dazu gibt es fast salzloses Brot, mit dem man den Teller leer wischen kann, damit einem nichts von der schmackhaften Soße entgeht. Dazu trinkt man aus Wassergläsern selbstverständlich einen guten Hauswein – fa sangue il vino, Wein wirkt blutbildend, sagt man in Italien. Selbstverständlich gibt es auch für Vegetarier ein großes, verlockendes Angebot – der Duft des Pastagerichtes mit Trüffeln, das kurz vorbei getragen wird, hängt tatsächlich minutenlang im Raum.

Einen delikaten Abschluss findet das Mittagsmenu mit Cantucci, einer Art Zwieback, der in der jüdischen Küche als Mandelbrot bekannt ist. Er ist hart wie Beton und deshalb tunkt man ihn zur Vermeidung von Gebissschäden in vin santo, einen edlen Süßwein. Wenn Sie nach diesem königlichen Mahl in falscher Tonlage Arien singen und viel Geld für italienische Schuhe ausgeben, hat der Koch alles richtig gemacht.

 

 

Tagliatelle mit Steinpilzen (4 Personen)

 

500 g Tagliatelle

3-4 Steinpilze

250 g Datteltomaten

Olivenöl

1 Knoblauchzehe

Salz, Pfeffer

Die Pilze säubern (nur abreiben, nicht waschen!), das unterste Fußende knapp abschneiden und längs in hauchdünne Scheibchen schneiden. Datteltomaten waschen und vierteln und salzen, Knoblauchzehe pellen und in Scheibchen schneiden. Die Pasta al dente kochen. 3-4 EL Öl in einer Pfanne erhitzen, darin die Pilze schnell zusammen mit dem Knoblauch quasi frittieren, salzen und pfeffern. Die fertige Pasta rasch mit den Pilzen und den Tomaten vermischen.

 

Heiße Maroni

 

Die Maronen mit einem Tuch abwischen und mit einem scharfen Messer am spitzen Ende kreuzweise einschneiden. Bei 180° im Ofen etwa eine Viertelstunde rösten, bis die Schale platzt. In der Mikrowelle dauert es nur drei Minuten. Die Schale vorsichtig von den heißen Früchten pellen und mit einem kühlen Glas Vernaccia di San Gimignano genießen.

 

Dorade mit Kartoffeln vom Blech (2 Personen)

 

1 gr. Dorade

800 g fest kochende Kartoffeln

2-3 EL Olivenöl

Salz, Pfeffer, Knoblauch

1 Zweig Rosmarin

 

Die Kartoffeln schälen, waschen, längs vierteln und in nicht zu dicke Spalten schneiden, abtropfen lassen. Ofen auf 200 ° vorheizen. In einer Schüssel das Öl mit Salz, Pfeffer, gehacktem Knoblauch und Rosmarin mischen, die Kartoffelspalten gut darin wenden. Auf dem Backblech verteilen und im Ofen zehn Minuten vorgaren. Kartoffelblech herausnehmen, etwas Platz für den Fisch schaffen. Die ausgenommene, abgespülte und trockengetupfte Dorade auf den freigewordenen Platz legen und zusammen mit den Kartoffeln noch gut zwanzig Minuten garen.

Kein Ende abzusehen

Gute Neuigkeiten im jüngsten Fall einer schweren sexuellen Straftat von Flüchtlingen: Der Marokkanische Vater zweier minderjähriger Täter greift durch und befiehlt seinen Söhnen, sich der Polizei zu stellen https://www.welt.de/vermischtes/article168261861/Vater-befahl-den-Bestien-von-Rimini-sich-zu-stellen.html?wtrid=socialmedia.socialflow….socialflow_twitter.

Weniger erfreulich die neuesten Entwicklungen im Fall der vergewaltigten und krankenhausreif geschlagenen Joggerin in Leipzig: https://www.welt.de/vermischtes/article168277367/Leipziger-Oberbuergermeister-ruegt-Polizei-fuer-Jogger-Ratschlaege.html, denn dort rät die Polizei explizit dazu, als Frau nicht mehr allein joggen zu gehen. Mit anderen Worten: Das Recht auf Bewegungsfreiheit und körperliche Unversehrtheit für Frauen kann in Leipzig nicht mehr sichergestellt werden.

Wie skrupellos, moralisch verkommen und emotional zurückgeblieben muss ein Mann sein, der einer Frau mit voller Wucht mehrfach ins Gesicht tritt und sie anschließend vergewaltigt? Wie bringt man es mit gerade mal fünfzehn Jahren fertig, im Beisein des Bruders und zweier weiteren Männer, einen Mann schwer zu misshandeln und anschließend dessen Freundin zu vergewaltigen? Diese Fragen muss man sich stellen. Die Antwort pseudolinker Apologeten lässt sich vorweg nehmen: Deutsche Männer machen so was ja auch, und das ist viel schlimmer, weshalb wir uns mal nicht so anstellen sollen. Aber die Qualität der sexuellen Gewaltverbrechen, mit denen wir es mittlerweile fast täglich zu tun haben, ist eine völlig andere. Die gemeinschaftlich begangene und mit dem Handy gefilmte Vergewaltigung, in der vollen Überzeugung, dass das Opfer es so will und verdient hat, häufig sogar noch unter auffallender Inkaufnahme etwaiger Zeugen, ist eine vollkommen neue Dimension.

Selbstverständlich muss der kulturelle und gesellschaftliche Hintergrund der Täter zur Erklärung ihrer Verbrechen herangezogen werden, denn während in Europa die Gleichstellung von Mann und Frau gesetzlich verankert ist, gibt es nun mal Gegenden auf der Welt, wo allein schon der Anspruch von Frauen auf Gleichberechtigung als Schwerverbrechen gilt. Marokko beispielsweise mag für viele Deutsche das Land herrlicher Strandurlaube mit hilfsbereiter und aufgeschlossener Bevölkerung sein. Dennoch ist es auch in marokkanischen Haushalten gang und gäbe, dass Frauen nie ohne Begleitung das Haus verlassen dürfen, über kein Geld verfügen und bei Verfehlungen von den Männern Erziehungsmaßnahmen wie Schläge und Freiheitsberaubungen dulden müssen wie unartige kleine Mädchen. Die Ehre des Mannes und der Familie muss gewahrt bleiben, das ist das oberste Gebot, dem sich jeder unterzuordnen hat. Frauen in Europa, und das weiß vom Maghreb bis zum Hindukusch jeder, haben keine Ehre. Sie laufen praktisch nackt und ohne Erlaubnis des Mannes frei auf der Straße herum, lassen sich ansprechen und, was bei weitem natürlich das Schlimmste ist, haben außerehelichen Sex wann sie wollen und mit wem sie wollen. Wie exzessiv die Gedanken muslimischer Männer aus sexuell repressiven muslimischen Ländern wie z.B. Ägypten um westliche Frauen kreisen, hat Hamed Abdel Samad in seinem ersten Werk „Mein Abschied vom Himmel“ beschrieben.

Hier klaffen nahezu unüberbrückbare kulturelle Abgründe, Abgründe, die auf Jahre dafür sorgen werden, dass derartige Verbrechen nicht mehr aufhören werden. Eine Frau, die sich in einem muslimischen Land ähnlich freizügig verhält wie eine Europäerin, gilt als ehrlos und damit als „Sharmuta“, also als Prostituierte. Allerdings nicht im europäischen Sinne, denn damit ist mitnichten gemeint, dass sie sexuelle Dienstleistungen gegen Geld anbietet. Nein, sie ist sexuell ununterbrochen verfügbar, und zwar für jeden Mann. Jeder Mann hat das Recht, diese  Frau sexuell zu benutzen. Diese für Europäer so fremde Sichtweise offenbart sich sehr gut im Schicksal des ehemaligen Models Waris Dirie, der heutigen UN-Sonderbotschafterin im Kampf gegen die weibliche Genitalverstümmelung. Als sie mit dreizehn Jahren mutterseelenallein durch die somalische Wüste nach Mogadischu floh, versuchte jeder erwachsene Mann, dem sie begegnete, das Kind zu vergewaltigen. Ein Mädchen, das allein und schutzlos ist, hat keine Ehre und hat es somit nicht anders verdient. Darüber hinaus sind die meisten Täter sich ziemlich sicher, dass ihr Verhalten von den Europäerinnen gewollt ist, denn sonst würden sie sich ja kaum so schamlos aufführen.

Umso mehr müssen westliche Frauen bei abweisendem Verhalten gegenüber plumpen sexuellen Übergriffigkeiten mit brutalen körperlichen Attacken rechnen. Die Frustration, dass die Frauen gar nicht so verfügbar sind, wie man seit Jahren dachte und von den bereits in Europa lebenden Freunden immer wieder hörte, wird sich sofort Bahn brechen. Mit diesem völligen Mangel an Empathie und Unrechtsbewusstsein haben europäische Gerichte mittlerweile täglich zu kämpfen.

 

 

 

Die verdammten Hackfressen dieser Erde

Zunächst war es nur ein kleiner Verdacht. Doch Dank Smartphones und Social Media, mit denen bewegte Bilder in Sekundenschnelle um die Welt gehen können, muss man die gewalttätigen Geschehnisse rund um G 20 in Hamburg völlig neu bewerten.

Die Brandstiftungen und Sachbeschädigungen, die Diebstähle und Plünderungen, die Körperverletzungen und der Vandalismus, denen die Hamburger drei Tage lang ausgeliefert waren, wurden sie wirklich von den üblichen Verdächtigen begangen? Von linken Chaoten, Antifa und Kapitalismusgegnern?

Wann immer man nämlich den Gewalttätigen bei ihren Verbrechen live zusehen durfte, war es überdeutlich, dass es unmöglich die Verdammten dieser Erde sein konnten. Eher die verdammten Hackfressen: Junge, gut genährte, kerngesunde Männer und Frauen mit akkuratem Styling und adrettem Haarschnitt in Calvin Klein, G-Star, Nike, Puma und The North Face.

Der Gegensatz zwischen der vermeintlichen Kapitalismuskritik einerseits und den schweineteuren, in südostasiatischen Sweatshops unter unmenschlichsten Bedingungen für Hungerlöhne produzierten Edelklamotten andererseits war auf den Unmengen von Bildmaterial so augenfällig, dass sogar Spiegel-online witzelte: „Kapitalismuskritik“ kann sich nicht jeder leisten.

Prompt schwappte der Shitstorm ehrlicher Entrüstung los. Dem Konsumterror könnte sich schließlich keiner entziehen, hieß es unter anderem. Seither weiß man punktgenau, mit wem man es bei den Marodeuren zu tun hat. Das Lumpenproletariat im Engelsschen Sinne war es jedenfalls nicht. Sondern die wohlstandsverwahrlosten Kids jener bürgerlichen Klasse, die seit Jahrzehnten am meisten vom wachsenden Wohlstand profitiert hat. Es sind die Kinder von Eltern, die mit Biokost und Privatstunden gepampert wurden und denen man zwischen Cellounterricht und Kinderyoga versäumt hat, den Unterschied zwischen Recht und Unrecht beizubringen.

Deren Helikoptereltern, die alle zwei Jahre das neueste energiesparende SUV-Modell vor dem Eigenheim stehen hatten, ihr Äußerstes getan haben, um alles Schlechte dieser Welt von ihrer Brut fern zu halten. Wirkliche Probleme haben sie in ihrem Leben noch nicht gehabt. Es war schließlich schon unzumutbare Härte, wenn sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Schule hätten fahren müssen oder nicht augenblicklich das neueste iPhone bekommen hätten. Und die natürlich die teuersten Klamotten auf den Leib gehängt kriegten, damit sie sich ja nicht ausgegrenzt fühlen. Was überhaupt der Hauptkritikpunkt vieler G 20-Gegner zu sein schien: Man könne andere Länder doch nicht einfach ausgrenzen! Die Welt als großer Kindergarten.

So darf es auch nicht mehr verwundern, wenn eine junge Randaliererin auf dem Gorch-Fock-Wall versucht, zusammen mit ein paar anderen Spinnern eine mexikanische Diplomatenlimousine zu blockieren und sich anschließend aufführt wie eine Zweijährige, als ihr Fahrrad plattgewalzt wird. Das ist die Reaktion einer verwöhnten Göre, die auf dem Spielplatz einem anderen Kind die Schaufel stielt und sich dann wundert, wenn sie sie in die Fresse gehauen bekommt.

Eine gewisse Genugtuung darüber, das sich die Zerstörungswut vor allem in der linken Wohlfühlzone Schanzenviertel und nicht nur in der Elbchaussee ausgetobt hat, darf man den Hamburgern nicht übel nehmen. Bei dieser Gelegenheit hat sich der Rote-Flora-Anwalt Andreas Beuth denn auch bis auf die Knochen blamiert, als er sagte, bei aller Sympathie für solche Aktionen verstünde er nicht, warum sie nicht in Pöseldorf oder Winterhude stattgefunden hätten. Auch die Heuchler, die in feigem vorauseilenden Gehorsam ihre Geschäfte mit „No G 20 – spare our store“ zu sichern versuchten, hat es getroffen, und zwar zurecht, ist doch nur allzu deutlich, dass sie so ihre Hoffnung ausdrücken wollten, es möge doch bitte die „Richtigen“ treffen.

Mitgefühl hat man vor allem mit gänzlich unbeteiligten Schanzenbewohnern, die bei Löschversuchen aus dem Fenster heraus mit Steinen attackiert wurden oder die zusammengeschlagen wurden, wenn sie es wagten, Plünderer zu kritisieren. Bei diesen Antifaschisten kann man das Anti weglassen und es passt.

Als wir in den Siebzigern und Achtzigern gegen Atomkraftwerke, SS 20-Rakten und den Natodoppelbeschluss auf die Straße gingen, trugen wir das, was sich die meisten so eben leisten konnten: Uralte Jeans, deren Entfärbungen und Risse mitnichten aus modischen Gründen schon beim Herstellungsprozess entstanden sind, ausgelatschte Schuhe und Lederjacken vom Flohmarkt sowie Indienblusen, für die man vier Monate das Taschengeld sparen musste, da sie noch direkt  vom Hersteller und mitnichten von H&M kamen. Zum warmhalten gab es im Proseminar selbstgestrickte Pulloverungetüme, oftmals aus mehrfach aufgedröselter Wolle. Modisch gesehen waren wir Endlagerstätten. Die demonstrierenden Schüler und Studenten kamen überwiegend aus einfachsten Verhältnissen. Würde sich die Randalejugend von heute, die in Hamburg drei Tage Party gemacht hat, ein paar Monate im Jahr 1982 herumtreiben müssen, ohne Smartphone, Computer und Youporn, mit einer Briefmarkengroßen Schwarzweißglotze ohne Fernbedienung und fünfzig Mark Kostgeld pro Woche, wäre sie nach ein paar Tagen reif für Muttis Notfalltropfen und den Traumatherapeuten. Und das ist wiederum die gute Nachricht. Menschen, die mit zwölf Jahren noch ohne Muttis Assistenz nicht mal alleine kacken gehen konnten, sind auch nicht in der Lage, gesellschaftliche Veränderungsprozesse zu bewegen.

 

Sie lachen über uns

Vor zehn Jahren machte ich den ersten Versuch, einem Roman zu schreiben. Er hatte einen schockierenden Einstieg, schöne Szenen in der Mitte und erst ein trauriges und dann ein sehr überraschendes Ende. Im Schreiben noch recht ungeübt, fehlten mir im Mittelteil irgendwann etwa zweihundert Seiten Handlung, und ich hatte ein wichtige Lektion gelernt: Eine gute Idee allein macht noch keinen Roman.

Meine größte Furcht allerdings bestand darin, dass auch andere Autoren auf meine brillante Idee verfallen könnten. Und so kam es. Es sind Michel Houllebecq und Boualem Sansal. Ja, auch mein Roman spielt in einer fernen Zukunft, in der Europa einer faschistisch-religiösen Diktatur unterworfen ist. Nur soviel: Die Protagonistin ist eine privilegierte junge Frau, die sogar Abitur machen darf, obwohl das nur sehr wenige Mädchen in ihrem Land möglich ist. Ihr Vater ist Arzt, er verdient gut, nicht zuletzt, weil er Beamter der Regierung ist und bei den öffentlichen Hinrichtungen den Tod feststellen und zu amputierende Gliedmaßen betäuben darf. Die Protagonistin und ihre Freundin stolpern eines Tages über ein Geheimnis: Die Welt, in der sie leben, war nicht immer so, wie sie ist. Aber wie war sie vorher? Und wie kam es dazu, dass in der islamischen Republik Almanya, in der sie leben, keine Frau mehr unverhüllt auf die Straße darf, Mädchen mit vierzehn verheiratet und im St. Pauli-Stadion Menschen per Schwertstreich geköpft werden?

Nun, das schilderte ich anhand der auf dem Dachboden aufgestöberten Tagebücher der Urgroßmutter. Die Muslime im Land wurden immer mehr, die Christen immer weniger, Israel verschwand aus dem nahem Osten und die überlebenden Juden nach dem letzten ungläubigen Land der Welt, das Amrika heißt. Es kam zu immer mehr und immer grausameren Terroranschlägen, bis schließlich ein klerikalfaschistischer Umsturz á la Iran 1979 passierte.

Nicht nur bessere Autoren haben mich inzwischen eingeholt, sondern auch in vielerlei Hinsicht die Realität. Vor zehn Jahren wurde ich noch anderen Autoren und Publizisten als paranoid hingestellt. In der Regel waren das Zeitgenossen, die nicht ihr ganzes Berufsleben in muslimischen Communities verbracht hatten, so wie ich. Inzwischen aber wagt man sogar, meine Bedenken zu teilen: „Wir islamisieren uns schleichend“ schreibt Rainer Haubrich am 16.06.2017 in der „Welt“. Inzwischen geschehen täglich Ungeheuerlichkeiten, für die meine blühende Fantasie einfach nicht ausgereicht hätte: Warum kam ich nicht auf die grandiose Idee, eine von allen guten Geistern verlassene Regierung könnte Millionen – Millionen! – von Menschen aus dem islamischen Kulturkreis einladen, sich in Europa niederzulassen und ihre Großfamilien, nicht selten bestehend aus mehreren Ehefrauen und fünfzehn Kindern, mitzubringen? Und dass von den Ehefrauen auch welche minderjährig und Verwandte ersten Grades sein könnten, was aber völlig in Ordnung ist, wie Ahmet Toprak bereits beschrieben hat („Was für Kinderehen spricht“, Zeit-online, 04.11.2016). Dass in der amerikanischen Teen-Vogue die Hirne verblödeter junger Frauen damit noch einige Grade weiter vernebelt werden könnten, weil sich man dort neuerdings nicht mehr über Lippenstifte, sondern über die Segnungen der Scharia ausschwurbelt http://www.teenvogue.com/story/march-against-sharia-countering-hateful-speech.

Dass sich Tausende – Tausende! – von amerikanischen Frauen unter der Oberhoheit einer islamischen Populistin dazu hergeben würden, unter Bildern von mit den Stars-and-Stripes verschleierten Weibern gegen ihren Präsidenten zu demonstrieren? Ehrlich, das hat nicht mal Donald Trump verdient.

Oder dass man Schülerinnen des Schiller-Gymnasiums in Bautzen bei einem Besuch im Asylbewerberheim allen Ernstes dazu auffordern würde, dort nicht in schulterfreien Tops und Miniröcken zu erscheinen? Schließlich seien sie dort ja „nur zu Gast“. Ich war in diesem Leben auch schon das eine oder andere Mal zu Gast, und daher kann ich unumwunden folgenden Sachverhalt feststellen: Wenn ich als steuerzahlende Staatsbürgerin in ein staatlich finanziertes Asylbewerberheim gehe, dann bin ich dort nicht der Gast, sondern die Gastgeberin; diejenige, die Unterkunft, Kleidung, Ausbildung, Freizeitgestaltung, medizinische Versorgung und den Zahnersatz mitbezahlt. Das Grundgesetz garantiert mir, dass ich meinen eigenen Beruf und Ehepartner wählen kann, dass ich ein Recht auf freie Ausübung meiner Sexualität und auf Unversehrtheit in der Öffentlichkeit habe und dass ich mich kleiden kann, wie es mir Verdammtnochmal passt. Das hat jeder zu akzeptieren, ohne Wenn und Aber, und wenn er oder sie hundertmal mein Gast ist.

Dabei spielt es möglicherweise schon bald keine Rolle mehr, welche Rechte das Grundgesetz den Frauen in diesem Land garantiert. Die Sicherheit für Frauen ist aus dem öffentlichen Raum verschwunden. Keine Großveranstaltung mehr, wo nicht Hundertschaften von Polizisten notgeile und eventuell bewaffnete Männerhorden in Schach halten müssen, doppelt enthemmt durch Drogen, Alkohol und die Tatsache, dass die Familie, der Vater, der Onkel und der Imam tausende von Kilometern weit weg sind und ihnen all das nicht verbieten können. Es geschehen Tag für Tag für Tag sexuelle Gewaltverbrechen, angefangen bei Beleidigungen und Belästigungen, über Vergewaltigungen und Körperverletzungen bis hin zu Morden. Zum ersten Mal in meinem Leben sehe ich mich jedes Mal um, wenn ich auf der Rolltreppe stehe, wenn ich Treppen hinunter gehe, dicht an einer befahrenen Straße oder auf dem Bahnsteig stehe. Ich sehe mich um, ob eventuell jemand hinter mir steht, der vorhat, mich zu verletzen oder der meinen Totschlag billigend in Kauf nimmt. Und ich habe zum ersten Mal seit etwa zwanzig Jahren wieder richtig Angst vor sexuellen Übergriffen.

Wie gesagt, ich war lange in muslimischen Communities zuhause. Wenn Sie wissen wollen, was man dort über die dekadente westliche Zivilisation denkt, will ich es gern verraten: Die Männer sind schwanzlose, ehrlose Weicheier. Die Frauen sind alle Huren, jeder darf sie haben. Wenn, wie Behördenmitarbeiterinnen schon berichtet haben, Asylbewerber vor ihnen im Amtszimmer zu masturbieren beginnen, dann, weil sie davon ausgehen, dass das völlig in Ordnung ist und dass sie das auch dürfen. Deutsche Frauen wollen das so, dass hat Cousin Ali schon vor einem halben Jahr nach Jalalabad durchgesimst. Und die deutsche rückgratlose Ranschmeißerei an den Islam, das Einknicken vor Imamen und Religionsbehörden und das vorauseilende Schweinefleischverbot in Kindergärten sind für Muslime ein Witz. Sie lachen über unsere Schwäche, unsere Blödheit und unsere Naivität. Wir erfüllen jedes Vorurteil, dass sie über ungläubige Dhimmis wie uns haben. Und glauben Sie mir, sie haben eine Menge davon. Falls Sie es noch nicht wussten: Dafür sorgt man schon in den Moscheen in der Heimat, und Propagandafilme, die im Nahen Osten produziert werden, prägen das Bild des verderbten Kontinents der moralisch verkommenen Ungläubigen.

In jedem Staat der Welt, in dem ein steter Zuwachs des muslimischen Bevölkerungsanteils nachzuweisen ist, bis dieser die Mehrheit darstellt, herrscht früher oder später der Islam und die auf ihm fußende Gesetzgebung, die Scharia. Das ist eine historische und demographische Tatsache. Wenn wir es vor lauter Toleranzbesoffenheit nicht mehr schaffen, uns auf unsere Werte zu besinnen und diese mit aller Stärke zu verteidigen, sind die Freiheit des Individuums, die Demokratie, die Aufklärung und der Säkularismus irgendwann nur noch eine Fußnote der europäischen Geschichte.

 

Vier Nächte neben der Kameliendame

Ende April ist der Flieder in Paris schon verblüht. Dennoch ist es kalt, bitter kalt, als ich zum ersten Mal den Montmartre erklimme. Es ist still wie in einem französischen Dorf und zehnmal pariserischer, als ich es mir je vorgestellt habe. Die Häuser sehen aus, wie von van Gogh gemalt, und in der Tat, hier in der Rue Lepic hat er gewohnt. Mühelos erkennt man augenblicklich den Place du Tertre wieder. Im Mittelalter standen hier die Galgen, später saß dort Gene Kelly und mimte einen armen Maler in „Ein Amerikaner in Paris“. Neben Fred Astaire sehe er sowieso immer aus wie ein steppender Fernfahrer, soll er mal gesagt haben. Weiß schimmern die Kuppeln von Sacré-Cœur hinter den Gassen hervor, zum weinen schön. Eine Handvoll Touristen bibbert vor der grandiosen Aussicht hinunter auf die Stadt an der Seine, in der so viele Romanfiguren herumspuken, so viele Filme gedreht wurden, so viele Kunstwerke entstanden sind, dass man als Erstlingstouristin gar nicht weiß, wo man am besten anfängt.

Am nächsten Morgen ist es immer noch saukalt, und ich fange einfach an. Auf dem Friedhof von Montmartre. Er liegt direkt unter meinem Hotelfenster, und ich kann auf die Gräber von Legenden sehen. Die Kameliendame liegt hier, die Edelhure, die mit dreiundzwanzig an Tuberkulose starb und deren kurzem Leben man ein herrliches Drama, mehrere Filme, Ballette und Opern zu verdanken hat. Alexandre Dumas d.J., der Schöpfer ihres Mythos und ihr Liebhaber, ist gleichfalls hier bestattet. Ihr Marmorschrein ist mit Lippenstiftkussmündern bedeckt, sie rührt noch immer. Auch François Truffaut suche ich auf. Briefe und Zeichnungen liegen auf der schwarzen Steinplatte: Merci, Maître. Dem kann ich mich nur anschließen. Und dann natürlich Heinrich Heine. Gut, dass er schon lange tot ist, denn zu seinen Lebzeiten wäre ich ihm hoffnungslos verfallen. Wie kann man einen Mann nicht lieben, der so herrliche Sätze schrieb, wie den über die Engländerin in Italien, die „wie eine Fettlawine über die Alpen gerutscht“ sei?

Katzen streifen zwischen den Gräbern umher, die einzigen, die wir in Paris sehen. Bisher war es still und friedvoll. Beim Bummel hinunter zum Marais wird es wimmelig und laut. Der Verkehr ist unglaublich. Man ist froh über jeden Ort zum Erholen. Auf vielen Plätzen entzücken violett blühende Jacarandabäume. Paris ist voll von wunderschönen, gepflegten Parks mit herrlichen Blumenrabatten. Alle haben etwas davon, Touristen wie Bürger, jeder kann das Grün, die Ruhe, die Blütenpracht und die Düfte genießen. Wenn man da an den vernachlässigten Hamburger Alsterpark und den verkommenen Stadtpark denkt, wo das einzig Farbige die Warnschilder für Rattengift sind, möchte man vor Scham im Boden versinken. Parkwächter führen hier ein strenges Regiment, ein Trillerpfeifenstoß scheucht eine Gruppe von holländischen Mädchen auf, die sich verbotenerweise vor eine rosa Tulpenrabatte niedergelassen haben. Auf einer Fußgängerbrücke über die Seine wird illegalen Anglern das Handwerk gelegt: Zwei Polizisten schütten das Wasser aus den Eimern, werfen die Fische weg, zerschneiden den Eimer. Die südländischen Angler stehen daneben und sehen dem gründlichen Zerstörungswerk ganz ruhig zu. Andererseits ist nicht zu begreifen, dass in der Innenstadt Familien auf der Straße nächtigen, auf einer Matratze auf den Boulevards, direkt neben dem Verkehr, zusammen mit kleinen Kindern, sogar Babys. Ein Pappschild daneben: Famille syrienne. Überall streifen schwer bewaffnete Einsatzkräfte in Dreiergruppen durch die Stadt, sie stehen mitnichten gelangweilt in der Gegend herum, wie bei uns, sondern sie pirschen durch die Menge wie GI’s im Dschungel auf der Suche nach dem Vietcong. Europa ist im Krieg, und es hat ein Jahrzehnt und etliche hundert Tote gebraucht, bis Europa das begriffen hat. Während wir es uns im „La Coupole“ bei überbackenem Spargel, Huhn mit Pilzen, einer mit Blattgold bestreuten Mokka-Caramel-Schweinerei und einer Flasche vorzüglichstem Elsässer Riesling wohl sein lassen, stirbt auf den Champs Élysées ein Polizist bei einem Terroranschlag. Wegen der Wahl am Sonntag gilt die höchste Sicherheitsstufe. Sie ist vonnöten.

Vier Tage Paris: Endlose Avenuen und riesige Paläste, das grandiose Versailles und sein wunderbarer Park, Notre Dame und Erinnerungen an Anthony Quinn, wie er als Quasimodo die Lollobrigida in die Luft stemmte und „Asyl!“ dazu schrie, grandiose Vorlage für die Regisseure von zahllosen minderwertigen Historienschinken; das malerische Quartier Latin und der herrliche Jardin des Plantes. Kein einziges Museum – erstens laufen sie nicht weg, und zweitens habe ich im Metropolitan Museum in New York so viele van Goghs, Monets, Manets, Renoirs und Cezannes gesehen, dass es eine Weile vorhält. Uneingeschränkt empfehlen kann ich jedenfalls, die Arènes de Lutèce aufzusuchen, dieses kleine Kuriosum von einem wiedergefundenen römischen Amphitheater, das als ältestes Bauwerk der Stadt nunmehr ein Spielplatz für kleine und große Pariser ist. Und eine Fahrt mit dem Riesenrad auf der Place de la Concorde. Die zwölf Euro sind gut angelegt. Und zwar fürs ganze Leben.

 

Normale Pubertätsprobleme

Die Arbeiterwohlfahrt Essen bietet neuerdings Flirtkurse für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge an: http://www.derwesten.de/staedte/essen/junge-fluechtlinge-in-essen-besuchen-kurs-wir-wollen-eine-freundin-doch-die-maedchen-rennen-uns-oft-vor-der-nase-weg-id209844099.htmlv

Wie fast alles, was im Übereifer zur schnellen und reibungslosen Integration von Flüchtlingen geschieht, zeugt auch diese Initiative von fundamentalem Unwissen über muslimische Werte und die bitteren Tatsachen der muslimischen Alltagswelt. Wie bekomme ich eine Freundin, wie funktioniert Verhütung – wer glaubt, dies seien normale Pubertätsprobleme in Afghanistan oder Somalia, den Ländern, aus denen die Kursteilnehmer kommen, der hat vermutlich auch Heinzelmännchen hinter dem Geräteschuppen.

„Dass Sex vor der Ehe nicht überall ein Tabu ist, sondern auch etwas mit ihrer persönlichen und der Haltung von Deutschland zu tun hat, können sie hier lernen und dazu Fragen stellen“. Ein Tabu? Sex vor der Ehe, auf arabisch „zina“ genannt, ist in den Herkunftsländern kein Tabu, sondern ein Verbrechen, das im worst case scenario sogar mit dem Tod betraft wird. Ein Verbrechen also nicht nur im Hindukusch, sondern auch in den beliebten Urlaubsländern Tunesien, Marokko oder Ägypten. Eine Freundin oder gar vorehelichen Sex zu haben, ist dort schlicht nicht vorgesehen. Die Jugendlichen, die in ihren Herkunftsländern in regelrechter sexueller Verelendung vor sich hinvegetieren, können Sex allenfalls mit Touristinnen oder Prostituierten haben. Das gilt selbstverständlich ausschließlich für junge Männer. In Ägypten hat man auch eine elegante Lösung gefunden, diese Klippe zu umschiffen: Für einen geringen Geldbetrag kann man durch einen Imam eine Orfi- oder Kurzzeitehe schließen, um beispielsweise mit dem Urlaubslover ein Hotelzimmer zu bekommen. Da ohnehin jeder weiß, worum es dabei geht, wird diese Bescheinigung auch treffend „fucking-paper“ genannt. Selbst im Iran, wo man schon sechzehnjährige Vergewaltigungsopfer wegen „zina“ am Baukran aufgehängt hat, ist eine solche „Sighe“ genannte Zeitehe möglich. Westliche Journalistinnen wie Kate Millet oder Oriana Fallaci mussten sich für Interviews mit iranischen Politikern und Geistlichen vorübergehend zwangsverehelichen lassen.

Dass muslimischen Jugendlichen in Deutschland nicht nur Lebensunterhalt, Unterkunft, Ausbildung und medizinische Versorgung angeboten wird, sondern auch noch Unterstützung, um sich bei den indigenen Frauen zu bedienen, zeigt den Männern einmal mehr, wie kacknaiv diese Deutschen sein müssen.

Ich habe einen soliden und praktikablen Gegenvorschlag: Flirtkurse für junge muslimische Frauen. Alles, was Frau braucht, um sich einen knackigen Ungläubigen zu angeln: Wie booste ich meine Möpse von nicht vorhanden auf 80 C? Ab wann ist mein Ausschnitt nicht mehr sexy, sondern schon ordinär? Bin ich schon eine Prostituierte, wenn ich ihn nach der Uhrzeit frage, so wie zu Hause? Gehe ich nach dem Date mit zu ihm oder er mit in die Erstaufnahmeunterkunft? Fragen Sie Frau Antje! Arbeiterwohlfahrt Hamburg und Diakonie können sich jederzeit an mich wenden.