Stolpern sollte wehtun

„In Hamburg sah ich die erschreckendsten, bedrückendsten Dinge, die ich je zu Gesicht bekommen hatte – mit Davidsternen und dem Wort ‚Jude’ bemalte Geschäfte, hinter halbleeren Ladentischen verstörte Menschen, die sich ängstlich duckten, als wüssten sie nicht, was sie getroffen hatte und aus welcher Richtung der nächste Schlag kommen würde. Seit meiner Bar Mizwa war ich mir nicht mehr so sehr bewusst gewesen, dass ich Jude war. Es war das erste Mal, seit ich Masern gehabt hatte, dass ich mich zu krank fühlte, um zu essen.“

Diese gar nicht lustigen Worte stammen von keinem geringeren Zeitzeugen als Adolph Arthur Marx, seinen Fans weitaus besser bekannt als Harpo – dem stummen Marx Brother mit der Harfe, der blonden Wuschelperücke und dem schäbigen Trenchcoat.

Etwas, das mich aufhorchen ließ. In Hamburg halten sich absurde Mythen über die Nazizeit besonders hartnäckig. Zum Beispiel dieser: Die Jugendstil- und Gründerzeitvillen in den vornehmen Stadtvierteln Harvestehude und Blankenese seien von Fliegerangriffen verschont geblieben, weil ihre früheren Besitzer Juden gewesen seien. Ein anderer heißt bis heute: Hier war ja alles gar nicht so schlimm wie anderswo. Mit solchen Lügen sind viele Hamburger der Nachkriegsgeneration ganz selbstverständlich aufgewachsen. Mit dreizehn Jahren war eines meiner Lieblingsbücher das Tagebuch der Anne Frank. Aber dieses Buch war für mich damals eigentlich nicht anders als „Die Kinder von Bullerbü“ oder „Hanni und Nanni“. Dass die Familie Frank sich nicht in einem bizarren Abenteuerurlaub befand, sondern sich vor ihren künftigen Mördern verstecken musste, war mir zwar bewusst, doch ich vermied es stets feige, die letzten Tagebuchseiten zu lesen. Und was danach kam, wollte ich lieber gar nicht so genau wissen. Als ich später in den Schilderungen einer Bergen-Belsen-Überlebenden las, dass sie in der gleichen Baracke untergebracht war, in der auch die Schwestern Frank starben, bekam ich einen regelrechten Schock. Eine bemerkenswerte Verdrängungsleistung, aber im Kleinen ein Abbild des typisch hanseatischen Umganges mit der jüngsten Geschichte.

Von der Schultüte bis zum Abitur waren die Informationen, die wir in den siebziger Jahren über Kultur und Religion des Judentums bekamen, gleich null. Dafür bekamen wir Stürmerpropaganda reinsten Wassers serviert. Ohne, dass dies irgendjemandem aufgefallen wäre. Unser Bild von den Juden unterschied sich kaum von dem unserer Eltern und Großeltern. Kein Wunder, bei den Quellen, die im Unterricht herangezogen wurden. Der pädagogische Nutzen von antisemitischen Karikaturen ist fragwürdig, solange nicht die entsprechende Pädagogik dahinter steht. Ein Lehrer berichtete einmal ein launig, die Nazis seien besessen von der Idee gewesen, man könne die Juden schon an der Form ihrer Nase erkennen. Zu diesem Zweck malte er mehrere Nasenformen an die Tafel. Unnötig zu erwähnen, dass wir vierzehnjährigen dummen Gören anschließend unsere Nasen gegenseitig auf jüdische Herkunft prüften. Von einem Dokumentarfilm, den wir damals mit der Klasse besuchten, ist mir nur diese Szene in Erinnerung geblieben: Einer Gruppe, hieß es dort, hätte Hitlers Hass besonders gegolten. Kunstpause, Kameraschwenk: Den Juden. Es folgten Aufnahmen aus osteuropäischen Ghettos. Gedreht von Nazifilmemachern zu dem Zweck, Juden als Untermenschen zu präsentieren und propagandistisch ihre Vernichtung vorzubereiten. Es waren diese Bilder, die sich Dank dieser Pädagogik in meiner Generation einstellten, wenn das Wort Jude fiel. Juden waren Opfer. Eine positive Annäherung an das Judentum in irgendeiner Form fand dagegen nicht statt.

Im Jahr 1986 endlich, über vierzig Jahre nach Kriegsende und lange nach meiner Einschulung, eröffnete in der ehemaligen Talmud-Tora-Realschule am Grindelhof die Ausstellung Ehemals in Hamburg zuhause –  Jüdisches Leben am Grindel. Erst da begann in Hamburg die Erinnerungskultur. Ich erfuhr als Studentin zum ersten Mal, dass ich mich täglich dort aufhielt, wo einmal das Herz der jüdischen Gemeinde geschlagen hatte. Die Geschichte der Juden von Hamburg, Wandsbek und Altona wurde mein Diplomprüfungsthema. Ein Novum, da von keinem Kandidaten vor mir je gewählt. In der mündlichen Prüfung stellte sich heraus, dass der Professor für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte keine blasse Ahnung von der Materie hatte – etwa zwei Drittel seiner Prüfungsfragen bezogen sich mangels fundierter Kenntnisse ausgerechnet auf den antisemitischen Film Jud Süß. Ein weiterer Pädagoge, der seinem Bildungsauftrag nicht ohne Zuhilfenahme von Nazipropaganda nachkommen konnte.

Viele Hamburger Plätze und Straßen wurden inzwischen nach ehemaligen jüdischen Bürgern benannt und hunderte von Stolpersteinen verlegt. Das Wachhalten der Erinnerung ist fraglos ein wichtiger Teil der Aufarbeitung. Aber ein wenig fühlt sich das Gehen auf Stolpersteinen doch so an, wie es im amerikanischen Bühnenerfolg Jewtopia von Bryan Fogel und Sam Wolfson formuliert wird: Viele Straßen sind nach Juden benannt, damit die Deutschen immer noch auf ihnen herumtrampeln können. Das offenbart sich auf besonders schmerzliche Weise am Grindel, der heute seine Wiedergeburt als jüdisches Viertel feiert. Unlängst nahm ich dort an einer Veranstaltung teil, einer Art kulinarischer Stadtführung. Es war informativ und obendrein lecker, aber man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass man in Hamburg irgendwie stolz ist auf seine toten Juden. Nirgendwo liegen so viele Stolpersteine wie hier im Grindel, informierte man uns aufgeräumt. Aber diese täuschen nun einmal nicht darüber hinweg, dass die jüdischen Kinder Polizeischutz auf dem Weg zur Joseph-Carlebach-Schule brauchen und die Synagoge immer bewacht werden muss. In Israel erfahre ich nie etwas anderes als unverhohlene Freude über Touristen aus Deutschland. Ich erlebe sehr rührende Momente, wenn Israelis mich auf Deutsch ansprechen und sagen, sie hörten und sprächen diese Sprache so gern. Dann komme nicht umhin zu denken: Stolpern sollte mehr wehtun.

 

 

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Keine dauerhaften Schäden

Niemand würde es Ihnen wünschen, aber stellen sie sich mal Folgendes vor: Sie sind eine Frau und kommen im Morgengrauen nach Hause. Ihr Lebensgefährte reißt darob die Dreifachsteckdose samt Kabel aus der Wand und schlägt damit auf Sie ein. Und zwar lange. Dann zerrt er Sie zum Bett, kniet sich auf Ihre Oberschenkel und würgt Sie, bis Ihnen schwindelig wird. Da ihm das noch nicht reicht, würgt er Sie mit dem Kabel, bis Sie das Bewusstsein verlieren.

Daraufhin verpasst Ihnen Ihr Lebensgefährte solange Ohrfeigen, bis Sie wieder zu sich kommen. Um Sie dann erneut solange zu würgen, bis Sie das Bewusstsein verlieren. Er foltert sie auf diese Weise über Stunden weiter. Zwischendurch schreit er, dass er Sie umbringen wird. Oder er tritt Ihnen mit dem Fuß ins Gesicht. Nach einigen Stunden werden Sie ins Wohnzimmer geschleift und auf die Couch gesetzt, wo Ihnen Ihr Lebensgefährte in den Mund uriniert. Nachdem er Ihnen noch ein paarmal in die Rippen geboxt hat, lässt er von Ihnen ab.

Ihr Peiniger wird per Haftbefehl gesucht, und endlich nach zwei Jahren festgenommen. Der Grund für seine Wut war übrigens die Tatsache, dass Sie allein in die Disco gegangen sind. Die Staatsanwaltschaft vertritt die Ansicht, Sie hätten keine dauerhaften Schäden erlitten.

https://www.nw.de/lokal/kreis_lippe/detmold/22353608_Brutale-Quaelerei-Detmolder-foltert-Freundin-nach-Diskobesuch.html?fbclid=IwAR2bLiI8R7PnHMzBQ8YGmozoQYz5Qyh3N661VMXzNHn3zifvUkVKAsVPu4s

Stellen Sie sich vor – nicht, dass ich Ihnen dies wünschen würde – Sie seien eine Frau, diesmal minderjährig, und werden hinter dem Wartehäuschen einer Bushaltestelle zweimal vergewaltigt und dann einfach dort liegen gelassen wie Abfall. Stellen Sie sich ferner vor, sie seien später bei der Gerichtsverhandlung zugegen und könnten vor lauter Weinen nicht sprechen. Bei dieser Verhandlung ginge es vorrangig um die psychische Befindlichkeit des Täters, seine traurige Kindheit, seine sieben Voreinträge im Bundeszentralregister und die Tatsache, dass das Gericht ihrem Peiniger trotz siebenfach verletzten Bewährungsauflagen eine günstige Sozialprognose erstellt und er wiederum mit einer Bewährungsstrafe belohnt wird. Stellen Sie sich vor, Sie dürfen anhören, dass Ihrem Vergewaltiger eine stationäre Traumatherapie verordnet wird und die Gerichtkosten erlassen werden. Die Forderungen Ihrer Verteidigung wenigstens nach finanziellem Ausgleich werden komplett ignoriert. Und stellen Sie sich vor, der Richter bäte Sie anschließend, für das Urteil Verständnis zu haben.

https://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.horb-rottweil-maedchen-vergewaltigt-bewaehrung.1d311fec-3041-4ffc-bc03-774c83de12c8.html?fbclid=IwAR1HYXwK1cEc8JeVAfAnpJN_kIHpCvRnGBTVZEbtjCIBrfn3oWSXaP3yFE4

Nicht, dass Ihnen das irgendwer wünschen würde, aber stellen Sie sich vor, sie seien eine Frau und ein Mann wirft sie aufs Bett, zwängt ihren Kopf zwischen die Gitterstäbe und vergewaltigt Sie. Sie wehren sich, sich schreien, dass er aufhören soll. Er ignoriert das. Vier Stunden lang. Sie erleiden dabei im Vaginalbereich so starke Verletzungen, dass Sie zwei Wochen lang nicht richtig laufen können.

Ihr Peiniger wird vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen. Das Gericht attestiert ihm, er habe „nicht gewusst, was er tat“. Da er aus dem türkischen Kulturkreis stamme, sei es naheliegend, dass er das Verbrechen versehentlich für etwas wilderen Sex gehalten habe.

http://www.maz-online.de/Lokales/Brandenburg-Havel/Sex-mit-Gewalt-aber-keine-Vergewaltigung

Kulturrelativisten pflegen Bedenkenträgern angesichts der steigenden Gewaltverbrechen von Geflüchteten gegenüber Frauen gern anzuführen, wie sehr die Frauen in Deutschland auch schon ohne Einwirkung von Asylbewerben zu leiden hätten. Angesichts des Justizalltags in Deutschland ist man fast geneigt, ihnen Recht zu geben.

Wenn derartige Rechtssprechung möglich ist, wundert es nicht, dass so wenige Gewaltverbrechen von Frauen überhaupt angezeigt werden.

Laut Bundeskriminalamt gab es im Jahr 2017 in Hamburg ganze 255 erfasste Fälle von Vergewaltigung und sexueller Nötigung. Laut dem „Notruf für vergewaltigte Frauen e.V.“ dürfte die tatsächliche Anzahl der Fälle um das zehn- bis fünfzehnfache höher sein. Warum bleiben Frauen jahrelang bei gewalttätigen Männern und erzählen anderen, das blaue Auge sei durch einen Treppensturz entstanden? Warum sprechen Frauen nicht über sexuelle Gewalt und warum verdängen sie, dass sie Opfer eines Verbrechens geworden sind?

Weil sie grundsätzlich zuerst denken, sie selbst hätten sich falsch verhalten. Nichts wirkt so nachhaltig wie das Victim-Blaming, das das Opfer sexueller Gewalt an sich selbst vornimmt. Fast jede Frau kennt diesen fatalen Mechanismus. Nicht umsonst gelten Passivität, Opferbereitschaft, Leidensfähigkeit und Unterordnung selbst heute noch als höchst weibliche Tugenden. Wenn ich mein Leben Revue passieren lasse, gab es etwa zehn sexuelle Straftatbestände, die ich nicht zur Anzeige gebracht habe. Schon, weil ich resigniert dachte: Was soll das überhaupt bringen, außer peinlichen Befragungen und, nach einigen Monaten, die Nachricht von der Einstellung des Verfahrens? Seit der Grundschule haben mir andere Frauen und Mädchen Dutzende von Malen von erlittener Sexueller Gewalt erzählt, von Exhibitionismus, Übergrifflichkeiten, erzwungenen sexuellen Handlungen bis hin zu Vergewaltigungen. Nichts davon kam zur Anzeige.

Wenn man sich durch Internetforen für Mädchen und Frauen klickt, ist man fassungslos angesichts der Alltäglichkeit sexueller Gewalt. Deren Schilderung selbst im Schutz der Anonymität fällt den Opfern schon schwer genug. Geradezu alarmierend ist, dass die Opfer meist über so wenig Selbstbewusstsein verfügen, dass sie nicht einmal klar entscheiden können, ob eine sexuelle Handlung gegen ihren Willen vorgenommen wurde oder nicht. Besonders bei jungen Frauen und Mädchen scheint das ein sehr verbreitetes Problem zu sein. Ekeleerrregende oder schmerzhafte Praktiken werden entgegen den eigenen Bedürfnissen zugelassen, weil man den Mann nicht enttäuschen, weil man nicht als „prüde“ oder „zickig“ gelten will. Die Hamburger Psychotherapeutin Sandra Konrad hat sich dieses Themas in ihrem hervorragenden Buch „Das beherrschte Geschlecht. Warum sie will, was er will“

 

angenommen und stellt in ihrer Berufspraxis immer wieder fest, dass junge Frauen glauben, guten Sex gehabt zu haben, wenn sie besonder gut „performed“ hätten. Jahrzehnte der sexuellen Befreiung – und die Frauen von heute sind brav zu gut funktionierenden Pornostars geworden. Kein Wunder, dass explizite sexuelle Gewalt gar nicht so schnell als solche erkannt wird. Meist erst im nachhinein. Und dann ist es zu spät.

„Keine dauerhaften Schäden“ werden dem Opfer des ersten Falles von der Staatsanwaltschaft attestiert. Allen Ernstes. Die Schäden in solchen Fällen, oft eher unspezifisch als Posttraumatische Belastungsstörung bezeichnet, beginnen bei Schlafstörungen und Nervosität, bei Ekel vor dem eigenen Körper und vor Sex und gehen bis zu Sozialphobien, Panikattacken, Depressionen, Selbstverletzungen und, im schlimmsten Fall, Psychosen. Die Schockwirkung durch die Erfahrung, wie der vermeintlich gut bekannte und geliebte Mann aus dem Nichts zum sadistischen Psychopathen wird, ist für die Psyche ein derartiger Notstand, dass nicht selten als spontane Schutzmechanismen Amnesien oder Mutismus (Sprachverlust) auftreten können.

Die Erfahrung schwerer körperlicher und psychischer Gewalt kann einen Menschen so nachhaltig schädigen, dass er für den Rest seines Lebens behindert und oft genug erwerbsunfähig ist. Das ist nichts, was Juristen nicht bekannt ist, zählen derartige psychische Defekte ja zweifellos zu den beliebtesten Begründungen für die milde Bestrafung der Täter. Hingegen scheint man bei allen drei oben geschilderten Fällen davon auszugehen, die Opfer seien mehr oder weniger unbeschadet aus der Sache hervorgegangen. Dies muss den Beobachter ratlos zurücklassen, denn ob diese Beurteilungen durch pure Misogynie oder richterliche Selbstherrlichkeit oder schlicht durch Blödheit zustande kamen, lässt sich nicht ohne weiteres ermitteln. Fest steht, dass die Opfer, die bereits durch die Hölle der Gewalterfahrung gehen mussten, durch die Demütigung der Rechtssprechung für ihren Mut abgestraft werden, die Tat überhaupt zur Anzeige gebracht zu haben. Ein fatales Signal für die Zukunft.

 

Frau Antjes kleiner Grenzverkehr

Mein Mann hat mich für zwei Tage mutterseelenallein am Lago Magiore zurückgelassen. Er muss nachhause und arbeiten gehen, da nützt alles nichts. Und was mache ich so ganz allein und ohne Auto?

Ich gehe Bergwandern.

Wanderstiefel angezogen, Daunenjacke, Notstulle eingepackt und natürlich das Handy. Kurz vor der Schweizer Grenzstation ist ein Pfad, der mich schon immer gelockt hat. Offenbar kommt man auch über die Waldseite in die Schweiz. Mit Wanderzeichen und Wegweiser. Kann nichts schiefgehen.

Unter den Bahngleisen hindurch geht es steil bergan. Sehr steil. Es ist eine dieser mit Flusskieseln gepflasterten Bauernstraßen, die malerisch aussehen, aber mühsam zu gehen sind. Es geht immer bergauf, eine halbe Stunde lang, und ich überlege, ob ich nicht lieber umkehren soll, wenn so nicht das hübsche Dorf drüben in der Schweiz zu erreichen sein sollte. Aber irgendwann bin ich oben, und der Weg nimmt Kurs auf die Schlucht, durch die der Weg führen muss, wenn man oben bei dem in der Sonne leuchtenden Dörfchen ankommen will.

Gut so, jetzt bin ich auf dem richtigen Weg und nichts kann mehr verfrieren. Das Wetter ist typisch italienisches Winterwetter, wie es hier in der Lombardei ist: Klar und kalt, mit leuchtendem Sonnenschein, der noch richtig wärmen kann.

Hinter der nächsten Biegung wird der vormals breite Fußpfad nur noch ein schmales Pfädchen und es geht scharf am Rande einer tiefen Schlucht entlang. Hier muss man schon ein bisschen aufpassen, richtig zuzutreten. Man muss nur richtig hingucken und sich notfalls an Ästen und Wurzeln festhalten, dann kann eigentlich gar nichts passieren.

Und wenn doch was passiert? Dann schlittert man hier hunderte von Metern den Abhang herunter. Gut, dass ich das Handy dabeihabe, man weiß ja nie. Obwohl, ob man nach einer derartigen Schlitterpartie noch zum Telefonieren in der Lage ist? Und wie ist überhaupt der italienische Notruf? 112, so wie bei uns? Und in der Schweiz? Keine Ahnung.

Ach komm schon – was soll dir schon geschehen. Mittlerweile geht es recht steil wieder bergab, der Pfad wird durch Geröll und knochentrockene Kastanienblätter immer rutschiger. Offenbar schlittere ich auf eine tiefe Schlucht zu und richtig, ich höre schon das Wasser rauschen. Das muss der Grenzbach sein.

Das Terrain wird leider immer unwegsamer. Im Oktober hat es diverse Stürme, Starkregen und Hochwasser gegeben. Innerhalb von wenigen Stunden wurden die Flüsse in der Gegend von sanft murmelnden Bächlein zu gefährlich hohen Wildwassern, und in den Wäldern stürzten nicht nur tote Bäume um.

Da raschelt was!

Der Lago Maggiore ist zwar ein hervorragend erschlossenes Feriengebiet, aber die fantastischen Wälder, die ihn umgeben, werden nach wie vor nach den Gesetzen des Dschungels regiert. Noch nie war mir das so klar wie im Herbst, als ich zum ersten Mal einen Hirsch röhren hörte: Jurassic Park! Es gibt nicht nur Rehwild, auch grunzende wühlende Wildschweine, Schlangen, die einem wie ein Stück Gartenschlauch plötzlich vor die Füße plauzen, Füchse, die man beim Sonnen auf Lichtungen überrascht.

Nein, da war doch nichts. Plötzlich wird mir klar, dass ich keine Ahnung mehr habe, ob ich noch auf dem richtigen Weg bin. Überall blockiert Totholz den Weg, ich muss klettern und steigen und komme nur noch im Schneckentempo voran, bis ich endlich wieder ein Wanderzeichen sehe. Zu meinem Schrecken geht es direkt auf den Fluss zu. Tosende Wasserfälle und Wildbäche sind hier gar nichts besonderes und ich habe mir schon öfter beim durchqueren nasse Füße geholt. Das würde notfalls gehen. Aber wozu? Jenseits des Wassers geht es offensichtlich nicht weiter. Und da sehe ich plötzlich, dass es am andren Ufer einen Erdrutsch gegeben hat. Eine Gerölllawine ist jetzt dort, wo ehemals der Wanderweg gewesen sein mag. Wohin er von dort aus führen sollte, ist nicht mehr auszumachen.

Na Klasse, dann muss ich eben wieder zurück. Ich raschele durchs Laub und versuche mich zu erinnern, wie ich in die Schlucht gekommen bin. Von hier? Von dort hinten? Ich muss auf jeden Fall das Wanderzeichen wiederfinden, sonst bin ich aufgeschmissen.

Ach komm schon, denke ich, das sind hier schließlich nicht die Alpen. Und dann fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Natürlich sind das hier die verdammten Alpen! Aber wie soll ich den verdammten Weg wiederfinden? Auf Geratewohl den rutschigen Hang hinaufzuklettern, wäre Wahnsinn.

Was nun? Ich kann weder vor noch zurück! Wie lange bin ich nun schon hier? Ich hole das Handy raus: Entladen!

Höchste Zeit für eine solide Panikattacke. Und dann, urplötzlich, lerne ich eine wichtige Lektion: Panik muss man sich erstmal leisten können. Das kann ich mir im Augenblick nicht, denn mein Gejammer und Geheule würde im Tosen des Wassers untergehen und mir sowieso nicht weiterhelfen.

Ich versuche erstmal, ruhig zu atmen. In diesem Augenblick sehe ich drüben jenseits des Baches, dass dort in der Tat ein Wanderpfad den Berg hochgeht. Er war vorher nicht zu sehen gewesen. Ich muss die Flucht nach vorn antreten, koste es, was es wolle. Ich suche mir eine gute Stelle am Bach und komme mühelos hinüber, auch wenn mir die Knie zittern. Jetzt die Gerölllawine. Ich kraxele entschlossen hoch und halte mich fest, wo es nichts festzuhalten gibt und verdränge pausenlos, dass sie jederzeit wieder ins Rollen kommen kann. An die vier jungen Leute muss ich denken, die beim Wandern in der Negev-Wüste genauso auf tragische Weise ums Leben gekommen sind. Das hier ist nicht die Negevwüste. Nur die Scheiß-Alpen!

Es ist erstaunlich, wozu der Mensch fähig ist, wenn er zum Äußersten getrieben wird. Plötzlich stehe ich auf dem Pfad, der nach oben zum Dorf führt. Meine Erleichterung grenzt an Hysterie. Nur noch ein paar Hundert Meter, und ich bin da, denke ich bester Laune. Da blockiert jäh ein eiserner, hoher Zaum den Weg.

Oh kommt schon, Leute! Bitte! Ernsthaft? Nur, weil hier die blöde Grenze ist? Muss so sein, denn drüben sieht man ein dreieckiges Schild. Mir ist nun schon alles egal, ich habe die Faxen dicke, dann mache ich mich eben des illegalen Grenzübertritts schuldig. Wenn mich einer belangen will, werde ich eben das hilflose Weibchen mimimimen, das soeben knapp dem Tod entronnen ist. Und das ist nicht mal gelogen.

Der Zaun ist überwunden. Aber statt „Dogana – Douane“ steht auf dem Schild „Sentiero chiuso – pericolo!“ (Weg gesperrt – Gefahr!). Das habe ich gemerkt, Weißgott.

Nun bin ich in einem dieser entzückenden Schweizer Bergdörfer, mit seinen grauen Rustici, den Katzen in der Sonne und der alten Lavanderia, dem örtlichen Waschplatz, der bis in die sechziger Jahre hinein genutzt wurde. Ich säubere mich notdürftig von Dreck und Moos, ziehe Dornen aus, wasche mir die Hände, trinke einen Schluck und bin wie neugeboren. Hier bin ich wieder in der Zivilisation, hier wohnen nette, hilfreiche Menschen, vielleicht ungewöhnlich hilfreiche mit Handy, heißem Kaffee und einem Teller Suppe. Notfalls. Aber so entkräftet bin ich doch nicht. Zurück nehme ich den Weg die Straße hinunter und passiere die Grenzstation. Ganz legal.

Am Abend ruft mein Mann an: „Na, was hast Du Schönes gemacht heute?“

„Nichts Besonderes“, entgegne ich. „Bißchen spazieren gegangen.

Gekommen um zu siegen: Laila Mirzos Manifest über die Unvereinbarkeit des Islam mit unserer Kultur

 

Lese ich Dein Buch, liest Du mein Buch: Dieser Tage sandte ich „Tanz im Orientexpress – eine feministische Islamkritik“ nach Linz und erhielt dafür Laila Mirzos vorzügliches Buch „Nur ein schlechter Muslim ist ein guter Muslim – Über die Unvereinbarkeit des Islam mit unserer Kultur“.

Die in Damaskus geborene Autorin, Tochter einer deutschen Mutter und eines syrischen Vaters, den sie selbst als liberal bezeichnet, aufgewachsen auf den Golanhöhen, hat mit diesem Buch keinen Weckruf verfasst. Es ist es vielmehr ein laut schallender Warnschrei.

Wie der Titel vermuten lässt, hält Laila Mirzo sich nicht mit Zwischentönen, Relativierungen oder Einerseits-Andererseits-Abwägungen auf. Ihre Feststellungen sind schriftgewordene Fanfarenklänge. Und nie waren diese so notwendig wie heute, wo im nächsten Monat auf der Konferenz der Vereinten Nationen in Marrakesch der „Globale Pakt für sichere, geordnete und reguläre Migration“ angenommen werden soll.

„Der Islam ist nicht nach Europa gekommen, um nur zu bleiben. Er ist gekommen, um zu siegen“ stellt Mirzo fest und verweist auf die viele Jahrhunderte währende Geschichte der islamischen Eroberung in Europa. So entlarvt sie die angeblich so tolerante Epoche des andalusischen Emirats von Cordoba, dass sich zwar durchaus auch durch wissenschaftliche und geistige Blüte auszeichnete, aber dennoch Juden und Christen nur als Menschen zweiter Klasse duldete, von denen die Muslime Schutzgeld erpressten wie später die Mafia, als Mythos der Islamapologeten.

„Intellektuell ist der islamische Kulturkreis ein Fall für den Insolvenzverwalter“, so lautet eine von vielen herrlichen Formulierungen. Die Ausbreitung des Islam, seine zunehmende Machtentfaltung sieht Mirzo schlicht als „die größte Bedrohung des Friedens in Europa seit dem Ende des kalten Krieges“. Der Islam sei keineswegs hierhergekommen, um sich anzupassen, sondern um Europa zu bevölkern.

Die Autorin lässt keinen Zweifel daran, dass die Gefahr einer Entwicklung hin zum nächsten europäischen Kalifat unter Umständen nur eine Frage der Zeit sein kann: „Europa wird nicht länger Teil der freien Welt sein.“ Erdrückend geradezu, wenn Mirzo in diesem Zusammenhang zurecht die rasante religiöse Umwälzung der Türkei erwähnt: „Die Türkei unter Recep Tayyip Erdoğan ist das Paradebeispiel für das Scheitern des Islam, die Unfähigkeit, sich an die Moderne anzupassen.“ Ein Mahnendes Menetekel für Europa!

Das Buch warnt dringend vor falsch verstandener Toleranz und Unkenntnis über den Islam und klärt umfassend darüber auf, dass die Scharia, das muslimische Rechtsverständnis, längst Eingang in Europa gefunden hat. Wenn Kinderehen geduldet werden, ebenso wie Kopftücher in Schulen und in der Werbung, wenn hingenommen wird, dass muslimische Männer Frauen den Handschlag verweigern, wenn deutsche Gerichte die Verbrechen muslimischer Täter als „kulturell bedingt“ entschuldigen und dementsprechend mildere Strafen verhängen, haben wir es in unserem Land nicht mit dem von Aydan Özuğus angedrohten täglich neu ausgehandelten Zusammenleben zu tun, sondern mit der Scharia.

Auch die seit der Silvesternacht von 2015 stetig gewachsene Bedrohung der sexuellen Selbstbestimmung von Frauen, die Taharrusch-Rituale, Vergewaltigungen, Totschläge, Messerangriffe und sexuellen Übergriffe und die stetig um sich greifende Verunsicherung sei ganz im Sinne der Scharia. Eine anständige Frau bleibt am besten im Haus, wo ihr nichts passiert (jedenfalls nicht durch fremde Männer) und wo sie in guter orientalischer Tradition sowieso hingehört.

„Die Frauenrechte sind zu einem Kalender geworden, von dem jeden Tag ein Blatt abgerissen wird“. Aber nicht nur der Hass auf Frauen, auch der muslimische Hass auf Juden ist eine ernsthafte Gefahr. Er „braucht aber keinen politischen Konflikt im Hintergrund, im Islam gehört er zum Selbstverständnis“, und die Autorin warnt gar vor der Möglichkeit eines „antisemitischen Flächenbrandes“ und fürchtet, dass die Verleugnung dieser Bedrohung dazu führen könnte, dass der Islam „zu Ende bringen wird, was Eichmann begonnen hat, nämlich Europa „judenfrei“ zu machen.“

Keine leicht verdauliche Lesekost, zweifelsohne. Aber auch keine bloße Zustandsbeschreibung und Warnschrift. Denn eine mögliche Abwendung des Unheils sieht Mirzo durchaus: in der Liberalisierung, Entpolitisierung und Säkularisierung des Islam durch die Muslime selbst.

Und darin, dass Europa aufwacht, umkehrt und sich endlich wieder auf die Werte der Aufklärung besinnt: „Wenn wir in allen öffentlichen Lebensbereichen, wie Schulen, Universitäten, Justiz oder Medien, die Botschaft der Aufklärung und des Humanismus konsequent transportieren würden, würde eine „Islamisierung“ daran abprallen. Sobald wir als Staat und auch als Zivilgesellschaft wieder aktiv hinter unseren demokratischen Grundwerten stehen, ist für den radikalen Islam mit Europa kein Staat zu machen“.

Dennoch verschlingt man das Buch in gierigen Happen. So soll es sein.

 

https://www.amazon.de/Nur-schlechter-Muslim-guter-Unvereinbarkeit-ebook/dp/B07D134S3P/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1543491887&sr=1-1&keywords=laila+mirzo%2C+nur+ein+schlechter+muslim+ist+ein+guter+muslim

 

https://www.amazon.de/Tanz-Orient-Express-Eine-feministische-Islamkritik/dp/3981975502/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1540923854&sr=1-1&keywords=tanz+im+orientexpress+eine+feministische+islamkritik

 

 

Staatspreis für herausragende Leidensfähigkeit

Was Entsetzliches dabei herauskommen kann, wenn Mami ein Leben lang die beste Freundin ist, immer Biobreichen gefüttert, die Kinder bis zur Pubertät aufs Klo begleitet und als Kernkompetenz Mülltrennung vermittelt hat, sehen wir am Beispiel der Jungen SPD Freiburg: https://www.facebook.com/spdfreiburg/?eid=ARDmZMvhW9hESo1cYj3GVXdKMmzMfaLr2v8GaPPisQzoKH91_oDJ0rqpVliFR19uhi4bnNeTevlLOEn_

Der bärtige, bebrillte Hipster, der sympathische Basecapträger mit Überlänge und die rotbezopfte Parkaträgerin, da bin ich sicher, meinen es bestimmt nur ganz, ganz dolle gut.

Ähnlich wie ihr Freiburger Oberbürgermeister Martin Horn pusten sie strunzdämlich ins gleiche Horn. Eine junge Frau wurde auf die denkbar widerwärtigste Art unter Drogen gesetzt und über Stunden von mehrheitlich polizeibekannten syrischen Straftätern vergewaltigt. Die Verbrecher sind als Schutzbefohlene in dieses Land gekommen, wurden behütet, versorgt und alimentiert und bedankten sich bei Land und Bürgern mit Gewalttaten, Drogenhandel und Sexualverbrechen, und den Dorfpolitikern fällt tatsächlich nichts anderes ein, als zu fordern, die Straßen ihrer Stadt nicht den Rechten zu überlassen.

Für die SPD heißt es in dem unsäglich peinlichen Aufruf, sei die sexualisierte Gewalt schon lange ein Thema. Ihre Gedanken seien bei dem Opfer und dessen Familie. Gleichzeitig, so brabbelt der lange Linksaußen grinsend, stelle man sich bei allem Entsetzen gegen rechte Gruppierungen, die versuchten aus diesem Vorfall Kapital zu schlagen.

Merken die eigentlich noch was, oder sind die tatsächlich so doof? Leider ja. Denn dass ihnen dieses Verbrechen am Arsche vorbeigeht und sie die Gelegenheit am Schopf ergreifen, um linkes Kapital (oder was immer sie für links halten) daraus zu schlagen, ist für jeden offensichtlich, der seinen Namen in den Sand kratzen kann. Glücklicherweise sind die Freiburger noch nicht zu dämlich, um dieses kindische Spiel zu durchschauen. Auf facebook brach darob der verdiente Shitstorm aus. Ein besonders authentischer Facebook-Kommentar von einer Frau, von der man sich sofort adoptieren lassen möchte, lautet denn auch:

„Der Hinweis, dass mindestens 40% der Frauen schon mal Opfer einer sexualisierten Straftat wurden und meist Täter aus dem Umfeld beteiligt wären, ist eine Frechheit. Will man so eine Gruppenvergewaltigung schönreden? Die junge Frau hat wohl keine Ahnung wovon Sie spricht.Das Empathielose herunterrattern des Textes hätte ebenso gut von Siri verlesen werden können, oder der junge Mann die Hände aus den Hosentaschen nehmen können.Schämt ihr euch gar nicht? Ihr seid eine Schande für jeden mitfühlenden Menschen!

Und da legt sie den Finger auch wirklich direkt in die Wunde.

In Indien, einem Land, das nicht gerade durch hohe Wertschätzung von Frauen bekannt ist, gingen nach ähnlichen Verbrechen Massen von Menschen auf die Straße, um gegen das zu protestieren, worum es wirklich geht: Sexuelle Gewalt gegen Frauen. https://www.sueddeutsche.de/thema/Vergewaltigung_in_Indien.

In Italien schlug die römische Bürgermeisterin Virginia Raggi vor, am Tag der Staatsbeerdigung der sechzehnjährigen Desirée Mariottini, des Opfers der Gruppenvergewaltigung und Ermordung vom 19. Oktober 2018, einen Trauertag zu verhängen.

https://www.ilmessaggero.it/italia/desiree_raggi_giorno_funerali_lutto_cittadino-4063599.html

In Deutschland hingegen versagte man selbst den Opfern des Terroranschlags vom Breitscheidplatz den Respekt. Von den Opfern krimineller Asylbewerber, wie Maria in Freiburg, Mia in Kandel und etlichen anderen gar nicht erst zu reden. Für die Eltern der bestialisch zu Tode gequälten Maria gab es sogar den ersten Staatspreis für angewandtes Märtyrertum und besondere Leidensfähigkeit. Von einer Frau im TV-Bürgerdialog auf die prekäre Sicherheitslage für Frauen in der Öffentlichkeit hingewiesen, bügelte Kanzlerin Angela Merkel diese zurecht vorhandenen Sorgen rüde mit einem „Vergewaltigungen gabs ja auch schon vorher“ ab.

Als die Alliierten fassungslos vor dem Grauen von Auschwitz, Treblinka und Bergen-Belsen standen, erhoben sie zurecht die Frage, wie es nur sein konnte, dass das Volk der Dichter und Denker, das Land, das Kant und Hegel, Goethe und Schiller, Bach und Händel hervorgebracht hat, nur zu solch beispielloser Grausamkeit fähig sein konnte. Mit nationalistischem und rassistischen Größenwahn und dem berühmten preußischen Kadavergehorsam allein war das Unfassbare nicht zu erklären. Aber bei einer Ursache war man sich recht schnell einig. Hitlers willige Vollstrecker zeichnete vor allem eines aus: Die völlige Unfähigkeit zum Mitleid.

Die #unteilbaren Dichter und Denker

Der Wandsbeker Markt ist das Einkaufsparadies des Hamburger Ostens, des traditonellen Wohngebietes des Proletariats, während in den Villengebieten des Westens, in Blankenese und Othmarschen Unternehmer, Kaufleute und Senatoren hausen.

Meine Urgroßmutter war dort Stammkundin und ein äußerst zäher Besen. Sie, ihre vier Schwestern und zwei Töchter wurden alle über 95 Jahre alt. Sie zog acht Kinder groß, und das mit einem im I. Weltkrieg versehrten Mann, aber dafür ohne Waschmaschine und Geschirrspüler, mit Pumpe auf dem Hof und einem Schwein im Hintergarten. Mit rund siebzig Jahren fuhr sie immer noch mit dem „Rhabarberexpress“, der Straßenbahn, die hinaus nach Bramfeld führte, zum Wandsbeker Markt zu Karstadt und kaufte ein solides hölzernes Waschfass, das sie im Alleingang nach Hause schaffte.

1988 wurde das Einkaufszentrum „Quarree“ am Wandsbeker Markt eröffnet, und seitdem geht es im Sinne des zeittypischen Strukturwandels konsequent bergab. Einzelhandelsgeschäfte mit höherklassigem Warenangebot sind nach und nach verschwunden, Billigboutiquen und Imbissketten herrschen vor, Karstadt verramscht hier die Ware, die der Rest Hamburgs nicht haben will, Buchläden sind geschlossen. Dönerimbisse und Shishalokale beherrschen das Straßenbild. Und, wie könnte es anders sein, ein Drittel der weiblichen Klientel ist verschleiert. Darunter sind Jahr für Jahr mehr deutsche Konvertitinnen zu beobachten, die nicht nur sich selbst, sondern auch minderjährige Töchter in stramme bunte Tücher wickeln.

Das Wandsbeker Quarree passt also wie eh und je zu seiner Klientel wie der Arsch auf den Eimer.

Während in Köln die nächste antisemitische Straftat geschah, https://www.express.de/koeln/wegen-flagge-mit-davidstern-uebergriff-bei-pro-israelischer-mahnwache-in-der-suedstadt-31437790 gingen derweil in Berlin 240.000 Menschen gegen „Rassismus“, „Hass“, und „islamophobe Hetze“ auf die Straße. Sie hinterließen tonnenweise Müll und bei mir die allumfassende Frage: Warum tun sie das?

Gut, zum Teil wird es wohl am unherbstlichen Sommerwetter gelegen haben. Aber dennoch bleibt die Frage, warum man in dem Land, das weltweit die liberalste Einwanderungspolitik hat, dessen Bevölkerung schon bald zu einem Viertel aus Menschen mit Migartionshintergund bestehen wird und wo Kopftuchträgerinnen problemlos ihren Pascha in der nächsten Shishalounge parken können, während sie bei Karstadt für Töchterleins ersten Krabbelgruppenbesuch hübsche bunte Kopftücher kaufen, überhaupt einen Handlungsbedarf hierfür sehen.

Außenminister Heiko Maas überschlug sich vor Begeisterung:“Wir lassen uns nicht spalten“, so hieß das Motto, und zwar von einer Handvoll randrechter Neonazis. Da man den Fall Beate Zschäpe medial schon bis zum Abwinken ausgelutscht hat, soll jetzt ein Haufen Chemnitzer Spinner, die sich „Revolution Chemnitz“ nennen und größenwahnsinnig den „Umsturz“ planten, für Nachschub sorgen. Ach, kommt schon, Leute. Ernsthaft? Ist das ein Grund, sich aufzuführen, als stünde der nächste Reichstagsbrand und der Anschluss Österreichs unmittelbar bevor?

Nein, natürlich nicht. Es geht lediglich um Identitätststiftung und moralische Selbstüberhöhung, wie schon immer. Nichts liebt der Deutsche mehr als sein deutsches Kollektiv. Und so marschierte man denn als #unteilbare Nation fest geschlossen mit Islamisten, grauen Wölfen, Linksfaschisten und Antisemiten im ruhigen, festen Schritt. „Nein zu Hetze gegen Muslime“, war auf Transparenten zu lesen, auch „Omas gegen Rechts“ oder „Einhörner gegen Rassismus“ und, mein persönlicher Favorit „strafverteidiger*innen warnen: strafe schadet der gesellschaft“. Nicht vorenthalten möchte ich auch das folgende schöne Poem aus unserem Land der Dichter und Denker:

#wirsindmehr

wir sind hier

#unteilbar

das Volk sind wir

Nazis, Hools und Pegioten

sind heut in Berlin verboten

#niewiederrechts

ein Kampf mit Ehre

Vielfalt statt Einfalt heißt die Lehre

Hass und Gewalt sind die Gefahr

deshalb die Demo #unteilbar.

Früher haben Politiker noch lange überlegt, ob sie es wirklich riskieren können, sich selbst, die eigene Partei oder die Bundesregierung komplett zum Affen zu machen. Heute gibt es leider Twitter, und Ralle Stegner muss entweder hackedicht gewesen sein oder er ist geistg auf dem Niveau seines Lookalikes https://en.wikipedia.org/wiki/Beaker_(Muppet ) angelangt.

Anders als mit selbstverliebter Toleranzbesoffenheit lässt sich der ganze Irrsinn irgendwie nicht mehr erklären. Die Menschen kennen es ja auch garnicht anders. In der Kita gibt es schon Halalessen und verschleierte Erzieherinnen, in der Grundschule müssen sie sich über Kopftuchmädchen und deren prügelnde Rabaukenbrüder freuen, weil die Lehrer das so wollen. Sie lernen ganz früh, das „Hass“ ganz böse ist und „Gewalt“ keine Lösung, dass „Kriege noch nie etwas gebracht“ haben und dass „bunte Vielfalt“ das einzig Wahre ist. Und bunt ist die Welt für Beschränkte im wesentlichen da, wo Frauen verschleiert werden.

Diese biobreigepamperte Generation, die von Helikoptermüttern bis zum sechzehnten Lebensjahr auf Klo begleitet werden muss und allein nicht mehr zur Uni findet, kann als Kernkompetenz den Müll trennen, aber kaum noch den eigenen Namen in des Sand kratzen. Woher soll’s auch kommen? Die Schule lehrt halt das, was sie für richtig hält. Eine Berliner Mutter hat mir erzählt, wie ihre Teenagertochter völlig verstört nach der ersten offiziellen Stunde zum Thema Sex nachhause gekommen sei. Es wurde als lockerer Einstieg Memory gespielt. Aber weder Tiermemory noch Blumenmemory, sondern sexuelle-Devianzen-Memory. und so erfuhr Töchterlein, dass es Koprophagie gibt – Männern also, die feste Ausscheidungen von Frauen essen. Ja, so geht Pädagogik, die sexuelle Welt ist nunmal kein Glücksbärchiland, dass kann Frau gar nicht früh genug lernen.

Man braucht gar keine Statistiken, keine überintellektuellen Analysen zur Lage der Nation. Wer einen Blick in die Zukunft tun will, der gehe ins Wandsbeker „Quarree“. Wer wissen will, wie es dazu kommen konnte, der blicke nach Berlin.

https://www.merkur.de/politik/berliner-unteilbar-demo-250-000-menschen-feiern-party-fuer-weltoffenes-deutschland-zr-10325014.html

Das gibts nur in Peccioli!

Toskana-Touristen kennen Pisa und Lucca, Florenz und Siena, Pienza und Montepulciano.

Aber wer kennt eigentlich Peccioli?

Die kleine Stadt liegt zwischen Pisa und Volterra, steht in keinem Reiseführer und ist eine Perle.

Der Tourismus hat Peccioli nicht entdeckt, was bekanntlich Vor- und Nachteile hat. Wenn man selbst als Touristin unterwegs ist, kann man sich zwar über den Tourismus schlecht aufregen – es lässt sich aber nicht leugnen, dass er seine Schattenseiten hat. Andererseits hat er vielen verarmten, heruntergekommenen Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit und brachliegender Infrastruktur in Italien zu neuem Glanz und Wohlstand verholfen, so den malerischen Cinque Terre in Ligurien. Als ich dort vor über dreißig Jahren zum ersten Mal bei einer Bergwanderung über den Marktplatz des Städtchens Corniglia stolperte, erregte ich noch so viel Aufsehen wie ein Unbekannter, der plötzlich im eigenen Wohnzimmer steht und den freien Blick auf den Fernseher blockiert. Diesen verschlafenen, unerschlossenen Charme hat Peccioli sich bis heute bewahren können.

Peccioli liegt auf einer felsigen Anhöhe mit herrlichem Weitblick ins Umland. 1988 hat der Ort es ordentlich krachen lassen und Städtepartnerschaft mit Ellnhofen geschlossen, weshalb direkt neben der alten Kirche am Marktplatz ein gelber deutscher Wegweiser angebracht ist: Ellnhofen 951 km. Es gibt am frühen Abend noch zwei Bars, die geöffnet haben, in einer von ihnen trinken wir einen Espresso. Alte Männer sitzen wie aus Stein gemeißelt davor und recken neugierig die Köpfe: Wer kommt denn da? Außerdem gibt es in den engen mittelalterlichen Gassen mit den hohen, düsteren Hausfassaden ein Haushaltswarengeschäft mit entzückend kitschigen Pecciolisouvenirs (!), einen Friseur, Zeitungsläden, zwei Ristorantes, von denen das eine geschlossen, das andere pleite ist, Obst- und Gemüseläden mit dem landestypisch hervorragenden Angebot herrlichster Erzeugnisse und eine chaotische Boutique.

Im Wirrwarr des Angebots entdecke ich draußen auf der Straße eine Jacke, eine wirklich schöne Wollfilzjacke, italienisches Fabrikat, gar nicht teuer. Ich entere den Laden und verkünde, dass ich gern die gelbe Jacke da draußen anprobieren möchte. Die Besitzerin überschlägt sich fast vor Begeisterung, nadelt die Jacke vom Bügel los und scheucht die schwatzenden Nachbarinnen beiseite, los, los, macht den Abgang hier, die Dame will sich im Spiegel sehen können, und hebt im Vorbeirauschen eine Schaufensterpuppe auf, die mit dem Gesicht flach auf dem Boden liegt. Ja, das sei eine sehr schöne Jacke, molto speciale, aber na los, wir sollen mal was erzählen! Wo wir herkommen, wieso ich Italienisch spreche, wo wir untergekommen sind? Volterra? Wahnsinn. Und heute seien wir in Pisa gewesen? Fantastisch! Wie denn das Wetter so in Hamburg sei, und im September sei es in Peccioli so kalt gewesen, dass die halbe Stadt ihr die Bude eingerannt und nach Daunenjacken gefragt hätte. Von ihren in die Gegend geschrienen Urlaubssegenswünschen begleitet, setzen wir das Sightseeing fort.

Man hat originellerweise ein Heer junger Künstler auf das Städtchen losgelassen, denn überall stößt man auf die überraschendsten Installationen. Das ist eigentlich ein Begriff, bei dem es mir kalt den Rücken herunterläuft und ich immer an ein befreundetes Pärchen aus Kassel denken muss. Beim Besuch der „documenta“ schoben sie einmal ihren Kinderwagen in irgendeine Ecke und konnten ihn Stunden später kaum der Expertenkommission entreißen, die gerade dabei war, herauszufinden, was ihnen der Künstler mit dieser Installation hatte sagen wollen.

Doch die in Peccioli integrierten modernen Kunstwerke sind schlicht grandios. Nichts ahnend dreht der Besucher sich um und wird plötzlich von der alten Stadtmauer herab aus tausend Augenpaaren beobachtet – einer Fotoinstallation. Ein Kruzifix über einem Eingang entpuppt sich bei näherem Hinsehen als ganz und gar heidnisches Kunstwerk mit nackten, verschlungenen Leibern; da und dort hängt einem plötzlich eine Plastik über dem Kopf und in den für toskanische Hügelstädte typischen, wegen des Platzmangels eingerichteten tunnelartigen Durchgängen gibt es beim Betreten psychedelische Lichteffekte. Aber das Beste steht noch bevor. Auf der anderen Seite der Stadtmauern überrascht der Anblick eines steinernen Riesen, der in einiger Entfernung aus der Erde zu kriechen scheint. Surreal ist gar kein Ausdruck.

Als wir um die Ecke auf ein ruhiges Plätzchen einbiegen, finden wir folgendes vor: Vier ältere italienische Damen plus vier italienische Katzen, von denen zwei ständig wie siamesische Zwillinge miteinander verknotet sind. Als ich der Getigerten über den Kopf streichen will, langt sie mir eine. Mit Samtpfote, was bei den Damen erhebliche Heiterkeit auslöst. Und wenn ich Ihnen jetzt sage, dass letztes Jahr, als wir das Städtchen entdeckten, am selben Ort dieselben vier Damen mit denselben Katzen saßen und dieselbe Katze mir damals schon eine langte und dieselbe Reaktion auslöste, werden Sie vielleicht sagen, ich spinne. Es war aber so. Sowas gibt’s eben nur in Peccioli.